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Massiver Hackerangriff auf Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern – IT-Experten warnen vor weitreichendem Datenabfluss
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Massiver Hackerangriff auf Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern – IT-Experten warnen vor weitreichendem Datenabfluss

TechLine (CC0), Pixabay

Nach dem folgenschweren Cyberangriff auf mehr als 3.500 dienstliche Smartphones der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern Anfang Juni sind nun weitere besorgniserregende Details bekannt geworden. Wie aus Informationen des NDR hervorgeht, halten IT-Spezialisten der Polizei es inzwischen für möglich, dass nicht nur dienstliche, sondern auch private Daten der Beamten betroffen sein könnten – darunter sogar sensible Zugangsdaten zu persönlichen Online-Konten.

Zugriff auf dienstliche Daten bestätigt – Private Nutzung möglicherweise mitverantwortlich

Nach Angaben des Innenministeriums wurden durch den Angriff individuelle dienstliche Informationen kompromittiert. Dazu zählen unter anderem Namen, Dienstgrade, dienstliche E-Mail-Adressen, Telefonnummern und unter Umständen auch GPS-Daten der Geräte. Ob diese Daten tatsächlich aus dem internen System entwendet wurden und sich nun im Besitz der Angreifer befinden, ist noch unklar.

Ein besonders kritischer Aspekt: Die betroffenen Smartphones konnten von den Polizistinnen und Polizisten auch privat genutzt werden – über eine zweite SIM-Karte. IT-Fachleute befürchten daher, dass auch persönliche Daten wie Fotos, Passwörter oder sogar Online-Banking-Zugänge kompromittiert wurden. Die Experten raten eindringlich dazu, WLAN-Passwörter im privaten Umfeld zu ändern und Login-Daten zu Online-Diensten wie Amazon, Netflix oder Bankkonten zu erneuern.

Diensthandys abgeschaltet – Millionen-Schaden möglich

Die rund 3.500 betroffenen Dienstgeräte wurden umgehend stillgelegt. Ob sie jemals wieder verwendet werden können, ist derzeit fraglich. Der materielle Schaden wird auf mehrere Millionen Euro geschätzt. Noch unklar ist, welche Datenmengen die Server tatsächlich verlassen haben – doch die Unsicherheit ist groß.

Gewerkschaft: „Eklatante Schwächen in der IT-Sicherheit“

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Mecklenburg-Vorpommern äußerte sich entsetzt über die Vorkommnisse. Der Angriff offenbare gravierende strukturelle Schwächen in der IT-Sicherheit der Polizei. „Dieser Vorfall gefährdet nicht nur die Einsatzfähigkeit unserer Kolleginnen und Kollegen, sondern auch die Sicherheit der Bevölkerung“, heißt es in einer Stellungnahme. Die GdP fordert von der Landesregierung endlich konkrete Maßnahmen: mehr qualifiziertes IT-Personal, bessere Sicherheitsstandards und eine konsequente Aufarbeitung des Vorfalls.

Innenministerium: „Vertrauen in unsere Systeme auf die Probe gestellt“

In einem internen Schreiben bezeichneten hochrangige Vertreter des Innenministeriums, darunter der Leiter der Polizeiabteilung Bertold Wittig und Inspekteur Nils Hoffmann-Ritterbusch, den Angriff als „Sicherheitsvorfall“, der das Vertrauen in die Integrität der polizeilichen IT-Systeme erschüttere. Man bedaure die Situation zutiefst und arbeite mit Hochdruck an der Aufklärung.

Eine spezielle Taskforce des Landesamts für zentrale Aufgaben und Technik der Polizei, Brand- und Katastrophenschutz (LPBK) ist mit der Analyse und Bewältigung des Angriffs beauftragt. Um die Kommunikationsfähigkeit der Polizei zumindest teilweise aufrechtzuerhalten, sollen kurzfristig 119 Ersatzgeräte – unter anderem aus Katastrophenschutz-Beständen – zur Verfügung gestellt werden. Der Internetzugang dieser Übergangsgeräte wird jedoch vorsorglich deaktiviert bleiben.

Frühe Hinweise offenbar ignoriert – Opposition fordert Aufklärung

Besonders brisant: Laut internen Protokollen hatte das LPBK bereits am 22. Mai erste Hinweise auf einen Angriff erhalten. Die Telekom als technischer Dienstleister meldete ungewöhnliche Aktivitäten im sogenannten MDM-System, das für die Verwaltung mobiler Endgeräte zuständig ist. Dennoch wurden betroffene Server offenbar erst mit deutlicher Verzögerung – am 3. Juni – vollständig vom Netz genommen. Erst an diesem Tag informierte das Ministerium die Öffentlichkeit über einen „Angriffsversuch“. Heute ist klar: Die Smartphones sind auf absehbare Zeit unbrauchbar.

Die Opposition im Schweriner Landtag spricht von eklatantem Versagen. Insbesondere wird dem Innenministerium vorgeworfen, Hinweisen auf Sicherheitslücken nicht rechtzeitig nachgegangen zu sein. Innenminister Christian Pegel (SPD) muss sich dazu am Donnerstag den Fragen der Abgeordneten stellen. Auch das Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft Rostock haben Ermittlungen aufgenommen. Hinweise auf die Urheber des Angriffs gibt es bislang nicht. Es sei keine Lösegeldforderung eingegangen, was nach Einschätzung von Sicherheitsexperten darauf hindeutet, dass es den Tätern primär um Sabotage, nicht um finanziellen Gewinn gehe.

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