Die frühere US-Kongressabgeordnete Tulsi Gabbard hat ihre Einschätzung zur iranischen Atompolitik drastisch revidiert: Während sie im März 2025 vor dem US-Kongress noch erklärt hatte, Iran verfüge zwar über angereichertes Uran, betreibe jedoch kein Atomwaffenprogramm, warnt sie nun, das Land könne „innerhalb weniger Wochen bis Monate“ eine Atombombe bauen.
Diese Kehrtwende folgt auf öffentliche Kritik von Ex-Präsident Donald Trump, der Gabbards frühere Aussagen als „falsch“ bezeichnete. Er betonte, Geheimdienstinformationen belegten, dass Iran über „enorme Mengen“ an nuklearem Material verfüge und sehr nahe daran sei, eine einsatzfähige Waffe herzustellen.
Gabbards Begründung und Trumps Ultimatum
In einem Social-Media-Post erklärte Gabbard, dass neue Erkenntnisse der US-Geheimdienste zeigen, Iran sei „an einem Punkt, an dem es innerhalb von Wochen bis Monaten eine Atomwaffe produzieren kann“. Sie unterstütze Trumps Haltung: „Präsident Trump hat klargemacht, dass das nicht passieren darf – und ich stimme zu.“
Trump hatte am Donnerstag erklärt, er werde Iran ein maximales Zeitfenster von zwei Wochen einräumen, um ein neues Atomabkommen mit den USA auszuhandeln. Zudem wolle er bald entscheiden, ob sich die Vereinigten Staaten den jüngsten israelischen Luftangriffen auf iranisches Gebiet anschließen werden.
Iran widerspricht, zeigt sich aber verhandlungsbereit
Iran hingegen betont weiterhin, das eigene Atomprogramm sei ausschließlich zivil und niemals militärisch ausgerichtet gewesen. Außenminister Abbas Araghchi erklärte am Samstag, man sei „absolut bereit für eine verhandelte Lösung“, jedoch könne kein Dialog stattfinden, solange das iranische Volk bombardiert werde.
Hintergrund: Streit über Uran-Vorräte
Bereits im März hatte Gabbard in ihrer Kongressanhörung eingeräumt, dass Irans Vorräte an angereichertem Uran so hoch seien wie nie zuvor für ein Land ohne Atomwaffen. Dennoch habe es laut US-Geheimdiensten keine Anzeichen für eine Wiederaufnahme des 2003 eingestellten Atomwaffenprogramms gegeben.
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) äußerte jedoch kürzlich erneut ernste Bedenken über den wachsenden Vorrat Irans an angereichertem Uran, das sowohl für Reaktorzwecke als auch zur Herstellung von Atomwaffen genutzt werden kann.
Militärische Eskalation im Juni
Am 13. Juni 2025 hatte Israel Luftangriffe auf iranische Einrichtungen durchgeführt, nach Angaben von Premierminister Benjamin Netanjahu gezielt gegen das „Herz“ des iranischen Atomprogramms. Dabei seien iranische Militäranlagen, Waffenlager sowie führende Kommandeure und Atomwissenschaftler getroffen worden.
Laut Irans Gesundheitsministerium kamen dabei mindestens 430 Menschen ums Leben, die unabhängige Menschenrechtsorganisation HRANA geht sogar von 657 Todesopfern aus.
Im Gegenzug startete Iran Raketen- und Drohnenangriffe auf Israel, bei denen mindestens 25 Menschen starben, darunter auch ein Mensch, der infolge eines Herzinfarkts verstarb.
Fazit
Die Aussagen Tulsi Gabbards unterstreichen die zunehmende Nervosität im US-Establishment über die Entwicklungen im Nahen Osten. Ihre Kehrtwende, möglicherweise motiviert durch den Druck aus Trumps Lager, verstärkt die Rhetorik der Eskalation. Gleichzeitig bleibt offen, ob die Diplomatie noch eine Chance hat – oder ob der Konflikt weiter militärisch ausgetragen wird.