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Trump will’s nicht gewesen sein – Neue Töne im alten Spiel mit Putin

GabrielDouglas (CC0), Pixabay

Donald Trump hat in dieser Woche wieder einmal bewiesen, dass politische Erinnerung oft flexibler ist als Gummi. Der frühere US-Präsident, der gerade mitten in einem heißen Vorwahlkampf steckt, präsentiert sich neuerdings als einer, der sich nie von Wladimir Putin täuschen ließ. Er, so betont er nun in Interviews und Pressegesprächen, habe den russischen Präsidenten schon immer durchschaut – anders als Clinton, Bush, Obama oder Biden.

„Er hat viele getäuscht – aber nicht mich“, sagte Trump am Montag im Weißen Haus mit gewohntem Selbstbewusstsein. Die Realität allerdings erzählt eine andere Geschichte – eine, in der Trump jahrelang Putins Aussagen über die eigenen Geheimdienste stellte und immer wieder öffentlich Vertrauen in Moskaus Absichten bekundete.

Neue Härte – oder alte Taktik?

In den letzten Tagen hat sich der Ton Trumps gegenüber Putin verschärft. Er hat Russland verbal kritisiert und angekündigt, der Ukraine künftig wieder mehr militärische Unterstützung zukommen zu lassen. Allerdings: Sanktionen gegen Staaten, die weiterhin russisches Öl kaufen, sollen erst in 50 Tagen in Kraft treten. Viel Zeit also – auch für politische Richtungswechsel.

Doch Trumps neue Entschlossenheit kommt nicht ohne eine Portion nachträglicher Selbstentlastung. Mehrfach versicherte er in dieser Woche, Putin nie wirklich vertraut zu haben. In einem Interview mit der BBC sagte er auf die Frage, ob er Putin traue:
„Ich vertraue fast niemandem, wenn Sie es genau wissen wollen.“
Das klang jedoch deutlich nach einem Rückzieher, bedenkt man, was er noch im Februar sagte:
„Ich glaube, er will Frieden. Ich kenne ihn sehr gut. Ich denke, er würde mir sagen, wenn es nicht so wäre. Ich vertraue ihm in dieser Sache.“

Von der Loyalität zur Ernüchterung

Noch im Frühjahr lobte Trump Putins Worttreue, als er nach dessen Bereitschaft zu einem Friedensabkommen gefragt wurde:
„Ich denke, er wird sich daran halten.“
Sein Argument: Beide hätten mit der „Russland-Affäre“ zu kämpfen gehabt – offenbar eine Art politischer Männerbund über Landesgrenzen hinweg.

Und auch im April zeigte sich Trump überzeugt:
„Ich denke, Putin wird Frieden schaffen.“

Nun jedoch stellt er öffentlich fest, dass Putin ihn mehrfach habe „am Verhandlungstisch hängen lassen“. Drei- oder viermal sei ein Deal „so gut wie fix“ gewesen – nur um dann wieder von Russland gebrochen zu werden.

Trotz dieser Enttäuschungen zeigt sich Trump weiter zögerlich, wenn es um harte Konsequenzen geht. Sogenannte Sekundärsanktionen sollen – falls überhaupt – erst später kommen. Diplomatische Geduld oder politische Kalkulation?

Streit mit Selenskyj eskaliert

Eine Szene, die im Februar für Schlagzeilen sorgte, war Trumps hitziges Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Als Vizepräsident J.D. Vance betonte, man wolle lieber diplomatische Lösungen statt „Drohgebärden“, platzte Selenskyj der Kragen:
„Was für eine Diplomatie? Wir haben 2019 einen Waffenstillstand unterschrieben. Dann hat er ihn gebrochen, unsere Leute getötet und keine Gefangenen freigelassen.“

Trump reagierte darauf mit seiner üblichen Mischung aus Ablenkung und Selbstlob:
„Was ist, wenn er es wieder bricht? Was, wenn dir jetzt eine Bombe auf den Kopf fällt, okay? Sie haben den Deal mit Biden gebrochen – weil sie ihn nicht respektierten. Aber sie respektieren mich.“

Worte vs. Realität

Am Montag ließ Trump durchblicken, wie sehr ihn Putins Worte offenbar nach wie vor beeindrucken – und wie wenig er sie mit dessen Handlungen vergleicht.
„Ich komme nach Hause und sage zur First Lady: ‚Ich hatte ein wunderbares Gespräch mit Wladimir.‘ Und sie sagt: ‚Oh ja? Gerade wurde wieder eine Stadt bombardiert.‘“

Diese Diskrepanz zieht sich durch Trumps gesamtes außenpolitisches Handeln: Er schenkte oft autokratischen Führern wie Putin oder Chinas Xi Jinping mehr Vertrauen als den eigenen Geheimdiensten – mit bekannten Konsequenzen. Auch zu Beginn der Corona-Pandemie lobte er Chinas Umgang mit dem Virus, sprach von Transparenz – während Peking gerade Informationen unterdrückte.

Rückblick mit selektivem Gedächtnis

Als er 2018 in Helsinki neben Putin stand und gefragt wurde, ob Russland in die US-Wahl 2016 eingegriffen habe, sagte Trump:
„Ich sehe keinen Grund, warum sie es getan hätten.“
Später behauptete er, er habe sich versprochen – aber Zweifel an der russischen Schuld streute er weiter.

Heute stellt Trump sich gern als den einzigen US-Präsidenten dar, der Putin durchschaut habe. Doch bei genauem Hinsehen zeigt sich: Auch Trump ließ sich täuschen – nur möchte er es jetzt nicht mehr gewusst haben.


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