Die Zahl ist erschütternd – und sie ist ein neuer Höchststand: Im Jahr 2024 sind laut aktuellen Daten des Bundeskriminalamts (BKA) mehr Menschen denn je in Deutschland Opfer häuslicher Gewalt geworden. Wie die Welt am Sonntag unter Berufung auf das BKA berichtet, wurden 256.942 Fälle offiziell registriert – das sind rund 3,7 Prozent mehr als noch im Vorjahr.
Statistisch bedeutet das: Etwa alle zwei Minuten wird in Deutschland ein Mensch Opfer häuslicher Gewalt. Und dabei handelt es sich nur um die bekannten Fälle – Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt. Viele Betroffene schweigen aus Angst, Scham oder Abhängigkeit.
Die Zahlen umfassen Gewalt in Partnerschaften, Familien oder Wohngemeinschaften – körperlich, psychisch und sexualisiert. In den meisten Fällen sind Frauen betroffen, doch auch Männer und Kinder sind Opfer.
„Wir beobachten einen besorgniserregenden Trend: Die Gewalt nimmt zu, während gleichzeitig die Hemmschwelle sinkt“, sagt eine Sprecherin des BKA. Auch die psychischen Folgen solcher Taten seien enorm – sie reichen von Depressionen und Angststörungen bis hin zu Traumata, die lebenslang nachwirken.
Zivilgesellschaftliche Organisationen fordern angesichts der Entwicklung mehr Prävention, niedrigschwellige Beratungsangebote und eine konsequentere Strafverfolgung. Auch der Ausbau von Frauenhäusern und Schutzwohnungen wird als dringend notwendig erachtet – vielerorts fehlt es an sicheren Plätzen für Betroffene.
Die Bundesregierung hatte zuletzt ein Aktionsprogramm gegen Gewalt an Frauen angekündigt. Doch Kritiker bemängeln die langsame Umsetzung und die unzureichende finanzielle Ausstattung vieler Hilfsprojekte.