Wenn man denkt, die US-Politik könne nicht noch verrückter werden, kommt der Big Apple und sagt: Hold my bagel.
Heute entscheidet die demokratische Wählerschaft der größten Stadt der USA per Ranked-Choice-Wahnsinn über ihre Zukunft – und es ist alles dabei: ein in Ungnade gefallener Ex-Gouverneur, ein junger Sozialist mit Gaza-Fokus, ein Sexskandal-Rückkehrer, ein wetterfühliger Wahlkampf, antisemitismusgeladene Vorwürfe und ein amtierender Bürgermeister, der sich gleich fünfmal selbst wählen will (Spoiler: Das bringt nix – steht sogar auf dem Wahlzettel).
Cuomo: Vom Rücktritt zum Rücklauf
Andrew Cuomo, einst demokratischer Hoffnungsträger, dann pandemischer Presseheld und anschließend politisch gekenterter Belästigungsvorwurf-Träger, will es noch einmal wissen – als Bürgermeister. Von Bloomberg bis Trump-Geldgebern wird er unterstützt, von progressiven Wählern eher… gemieden. Sein Motto: Mehr Polizei, mehr Beton, weniger Utopie.
Zohran Mamdani: Der linke Liebling mit Gaza im Gepäck
Der 33-jährige Democratic Socialist Zohran Mamdani ist jung, progressiv, muslimisch und stellt das gesamte Establishment infrage – inklusive Israels Politik gegenüber Gaza. Er will kostenlose Busse, Mietendeckel und eine Stadt mit Herz statt Hochglanz. Seine Gegner nennen ihn radikal, seine Unterstützer nennen ihn überfällig.
Kollabierender Wahlkampf bei 100 Grad
Passend zum aufgeheizten Tonfall des Wahlkampfs: ein tatsächlicher Hitzerekord. Über 100 Grad Fahrenheit (jenseits der 38 Grad Celsius), Wahlkabinen ohne Klimaanlage und ältere Cuomo-Wähler, die lieber zu Hause bleiben, während junge Mamdani-Fans schon Tage vorher abstimmten – mit Wasserflasche und Idealismus bewaffnet.
Skandale satt: Von Weiner bis Adams
Der Kongress-abgehalfterte Anthony Weiner will in den Stadtrat – ja, der Anthony Weiner, Sexting-Affäre inklusive. Und Bürgermeister Eric Adams, der zwar nicht mehr demokratisch, aber irgendwie trotzdem kandidiert, hat sich in Trump-Nähe gerückt, wurde angeklagt und will nun als unabhängiger Kandidat zurück an die Spitze – und schreibt zur Sicherheit fünfmal seinen Namen aufs Wahlformular. „War doch nur Spaß“, sagt sein Pressesprecher. Klar.
Israel, Intifada und Identität
Der Wahlkampf ist lokal – und doch irgendwie global. Mamdani kritisiert Israel, unterstützt BDS, lehnt Besuche in Jerusalem ab – und sieht sich prompt mit Antisemitismusvorwürfen konfrontiert. Cuomo und seine Milliardärsfreunde schlagen zurück mit TV-Spots, die an einen Kalten Krieg der Kulturen erinnern. Mamdani kontert mit Islamophobie-Vorwürfen. Willkommen im identitätspolitischen Fegefeuer von Manhattan.
Und das Ergebnis? Gibt’s… später.
Da Ranked-Choice-Wahlrecht ein Geduldsspiel ist, werden erste halbwegs belastbare Ergebnisse frühestens am 1. Juli erwartet. Bis dahin gibt’s Spekulationen, Verschwörungstheorien, jede Menge Talkshow-Auftritte – und vielleicht noch ein paar Nachzählungen bei Blackouts.
Fazit:
New York City wählt zwischen Vergangenheit, Zukunft, Chaos und Klimaanlage. Und am Ende gewinnt – wie immer – der mit den meisten Zweitstimmen. Oder der mit dem besten Thermostat. Oder vielleicht doch Anthony Weiner. Wer weiß das schon.