Obwohl US-Präsident Donald Trump am Montag einen „vollständigen und totalen Waffenstillstand“ zwischen Israel und Iran verkündet hatte, wächst die internationale Skepsis: Sowohl die tatsächliche Wirksamkeit der US-Angriffe auf Irans Atomanlagen als auch die Stabilität der Feuerpause werden zunehmend in Frage gestellt.
Angriff auf Irans Atomprogramm offenbar nur begrenzt erfolgreich
Am Wochenende hatte das US-Militär im Rahmen der Operation „Midnight Hammer“ 14 Bunkerbrecher-Bomben auf drei iranische Nuklearanlagen in Fordow, Natanz und Isfahan abgeworfen. Präsident Trump sprach von einer „vollständigen Vernichtung“ des iranischen Atomprogramms.
Doch laut Pentagon-Geheimdiensteinschätzung wurden die unterirdischen Anlagen nicht vollständig zerstört, da die eingesetzten 30.000-Pfund-Bomben nicht tief genug eindrangen. Der Effekt: eine Verzögerung um wenige Monate, mehr nicht.
Die internationale Atomenergiebehörde (IAEA) konnte bislang keine nennenswerten Strahlungswerte außerhalb der Anlagen messen – ein Hinweis darauf, dass womöglich keine hochradioaktiven Materialien getroffen wurden.
Wo ist das angereicherte Uran?
Ein drängender Punkt bleibt ungeklärt: Was geschah mit Irans Vorräten an angereichertem Uran?
Laut mehreren US-Experten hatte Teheran genügend Zeit, seine Bestände vor dem US-Angriff zu evakuieren – auch Satellitenbilder zeigten ungewöhnliche Transportaktivitäten an den Standorten.
Die IAEA und frühere UN-Inspektoren bestätigen: „Wesentliche Mengen nuklearen Materials sind derzeit nicht auffindbar.“
Trump vs. Israel – Unmut über neue Angriffe
Trump zeigte sich am Dienstag ungewohnt kritisch gegenüber Israel, das nach eigenen Angaben noch in der Nacht vor dem Waffenstillstand Luftschläge in Teheran ausführte. Auch iranische Raketenangriffe auf Be’er Scheva sollen stattgefunden haben – darunter auch ein Angriff sechs Minuten nach Inkrafttreten des Waffenstillstands um 7 Uhr morgens.
Trump kommentierte:
„Beide Länder kämpfen so lange und so heftig, dass sie nicht mehr wissen, was zum Teufel sie da eigentlich tun.“
Auf Truth Social verkündete er später, alle israelischen Flugzeuge würden „eine freundliche Ehrenrunde über dem Iran fliegen und dann zurückkehren – der Waffenstillstand gilt!“
NATO-Gipfel überschattet
Trump reiste am Abend weiter zum NATO-Gipfel in Den Haag, wo neben dem Ukraine-Krieg auch das Iran-Israel-Thema im Fokus steht. NATO-Generalsekretär Mark Rutte lobte Trump in einer privaten Nachricht für seinen „außergewöhnlichen Einsatz“ im Iran-Konflikt.
US-Senat streitet über Trumps Alleingang
In den USA wächst der politische Widerstand gegen Trumps Vorgehen. Der Senat soll noch diese Woche über einen Antrag abstimmen, der den Präsidenten verpflichtet, militärische Einsätze wie den gegen Iran zuvor vom Kongress genehmigen zu lassen.
Demokraten wie Senator Tim Kaine sprechen von einem verfassungsrechtlich fragwürdigen Alleingang, der die USA in einen „katastrophalen Krieg“ treiben könnte.
Fazit
Der Waffenstillstand zwischen Iran und Israel ist in Kraft – doch brüchig und mit gegenseitigen Vorwürfen belastet. Die USA haben zwar militärisch Stärke demonstriert, aber womöglich das iranische Atomprogramm nicht wesentlich beschädigt. Und während Trump sich als Friedensstifter inszeniert, brodelt der Konflikt weiter – oberflächlich beruhigt, aber strategisch ungelöst.