Die renommierte US-Zeitung „Washington Post“ ist nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ (WSJ) Opfer eines gezielten Hackerangriffs geworden. Laut WSJ soll der Angriff vermutlich von einem ausländischen Staat ausgegangen sein – genauere Angaben zur Herkunft wurden bislang nicht öffentlich gemacht. Die Zeitung beruft sich auf Quellen, die mit dem Fall vertraut sind.
Besonders brisant: Microsoft-Benutzerkonten mehrerer Journalistinnen und Journalisten wurden kompromittiert. Dadurch hatten die Angreifer offenbar Zugriff auf dienstliche E-Mails – ein schwerwiegender Vorfall, der nicht nur den Schutz persönlicher Daten, sondern auch die Pressefreiheit in Frage stellt.
Betroffen sind laut Bericht insbesondere Mitarbeitende der „Washington Post“, die sich mit sensiblen Themen wie nationaler Sicherheit, Wirtschaftspolitik und China befassen. Es liegt daher nahe, dass gezielt Informationen aus sicherheitspolitisch oder diplomatisch sensiblen Bereichen abgegriffen werden sollten.
Chefredakteur Matt Murray informierte die Redaktion intern darüber, dass der Angriff am Donnerstag entdeckt wurde. Eine umfassende Untersuchung sei eingeleitet worden, um das Ausmaß des Vorfalls zu klären und mögliche Sicherheitslücken zu schließen.
Von der „Washington Post“ selbst lag bis Redaktionsschluss keine offizielle Stellungnahme zu dem Bericht vor.
Die Zeitung gehört seit 2013 dem Amazon-Gründer Jeff Bezos. Sie ist damit eines der einflussreichsten Medienhäuser in privater Hand in den USA. Der Vorfall weckt Erinnerungen an einen ähnlichen Angriff aus dem Jahr 2022: Damals waren auch Journalisten des „WSJ“-Mutterkonzerns News Corp, der von der Murdoch-Familie kontrolliert wird, Opfer einer Cyberattacke geworden.
Ob es eine Verbindung zwischen den Angriffen gibt oder ob erneut journalistische Recherchen zu einem Ziel von staatlich gesteuerter Spionage wurden, ist bislang unklar. Klar ist jedoch: Der Vorfall zeigt erneut, wie verletzlich selbst große Medienhäuser im digitalen Raum sind – und wie wichtig digitale Sicherheitsmaßnahmen und Schutz für investigativen Journalismus geworden sind.