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CBS setzt „The Late Show with Stephen Colbert“ ab – Politisches Kalkül oder reines Sparprogramm?

RGY23 (CC0), Pixabay

Die Nachricht schlug in der US-Medienlandschaft ein wie eine Bombe: CBS stellt im Mai 2026 seine erfolgreiche Late-Night-Sendung „The Late Show with Stephen Colbert“ ein – obwohl das Format seit Jahren Quotenführer im 23:35-Uhr-Slot ist.

Nach außen klingt das unlogisch. Doch im Inneren des Senders, so heißt es, habe man eine „qualvolle Entscheidung“ getroffen, wie CBS selbst einräumt. Die Show sei wirtschaftlich nicht mehr tragfähig gewesen. Laut AdTech-Firma Guideline sind die Werbeeinnahmen im Late-Night-Segment in den letzten sechs Jahren um rund 50 % eingebrochen – von 439 Millionen Dollar im Jahr 2018 auf nur noch 220 Millionen im Jahr 2024.

Hinzu kommt: Produktionen wie Colberts Show sind teuer – große Studios, Live-Publikum, Redaktionsteams in dreistelliger Zahl. Und obwohl Clips in sozialen Netzwerken viral gehen, bleibt die Monetarisierung aus, da CBS selbst kaum Kontrolle über Plattformen wie YouTube oder X hat.

Politisches Motiv? Gewerkschaft und Demokraten äußern Zweifel

Offiziell betont CBS, dass die Entscheidung „rein finanzieller Natur“ sei. Doch nicht nur Colberts Fanbasis und Medienbeobachter zweifeln an dieser Darstellung. Die Writers Guild of America forderte am Freitag eine Untersuchung durch die New Yorker Generalstaatsanwaltschaft. Der Verdacht: Das Aus für die Show sei ein „politisches Zugeständnis“, um sich mit der Trump-Administration gutzustellen.

Denn: Stephen Colbert war einer der schärfsten Kritiker Donald Trumps im US-Fernsehen. Und ausgerechnet jetzt, wo Paramount Global, der Mutterkonzern von CBS, mit der Firma Skydance Media fusionieren will – deren Chef David Ellison dem Trump-Lager nahesteht – wirkt die Entscheidung wie ein symbolischer Kotau.

Brisant: Kurz zuvor hatte Paramount eine Klage Trumps gegen „60 Minutes“ mit einem Vergleich beigelegt. Teil der Einigung: 16 Millionen Dollar sollen in Trumps geplante Präsidentschaftsbibliothek fließen.

Trump jubelt, Colbert-Fans wüten

Trump ließ sich die Gelegenheit zur Häme nicht entgehen. Auf Truth Social schrieb er:

„Ich liebe es, dass Colbert gefeuert wurde. Weniger Talent als Quote. Ich höre, Kimmel ist als Nächstes dran.“

Tatsächlich ist Colberts Ende nicht die erste Late-Night-Streichung bei CBS: Bereits 2023 wurde James Cordens „Late Late Show“ durch ein kostengünstigeres Format ersetzt. Doch Colbert ist eine andere Liga – politisch, gesellschaftlich, kulturell.

Für CBS dürfte das Timing der Entscheidung kaum unglücklicher sein. Der Eindruck politischer Einflussnahme – ob gerechtfertigt oder nicht – wird durch die laufende Fusionsprüfung durch die FCC, die unter Trump-Besetzung steht, noch verstärkt. Elizabeth Warren, Senatorin der Demokraten, forderte:

„Amerika hat ein Recht zu erfahren, ob diese Absetzung politisch motiviert war.“

Ob nun wirtschaftliche Notwendigkeit oder vorauseilender Gehorsam gegenüber einem mächtigen Präsidenten – die Entscheidung markiert das vorläufige Ende einer Ära. Und sie wirft unangenehme Fragen auf zur Unabhängigkeit von Medienkonzernen im Spannungsfeld zwischen Kommerz und politischem Kalkül.

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