Nur wenige Tage vor dem geplanten Beginn der Erdgasbohrungen in der Gemeinde Reichling (Landkreis Landsberg am Lech) hat die Umweltorganisation Greenpeace ein deutliches Zeichen gesetzt: Am frühen Morgen drangen 13 Aktivistinnen und Aktivisten auf das abgesperrte Gelände des geplanten Bohrplatzes nahe des Ammersees ein und errichteten dort eine rund fünf Meter hohe Konstruktion aus Bambus. Auf dem Gerüst hissten sie eine große Flagge mit der Aufschrift „Kein neues Gas!“, um ihre Ablehnung gegenüber dem Projekt öffentlich und sichtbar zu machen.
Protest gegen fossile Expansion in Zeiten der Klimakrise
Greenpeace kritisiert die geplante Erschließung des Erdgasvorkommens als rückwärtsgewandte Energiepolitik. In einer Zeit, in der Deutschland sich dem Klimaschutz verpflichtet habe und auf den Ausbau erneuerbarer Energien setze, sei die Erkundung und Förderung neuer fossiler Ressourcen ein völlig falsches Signal. „Die Klimakrise duldet keine neuen Gasprojekte“, so ein Sprecher der Organisation vor Ort. „Anstatt weiter in klimaschädliche Infrastrukturen zu investieren, müssen wir konsequent auf Wind, Sonne und Energiesparen setzen.“
Die Umweltschützer warnen zudem vor möglichen Umweltschäden durch die Bohrungen – etwa durch Eingriffe ins Grundwasser, Lärm, Flächenversiegelung und verkehrsbedingte Belastungen. Auch die Nähe des Bohrplatzes zum landschaftlich und touristisch bedeutsamen Ammersee sorgt in der Region für Unmut.
Projektbeginn steht kurz bevor – genaue Bohrtermine noch unklar
Das verantwortliche Unternehmen – laut Medienberichten ein auf die Erkundung und Förderung von Erdgas spezialisiertes Energieunternehmen – hatte den Behörden für diese Woche den Beginn der Aufbauarbeiten für die Bohranlage gemeldet. Wann genau die eigentlichen Bohrarbeiten starten sollen, war zum Zeitpunkt des Greenpeace-Protests noch nicht bekannt.
Das Gelände in Reichling ist derzeit von einem Bauzaun gesichert, dennoch gelang es den Aktivistinnen und Aktivisten, in das Areal einzudringen und die Kletterkonstruktion zu errichten. Die Polizei war rasch vor Ort und sicherte das Gebiet ab. Ob es zu Festnahmen kam oder rechtliche Schritte eingeleitet wurden, war zunächst unklar.
Regionale Debatte über Energiepolitik und Naturschutz
Das geplante Bohrprojekt ist bereits seit Wochen Gegenstand kontroverser Diskussionen in der Region. Während das Unternehmen mit Versorgungssicherheit und wirtschaftlichem Nutzen argumentiert, lehnen viele Anwohner und Umweltgruppen das Vorhaben entschieden ab. Kritiker verweisen auf die unklare Klimabilanz von Erdgas und die Gefahr, dass Investitionen in fossile Infrastruktur den Umstieg auf klimafreundliche Energien verzögern.
Der Protest von Greenpeace reiht sich damit ein in eine wachsende Zahl von Aktionen gegen neue fossile Projekte in Deutschland. Mit ihrer öffentlichkeitswirksamen Besetzung des Bohrgeländes will die Organisation nicht nur das konkrete Projekt in Reichling stoppen, sondern auch die politische Debatte über den Umgang mit Erdgas verschärfen.
Fazit: Symbolischer Widerstand gegen fossile Projekte in sensibler Landschaft
Die Aktion am Ammersee ist mehr als eine punktuelle Protestaktion – sie steht stellvertretend für einen grundlegenden Konflikt zwischen kurzfristiger Energiegewinnung und langfristigem Klimaschutz. Wie die Behörden, das Unternehmen und die Politik auf den Protest reagieren werden, bleibt abzuwarten. Klar ist: Der Widerstand gegen neue Gasprojekte wird sichtbarer und lauter – besonders dann, wenn sie in landschaftlich und ökologisch sensiblen Regionen wie der Ammersee-Umgebung geplant sind.