Was klingt wie ein überambitioniertes Netflix-Drama, ist in Wahrheit die neueste diplomatische Reality-Show aus dem Hause Trump: Die USA und Venezuela haben einen groß angelegten Gefangenentausch vollzogen – organisiert von Donald Trump persönlich, mit tatkräftiger Unterstützung von Florida-Falke Marco Rubio und TikTok-tauglichen Tränen der Familien.
Das Prinzip war einfach: Venezuela lässt zehn US-Bürger frei, darunter ein Kitesurfer, ein Hotelgast und diverse andere Urlauber mit Pech – im Gegenzug schickt El Salvador 252 Venezuelaner, die von den USA als „Gangmitglieder“ klassifiziert wurden, zurück in ihre Heimat. Warum die überhaupt in El Salvador saßen? Weil Trump sie im März medienwirksam dorthin abschob – ins berüchtigte Mega-Gefängnis CECOT. Ein Schelm, wer da an geopolitisches Schach denkt.
Wer zählt, verliert
Interessant: Laut Washington sollten es exakt 252 Rückführungen sein – wohl, um mathematische Gerechtigkeit zu symbolisieren. Doch ob diese 252 wirklich alle „Terror-Gangster“ waren, bleibt fraglich. Menschenrechtsanwälte sprechen lieber von „unschuldigen Migranten“, die gerade mal ein Päckchen empfangen oder bei WhatsApp einen falschen Smiley verschickt hatten. Egal – jetzt sind sie wieder daheim, bei Maduro.
Der venezolanische Präsident feierte die Rückkehr als „großen Sieg“ – während gleichzeitig Flugzeuge aus Texas weitere Kinder heimflogen, die man zuvor an der US-Grenze getrennt hatte. Eine PR-Offensive mit Familienromantik und Tränendrüsenbonus.
Trump und Rubio: Die Buddy-Komödie
Währenddessen lobte Präsident Trump seinen Lieblingssenator Marco Rubio in höchsten Tönen: „Er ist ein Naturtalent! Niemand macht’s besser.“ Dabei hatten sich die beiden noch 2016 öffentlich beleidigt. Heute scheint Rubio als inoffizieller „Staatssekretär für alles, was Schlagzeilen bringt“ zu fungieren – vom Kuba-Gesetz bis zum Großtauschhandel mit autoritären Regimen.
Rubio selbst erklärte stolz, dass „jetzt kein einziger Amerikaner mehr in Venezuela festgehalten wird“ – und vergaß dabei zu erwähnen, dass einige der „fälschlich Inhaftierten“ vielleicht gar nicht hätten reisen sollen, wenn sie nicht gerade „zufällig“ an der Grenze entführt worden wären.
Bukele – der neue Tauschbasar-Magnat
Und dann wäre da noch Nayib Bukele, Präsident von El Salvador, PR-Profi und autoritärer Techno-Posterboy. Der ließ sich nicht lumpen, zeigte in einem Video den Abtransport der Gefangenen – alle in Handschellen. „Sie waren Mitglieder der kriminellen Organisation Tren de Aragua“, behauptete er – ganz ohne Prozess, versteht sich. Aber hey, Hauptsache es wirkt stabil und nach „Law & Order“.
Fazit: Geopolitik als Showbusiness
Ob einer der 252 jemals angeklagt wird, interessiert offenbar niemanden mehr. Hauptsache, Trump kann „Deals“ feiern, die Schlagzeilen liefern. Und das Weiße Haus kann behaupten: „Niemand hat jemals mehr Geiseln befreit als wir!“ – selbst wenn es eigentlich Touristen mit Sonnenbrand waren.
Kurz gesagt: In Trumps Amerika wird Diplomatie nicht mehr geführt – sie wird gehandelt. Wer braucht noch die UNO, wenn man auch ein globales Tauschbörsen-Format mit Rubrik „Menschen gegen Menschen“ starten kann?