Die Fähigkeit, Falschinformationen im Internet zu erkennen, ist in Deutschland offenbar geringer ausgeprägt als vielfach angenommen. Wie aus einer aktuellen Umfrage des Digitalverbands Bitkom hervorgeht, traut sich nur etwa jeder vierte Internetnutzer in Deutschland zu, Fake News zuverlässig zu identifizieren. Bei den 16- bis 29-Jährigen liegt der Anteil etwas höher – bei rund einem Drittel.
Medienkompetenz: Selbstbild eher mittelmäßig
Insgesamt bewerten die Nutzer ihre eigene Medienkompetenz eher zurückhaltend. Im Durchschnitt geben sich die Befragten die Schulnote drei – also ein „befriedigend“. Auffällig sind dabei die altersbedingten Unterschiede:
- Die jüngere Generation (16–29 Jahre) bewertet sich im Schnitt mit Note 2,5,
- über 75-Jährige sehen ihre Kompetenz deutlich kritischer – im Schnitt mit Note 4,1.
Das Ergebnis zeigt: Digitale Unsicherheit ist verbreitet, besonders bei älteren Menschen. Aber auch unter jungen Nutzerinnen und Nutzern besteht eine erhebliche Unsicherheit im Umgang mit Desinformation – trotz ihrer oft größeren Online-Erfahrung.
Bitkom warnt vor Desinformationsrisiken
Der Digitalverband Bitkom sieht in den Zahlen ein Warnsignal. „Die gezielte Verbreitung von Fake News – ob in sozialen Netzwerken, Messenger-Gruppen oder über vermeintlich seriöse Webseiten – stellt eine zunehmende Gefahr für die öffentliche Meinungsbildung dar“, so ein Bitkom-Sprecher.
Gerade in Zeiten politischer Polarisierung, internationaler Krisen oder Wahlen könne mangelnde Medienkompetenz Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden. Bitkom fordert deshalb eine systematische Förderung digitaler Bildung – über alle Altersgruppen hinweg.
Forderung: Medienbildung in Schule und Alltag stärken
Besonders in Schulen und Bildungseinrichtungen müsse Medienkompetenz fester Bestandteil des Unterrichts sein, so Bitkom. Aber auch Erwachsenenbildung, Seniorenprogramme und arbeitsplatzbezogene Schulungen sollten gezielt Kompetenzen im Umgang mit digitalen Informationen und Quellen schulen.
Fazit
Die Bitkom-Umfrage macht deutlich: Die Fähigkeit, Desinformation zu erkennen, ist kein Selbstläufer – auch nicht für die digital aufgewachsene Generation. Um die Gesellschaft widerstandsfähiger gegen Manipulation zu machen, braucht es frühzeitige, kontinuierliche und altersübergreifende Medienbildung – denn nur informierte Bürgerinnen und Bürger können sich souverän in der digitalen Welt bewegen.