Die verheerenden Waldbrände in Sachsen und Thüringen Anfang Juli haben erneut gezeigt, wie rasend schnell sich Feuer ausbreiten können. In Zeiten zunehmender Hitze und Trockenheit steigt das Risiko für großflächige Brände dramatisch. Um in Zukunft schneller reagieren zu können, setzt ein Münchner Unternehmen auf eine hochmoderne Lösung: Satelliten mit Wärmebildtechnik, die Brände in Echtzeit aufspüren können.
Münchner Start-up schickt Mini-Satelliten ins All
Im unscheinbaren Bürogebäude von OroraTech in München entsteht eine neue Generation von Erdbeobachtungssatelliten. Das Unternehmen hat bereits elf Satelliten ins All gebracht – jeder etwa koffergroß, leicht und flexibel. Das Ziel ist ehrgeizig: In den kommenden Jahren soll das Netzwerk auf 100 Satelliten anwachsen.
Alle Geräte sind mit hochauflösenden Wärmebildkameras ausgestattet, deren Aufgabe es ist, Waldbrände weltweit in einem sehr frühen Stadium zu erkennen – bevor sie sich zu katastrophalen Feuerstürmen entwickeln.
Warum sind bestehende Systeme unzureichend?
Es gibt bereits Missionen zur Waldbrandüberwachung, etwa die Sentinel-Satelliten des europäischen Copernicus-Programms. Doch deren Daten reichen nicht aus, um eine kontinuierliche Überwachung sicherzustellen, erklärt Andrea Spichtinger, Physikerin bei OroraTech:
„Die offiziellen Missionen fliegen zum Beispiel sehr viel zur Mittagszeit. Am Nachmittag gibt es über manchen Regionen fast keine Satelliten.“
Diese zeitlichen Lücken sind ein Problem, da Brände oft in den heißen Nachmittagsstunden entstehen. OroraTech will das ändern: Mit dem geplanten Netzwerk soll alle 30 Minuten jeder Punkt der Erde erfasst werden. Zusätzlich sollen die Daten der Sentinel-Satelliten in das System integriert werden.
Technologischer Fortschritt: Präzision und Geschwindigkeit
Die neuen Satelliten liefern nicht nur häufiger Bilder, sondern auch deutlich genauere. Gondela Roßner, Leiterin der Abteilung Erdbeobachtung beim DLR, bezeichnet die Technologie als echten Meilenstein:
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Bisherige Auflösung: rund 300 Meter
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Neue Auflösung: unter 100 Meter
Damit können auch kleine Brände präzise lokalisiert werden. Selbst Temperaturdifferenzen von nur drei Grad Celsius werden erkannt. Laut Lukas Liesenhoff, Ingenieur bei OroraTech, ist das ein entscheidender Vorteil:
„Selbst wenn Brände nur wenige Meter groß sind, erzeugen sie genug Hitze, um erkannt zu werden. Bei Tests konnten wir sogar Sonnwendfeuer und Osterfeuer aufspüren.“
Auf den Systemkarten erscheinen sogar Photovoltaik-Anlagen, die Sonnenlicht reflektieren – ein Hinweis auf die hohe Sensitivität der Technik.
Simulation für Prognosen: So breitet sich das Feuer aus
Das System bietet nicht nur eine frühe Erkennung, sondern ermöglicht auch Prognosen zur Brandentwicklung. Dafür werden Satellitendaten mit weiteren Faktoren kombiniert:
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Windgeschwindigkeit und -richtung
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Vegetationstyp (Art des Brennstoffs)
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Geländebeschaffenheit (bergauf brennt schneller als bergab)
Diese Informationen fließen in ein Simulationsmodell, das innerhalb von Sekunden berechnet, wie sich ein Waldbrand ausbreiten wird. Einsatzkräfte können dadurch besser planen, Evakuierungen vorbereiten und Löschstrategien anpassen.
Warum das wichtig ist
In Deutschland und Europa nehmen Dürreperioden und Extremwetter zu. Die Waldbrandgefahr steigt, und der Klimawandel verschärft das Problem. Systeme wie das von OroraTech könnten künftig entscheidend sein, um Menschenleben, Infrastruktur und Natur zu schützen.