Wien hat offiziell seine Bewerbung für eine der geplanten europäischen KI-Gigafactorys eingereicht – ein Prestigeprojekt, mit dem die Europäische Union ihre digitale Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit im Bereich Künstliche Intelligenz massiv ausbauen will. Ziel ist es, bis zu fünf solcher Hochleistungsrechenzentren in Europa zu errichten. Die österreichische Hauptstadt sieht sich dafür bestens gerüstet – mit technischer Infrastruktur, hoher Lebensqualität und einem breiten politischen Schulterschluss.
Bündnis aus Bund, Stadt und Wirtschaft
Die Bewerbung Wiens wurde am Freitag mit breiter politischer Unterstützung präsentiert. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP), Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ), Infrastrukturminister Peter Hanke (SPÖ), Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) und Wiens Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (NEOS) unterzeichneten das offizielle Bewerbungsdossier. Die Initiative ist auch Teil des Stadtregierungsprogramms von SPÖ und NEOS.
„Mit der Bewerbung zeigen wir, dass wir Verantwortung für die digitale Zukunft Europas übernehmen“, so Kanzler Stocker. Bürgermeister Ludwig betonte Wiens Position als „Innovationsstadt mit exzellenter Infrastruktur und gelebtem sozialem Zusammenhalt“.
Rechenpower für Europas KI-Ambitionen
Die geplanten AI-Gigafactorys sollen das Rückgrat für die Entwicklung, das Training und den Betrieb modernster KI-Modelle bilden – ein Bereich, in dem Europa gegenüber den USA und China bislang Nachholbedarf hat. Die Zentren sollen höchsten Anforderungen in puncto Datenschutz, IT-Sicherheit und Energieeffizienz genügen und Unternehmen wie Forschungseinrichtungen leistungsstarke Rechenkapazitäten zur Verfügung stellen.
Der Projektstart ist für das Jahr 2028 vorgesehen, die Standortentscheidung will die EU-Kommission Ende 2025 bekanntgeben.
Milliardenprojekt mit Nachhaltigkeitsfokus
Die Investitionen pro Standort könnten bis zu fünf Milliarden Euro betragen. Noch steht nicht fest, wie sich die Finanzierung konkret auf EU, Bund und Stadt aufteilen wird. Laut Wiener Wirtschaftsagentur, die den Prozess koordiniert, sollen mindestens 65 Prozent der Mittel von privaten Unternehmen kommen, der öffentliche Anteil liegt bei maximal 35 Prozent. Mehrere große Technologiefirmen hätten bereits per Letter of Intent ihre Unterstützung signalisiert.
Ein zentrales Element der Wiener Bewerbung ist der Fokus auf Nachhaltigkeit. Die Abwärme der Rechenzentren soll laut einem Konzept der Wien Energie in das städtische Fernwärmenetz eingespeist werden – ein Beitrag zum Klimaschutz und zur effizienten Energienutzung.
Wien setzt auf zentrale Lage und gerechte Digitalisierung
Neben Infrastruktur und Innovation setzt Wien auch auf seine zentrale Lage in Europa sowie den sozialen Aspekt: Technologien sollen laut Bewerbung „gerecht und zugänglich“ sein. Das Konsortium aus öffentlichen und privaten Partnern sei laut Stadt nicht nur finanziell tragfähig, sondern bringe auch „das nötige Know-how und langfristiges Commitment“ mit.
Mit ihrer Bewerbung macht die Stadt klar: Wien will eine Schlüsselrolle im europäischen KI-Zeitalter einnehmen – als Rechenstandort, Forschungsdrehscheibe und Vorbild für nachhaltige Technologieentwicklung.