In Oberbayern ist ein Fall von organisiertem Versicherungsbetrug ans Licht gekommen: Ein Mitarbeiter einer Versicherungsagentur in Dachau soll in mindestens sechs Fällen gemeinsam mit Fußballspielern fingierte Sportunfälle abgerechnet haben. Nach einem umfassenden Geständnis wurde das Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt.
Das Vorgehen: Gefälschte Verletzungen, echtes Geld
Der Fall zeigt, wie leicht sich Versicherungsbetrug in der Praxis gestalten lässt – und welche Summen dabei im Spiel sind. Die Masche war simpel: Sportler meldeten angebliche Verletzungen, die nie passiert waren, und reichten gefälschte ärztliche Atteste ein. Die Versicherung überwies daraufhin Beträge zwischen 3.000 und 5.000 Euro pro Fall.
Das Geld wurde zwischen dem Versicherungsmitarbeiter und den Spielern aufgeteilt. Nach Angaben des Amtsgerichts Dachau war der 29-jährige Angeklagte, ein Amateurfußballer aus Augsburg, einer der Profiteure. Er hatte bei dem mit ihm befreundeten Versicherungsmitarbeiter eine Unfallversicherung abgeschlossen.
Aufgeflogen durch auffällige Häufung von Schadensmeldungen
Laut Gericht begann der Betrug nach einem Fußballspiel: Der 29-Jährige meldete eine angebliche Ellenbogenverletzung und legte ein „total gefälschtes Attest“ vor. Dafür kassierte er 3.000 Euro.
Als sich derartige Schadensmeldungen häuften, wurde die Versicherung misstrauisch und schaltete die Ermittlungsbehörden ein.
Gerichtsverfahren und Deal
Gegen den 29-Jährigen erließ das Amtsgericht zunächst einen Strafbefehl über 2.400 Euro wegen mittäterschaftlichen Betrugs. Dagegen legte der Verteidiger Einspruch ein, sodass es zu einer Hauptverhandlung kam.
In einem Rechtsgespräch zwischen Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Richter wurde schließlich eine Einigung erzielt: Das Verfahren wurde gegen eine Geldauflage von 2.400 Euro eingestellt, da der Angeklagte geständig war und nicht vorbestraft ist.
Drahtzieher bereits in Haft
Der Versicherungsmitarbeiter, der als Drahtzieher der Betrugsserie gilt, trat im Verfahren als Zeuge auf. Sein Verfahren wurde eingestellt, weil er derzeit ohnehin eine mehrjährige Haftstrafe wegen anderer Delikte verbüßt.
Hintergrund: Versicherungsbetrug in Deutschland
Versicherungsbetrug ist kein Kavaliersdelikt: Nach Schätzungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) entstehen jährlich Schäden in Milliardenhöhe. Sportversicherungen gehören dabei zu den besonders anfälligen Bereichen, da Verletzungen oft schwer nachprüfbar sind.