Sie lauern lautlos im hohen Gras, im Unterholz und sogar in den heimischen Gärten: Zecken. Klein, unscheinbar und doch potenziell gefährlich – besonders in Zeiten des Klimawandels. In Österreich sorgen sie jährlich für zahlreiche Erkrankungen, allen voran Lyme-Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Doch nun setzt ein ambitioniertes Projekt auf die Hilfe der Bevölkerung, um dem wachsenden Gesundheitsrisiko durch Zecken besser zu begegnen: SURVector – ein Citizen-Science-Projekt, das Forschung für jedermann zugänglich macht.
Zecken unter der Lupe – von Bürgern gesammelt, von Experten analysiert
Seit Anfang 2024 läuft das Projekt SURVector, getragen von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), das erstmals ein flächendeckendes Zecken- und Stechmücken-Monitoring in Österreich ermöglicht. Die Idee ist ebenso simpel wie wirkungsvoll: Bürgerinnen und Bürger sammeln Zecken in ihrer Umgebung und schicken sie zur Analyse ein. Die eingesandten Tiere werden zunächst mikroskopisch bestimmt und anschließend molekularbiologisch auf Krankheitserreger untersucht.
Der Erfolg des Projekts ist beachtlich: Bereits bis zum 20. Juni 2025 wurden über 2.650 Zecken abgegeben – fast doppelt so viele wie im gesamten Jahr 2024. Das hohe Engagement zeigt nicht nur ein wachsendes Bewusstsein in der Bevölkerung, sondern liefert auch wertvolle wissenschaftliche Daten.
Gefährliche Mitbringsel: Was die Zecken in sich tragen
Unter den abgegebenen Exemplaren dominieren Zecken der Gattung Ixodes, insbesondere der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus), mit einem Anteil von 95,1 Prozent. Aber auch Auwaldzecken (Dermacentor) und vereinzelt Reliktzecken (Haemaphysalis) wurden nachgewiesen.
Besorgniserregend ist die Anzahl der mit Krankheitserregern infizierten Zecken: Von 940 untersuchten Tieren trugen 22,1 Prozent Borrelien in sich – die Erreger der Lyme-Borreliose. Daneben wurden Rickettsien (15,6 %), Anaplasma phagocytophilum (5,8 %), Candidatus Neoehrlichia mikurensis (2,0 %) und sogar Borrelia miyamotoi (0,6 %) festgestellt – eine seltenere, aber ebenfalls gefährliche Borrelienart.
Neue Arten auf dem Vormarsch: Zecken aus dem Süden
Ein weiteres Indiz für den Einfluss des Klimawandels auf das Zeckenverhalten ist das Auftreten neuer Arten: Drei Exemplare der Riesenzecke Hyalomma marginatum wurden 2025 eingesandt. Diese ursprünglich in südosteuropäischen und asiatischen Regionen heimische Art ist potenziell Überträgerin des gefährlichen Krim-Kongo-Fiebers – einer Viruserkrankung mit hoher Sterblichkeitsrate. Zwei der Hyalomma-Zecken wurden bereits getestet – glücklicherweise mit negativem Ergebnis.
Der Klimawandel wirkt dabei als Turbo für die Ausbreitung: Zecken sind heute nicht nur früher im Jahr aktiv, sondern dringen auch in neue Höhenlagen vor. Früher galten 1.000 Höhenmeter als natürliche Grenze – mittlerweile wurden Fundorte in über 1.500 Meter Seehöhe registriert.
Woher kommen die meisten Zecken?
Die meisten eingesandten Zecken stammen aus Niederösterreich (40 %), gefolgt von Oberösterreich (19,8 %) und der Steiermark (17,4 %). Die geographische Verteilung hilft dabei, regionale Risikogebiete zu identifizieren und gezielt präventive Maßnahmen zu setzen.
Gemeinsam gegen die Unsichtbare Bedrohung
Das Projekt SURVector zeigt eindrucksvoll, wie Bürgerwissenschaft einen wertvollen Beitrag zur öffentlichen Gesundheit leisten kann. Jeder eingesandte Zecke ist ein Puzzlestein im Bild der sich verändernden Epidemiologie Österreichs. Und auch wenn Zecken nicht vollständig aus unserer Umwelt verschwinden werden, so kann doch durch Wissen, Forschung und Prävention ihre Bedrohung erheblich eingedämmt werden.
Die Botschaft ist klar: Schützen Sie sich – und helfen Sie mit, unsere Umwelt besser zu verstehen. Eine Zecke mag klein sein, doch ihr Einfluss auf unsere Gesundheit ist groß. Und ebenso groß ist die Chance, durch Engagement einen Unterschied zu machen.