Im laufenden Bundesprozess gegen Sean „Diddy“ Combs wegen mutmaßlicher Sexualverbrechen, Menschenhandel und organisierter Kriminalität hat die ehemalige Assistentin des Musikmoguls belastende Aussagen vor Gericht gemacht. Die unter dem Pseudonym „Mia“ auftretende Zeugin wirft Combs wiederholte sexuelle und körperliche Übergriffe während ihrer Zeit als persönliche Assistentin vor.
Der 55-jährige Gründer von Bad Boy Records, der im September 2024 verhaftet wurde, weist alle Anschuldigungen zurück und plädiert auf nicht schuldig.
„Ich war noch immer manipuliert“
Mia arbeitete zwischen 2009 und 2017 für Combs und schilderte eine toxische Arbeitsbeziehung, in der sie rund um die Uhr verfügbar sein musste. In ihrem emotionalen Zeugnis sprach sie davon, psychisch unter Kontrolle gestanden zu haben:
„Ich war noch immer gehirngewaschen. Ich habe ständig nach seiner Bestätigung gesucht.“
Die Verteidigung konfrontierte Mia mit früheren, positiven Nachrichten und Social-Media-Posts, in denen sie Combs als „gute Art von verrückt“ beschrieb und sich dankbar zeigte. Ihre Erklärung: Sie habe damals versucht, sich an die „guten Zeiten“ zu klammern, aus Scham über das Erlebte.
Schwere Vorwürfe: Übergriffe, Kontrolle, Überwachung
Mia berichtet von mehreren sexuellen Übergriffen, beginnend im Jahr 2009, etwa in einem Hotel in New York, in Combs’ Haus in Los Angeles und sogar an Bord eines Privatjets. Auch soll Combs Überwachungsgeräte an Autos angebracht und digitale Geräte von Mia und seiner damaligen Partnerin Cassie Ventura Fine gestohlen haben.
Bei einer Filmpremiere in Cannes im Jahr 2012 habe Mia beobachtet, wie Combs Cassie angeblich gewaltsam am Arm packte und sie zum Gehen zwang.
Verteidigung: Vorwurf des „MeToo-Geldgriffs“
Combs’ Anwalt Brian Steel versuchte Mias Glaubwürdigkeit zu untergraben. Er deutete an, dass sie möglicherweise Teil eines „MeToo-Geldgriffs“ sei – eine Anspielung auf finanzielle Absichten. Mia jedoch betonte, sie strebe keine Entschädigung an.
„Ich will kein Geld von Mr. Combs.“
Steel wies zudem auf Textnachrichten hin, in denen Mia noch 2020 liebevolle Worte an Combs richtete und gemeinsame Erinnerungen erwähnte. Mia erklärte, sie habe unter psychischer Abhängigkeit gestanden – eine Reaktion, die bei Opfern sexueller Gewalt nicht unüblich ist, wie Experten betonen.
Weitere Zeugen erwartet
In den kommenden Tagen sollen weitere Zeugen aussagen, darunter Hotelangestellte, die in einer Überwachungskamera den mutmaßlichen Übergriff Combs’ auf Cassie gesehen haben. Auch Prominente wie der Radiomoderator Enrique Santos stehen auf der Zeugenliste.
50 Cent will Trump gegen mögliche Begnadigung mobilisieren
Inmitten des Prozesses äußerte sich auch Rapper 50 Cent öffentlich. In einem Social-Media-Post kündigte er an, Ex-Präsident Donald Trump kontaktieren zu wollen, um eine mögliche Begnadigung Combs’ zu verhindern. Er warnte, dass Diddy in der Vergangenheit negativ über Trump gesprochen habe – ein Faktor, der laut 50 Cent Trumps Entscheidung beeinflussen könnte.
Was sind die konkreten Anklagepunkte?
Combs wird unter anderem vorgeworfen:
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Sexhandel und Zwang zur Prostitution
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Organisierte Kriminalität unter dem US-Gesetz RICO
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Missbrauch seiner Machtstellung innerhalb der Musikindustrie
Die Staatsanwaltschaft behauptet, Combs habe über Jahre hinweg junge Frauen – darunter Mitarbeiterinnen und Sexarbeiterinnen – unter Drogen gesetzt, kontrolliert und zu mehrtägigen „Freak-Off“-Sexpartys gezwungen. Einige dieser Vorfälle sollen auf Videoaufzeichnungen festgehalten worden sein.