In den letzten eineinhalb Jahren haben mehrere US-Bundesstaaten ihre Hinrichtungsmethoden ausgeweitet – und greifen dabei zunehmend auf frühere, teils umstrittene Methoden wie Erschießung, Stickstoffvergiftung und den elektrischen Stuhl zurück. Während zwischen 2021 und 2023 noch alle Hinrichtungen ausschließlich per Giftspritze erfolgten, wurden seit Januar 2024 bereits 16 % der Exekutionen mit alternativen Methoden durchgeführt.
Einige Staaten gehen dabei besonders weit: In Florida wurde im Mai ein Gesetz verabschiedet, das eine praktisch unbegrenzte Auswahl an Hinrichtungsmethoden zulässt – solange sie nicht ausdrücklich als verfassungswidrig eingestuft sind. Rechtsexperten warnen, dass dies theoretisch auch Methoden wie Steinigung oder Enthauptung erlauben könnte.
Rückkehr alter Methoden
Laut der Hinrichtungsdatenbank der Cornell University gehören die USA inzwischen zu nur vier Ländern weltweit, die mehr als drei offiziell zugelassene Hinrichtungsmethoden nutzen. Die anderen sind Nigeria, Iran und Sudan. In den USA sind derzeit unter anderem folgende Methoden im Einsatz oder gesetzlich erlaubt:
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Giftspritze (letale Injektion)
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Erschießung durch Erschießungskommandos
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Stickstoffhypoxie (Sauerstoffentzug durch reines Stickstoffgas)
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Elektrischer Stuhl
Zu den spektakulärsten Fällen zählt die erste Stickstoff-Gas-Hinrichtung in der Geschichte der USA im Januar 2024 in Alabama. Seitdem wurden dort drei weitere Personen durch diese Methode hingerichtet. Menschenrechtsorganisationen und Überlebende des Holocausts kritisieren den Einsatz dieses Verfahrens heftig – unter anderem wegen Parallelen zu den Gaskammern der Nationalsozialisten.
Heftige Kritik an Stickstoff-Methode
Zeugen berichteten bei mehreren dieser Exekutionen von deutlich sichtbarem Leiden der Todeskandidaten: minutenlanges Zittern, Keuchen, sichtbare Erstickungsanfälle. In einem Fall sprach eine Richterin von „bewusstem Todeskampf“ und „offenkundigem körperlichem Leiden“. Die Generalstaatsanwälte der betroffenen Bundesstaaten hingegen verteidigten die Methode als effektiv und verfassungsgemäß.
Auch die Erschießungskommandos feiern eine Rückkehr: In South Carolina wurden 2025 zwei Menschen durch Erschießung hingerichtet – die ersten dieser Art in den USA seit 2010. Ein Fall löste juristische Nachwirkungen aus, weil nur zwei von drei Schüssen das Ziel trafen und das Opfer laut Anwälten unnötig lange litt.
Neben South Carolina haben auch Utah, Mississippi, Oklahoma und Idaho Erschießungen legalisiert. Idaho plant sogar, ab 2026 die Erschießung zur Standardmethode zu machen.
Politische Hintergründe
Der Wandel vollzieht sich vor dem Hintergrund eines konservativen politischen Klimas. Die US-amerikanische Rechtslage hat sich unter einem Supreme Court mit drei von Donald Trump ernannten Richtern deutlich zugunsten der Todesstrafe verändert. Das Gericht gewährt deutlich seltener Hinrichtungsaufschübe. Während früher rund 31 % der Hinrichtungsurteile ausgesetzt wurden, liegt die Quote inzwischen bei nur noch 11 %.
„Dieses Gericht ist feindlich gegenüber Klagen gegen Hinrichtungsmethoden“, sagt Dale Baich, ein ehemaliger Anwalt von Todestraktinsassen. Viele Bundesstaaten sehen sich dadurch ermutigt, frühere oder neue Methoden wieder einzuführen – selbst solche, die weithin als grausam gelten.
Gefahr eines ethischen Rückschritts
„Es ist historisch neu für die USA, dass man zu alten, teils barbarischen Hinrichtungsformen zurückkehrt“, erklärt Frank Baumgartner, Politikwissenschaftler und Experte für die Todesstrafe. Während die Entwicklung der letzten Jahrhunderte eher in Richtung vermeintlich „humanerer“ Methoden verlief, gehe die aktuelle Bewegung nun rückwärts. „Das ist wie ein Experiment am Menschen“, so Baumgartner. „Keine dieser Methoden hat je gehalten, was sie versprochen hat.“
Beobachter sehen die Entwicklung mit Sorge – und warnen vor einem ethischen Rückfall in eine Zeit, in der die Frage wie jemand stirbt, weniger wichtig war als dass er stirbt.