Am Dienstagabend, dem 24. Juni 2025, wurde der 51-jährige Thomas Lee Gudinas im Bundesstaat Florida durch eine tödliche Injektion hingerichtet. Die Hinrichtung markiert die siebte in Florida und die 24. in den gesamten Vereinigten Staaten im laufenden Jahr. Gudinas war wegen der Vergewaltigung und Ermordung der 27-jährigen Michelle McGrath im Jahr 1994 verurteilt worden.
Der Fall Michelle McGrath
Michelle McGrath war eine lebensfrohe junge Frau, ehemalige Homecoming-Queen, mit festen beruflichen Zielen und einem ausgeprägten sozialen Engagement. Am 24. Mai 1994 wurde sie beim Verlassen eines Clubs in Orlando von Gudinas überfallen, in eine nahegelegene Gasse gezerrt, brutal vergewaltigt und schwer misshandelt. Ihre Leiche wurde am Morgen des darauffolgenden Tages auf dem Gelände einer Mädchenschule gefunden.
Der Fall sorgte damals für große mediale Aufmerksamkeit, weshalb der Prozess ins südlich gelegene Naples verlegt wurde. Die Jury sprach sich mit 10 zu 2 Stimmen für die Todesstrafe aus, ein Urteil, das der Richter mit Hinweis auf die Grausamkeit der Tat bestätigte.
Der Täter: Eine Biografie voller Brüche
Thomas Lee Gudinas wuchs in Massachusetts auf und zeigte laut seiner Mutter bereits früh extreme Verhaltensstörungen. In seiner Jugend wurde er mehr als 100 Mal in staatliche Betreuungseinrichtungen verlegt. Drogenmissbrauch und Gewaltverbrechen bestimmten früh seinen Lebenslauf. Bereits mit 18 wurde er wegen eines versuchten sexuellen Übergriffs verurteilt.
Nach seiner Entlassung geriet er immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt. Im Frühjahr 1994 zog er nach Florida und nahm eine Anstellung als Tellerwäscher an – kurz darauf verübte er den Mord an McGrath.
Debatte um mentale Zurechnungsfähigkeit
Gudinas’ Anwälte argumentierten bis zuletzt, ihr Mandant sei wegen schwerer psychischer Erkrankung nicht hinrichtungsfähig. Als Beweis legten sie unter anderem wirre Briefe vor, darunter ein Schreiben an Ex-Präsident Donald Trump, in dem Gudinas von einem „geheimen globalen System“ sprach, das für seine Inhaftierung verantwortlich sei.
Der Oberste Gerichtshof Floridas wies die Einwände jedoch zurück.
Die Stimme der Familie
Die Familie von Michelle McGrath zeigte sich erleichtert, dass nach über 30 Jahren rechtlicher Auseinandersetzungen ein Schlusspunkt gesetzt wurde. Gleichzeitig machten ihre Angehörigen deutlich, dass eine Hinrichtung kein echtes Gefühl von „Abschluss“ bringe.
„Es ist einfach nur vorbei“, sagte ihre Schwester Kerry McGrath gegenüber der Presse. Andere Familienmitglieder verzichteten bewusst darauf, der Hinrichtung beizuwohnen – aus Selbstschutz, wie sie betonten.