Die zweite Runde der kroatischen Lokalwahlen hat am Wochenende in mehreren Städten für politisches Beben gesorgt – mit teils erwartbaren, teils überraschenden Ergebnissen, die die kommunalpolitische Landkarte des Landes neu ordnen.
Split: HDZ triumphiert – Liberaler Bürgermeister zieht sich zurück
In Split, der zweitgrößten Stadt Kroatiens und einem wirtschaftlich wie symbolisch wichtigen Zentrum an der Adria, gelang der konservativen Regierungspartei HDZ (Kroatische Demokratische Gemeinschaft) ein bedeutender Wahlsieg. Ihr Kandidat Tomislav Šuta setzte sich in der Stichwahl gegen den bisherigen Amtsinhaber Ivica Puljak durch, der für die liberale Oppositionspartei Centar kandidiert hatte.
Für die HDZ ist der Erfolg eine Rückeroberung nach vier Jahren, in denen die Partei in Split keine politische Führungsrolle innehatte. Politische Beobachter werten den Wahlausgang als einen klaren Prestigegewinn für die HDZ, die in der Hafenstadt lange als geschwächt galt.
Für den bisherigen Bürgermeister Puljak ist das Ergebnis nicht nur eine persönliche Niederlage – es markiert offenbar auch das Ende seiner politischen Karriere: Noch am Wahlabend kündigte er laut kroatischen Medienberichten seinen Rückzug aus der Politik an. Ein Schritt, der selbst in der hitzigen kroatischen Innenpolitik nicht alltäglich ist und als Ausdruck tiefer Enttäuschung über das Wahlergebnis gesehen werden kann.
Zagreb: Links-grüner Bürgermeister klar bestätigt
In der Hauptstadt Zagreb hingegen blieb alles beim Alten – zumindest auf den ersten Blick. Der populäre links-grüne Bürgermeister Tomislav Tomašević, der für das Bündnis Možemo! (Wir können!) antritt, wurde mit 57,6 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Seine Herausforderin, die parteilose konservative Philosophin und Parlamentsabgeordnete Marija Selak Raspudić, kam auf 42,4 Prozent.
Tomaševićs Wiederwahl wurde allgemein erwartet. Seit seinem Amtsantritt 2021 hat er versucht, ein transparenteres, ökologisch orientiertes Stadtmanagement umzusetzen – in deutlicher Abgrenzung zu seinem korruptionsbelasteten Vorgänger. Der Wahlausgang in Zagreb zeigt, dass linke und grüne Kräfte in städtischen Zentren weiterhin Rückhalt finden, auch wenn die konservative Opposition versucht, sich zu positionieren.
Rijeka: Politisches Erdbeben und weiblicher Machtwechsel
In Rijeka, der drittgrößten Stadt des Landes und traditionell eine Hochburg der Sozialdemokraten (SDP), kam es zu einem echten politischen Umbruch: Die parteilose Kandidatin Iva Rincic gewann die Stichwahl mit fast 65 Prozent der Stimmen gegen den amtierenden sozialdemokratischen Bürgermeister Marko Filipović, der lediglich auf 35 Prozent kam.
Rincic, eine Professorin der Kriminologie, wurde von mehreren kleineren liberalen und zivilgesellschaftlichen Gruppen unterstützt und konnte sich schon im ersten Wahlgang mit einem deutlichen Vorsprung von der Konkurrenz absetzen. Ihr Sieg bedeutet gleich zweierlei: Zum einen steht in Rijeka erstmals seit über 50 Jahren wieder eine Frau an der Spitze der Stadt, zum anderen endet eine 30-jährige Vorherrschaft der SDP in dieser traditionell links geprägten Region.
Fazit: Fragmentierung und neue Kräfteverhältnisse
Die Ergebnisse der Lokalwahlen deuten auf eine wachsende politische Fragmentierung Kroatiens hin. Während die HDZ in Split Boden gutmacht und ihre dominante Stellung auf Landesebene festigt, verliert die SDP weiter an Rückhalt – selbst in ihren traditionellen Bastionen. Gleichzeitig gewinnen unabhängige Kandidatinnen und Kandidaten an Bedeutung, insbesondere in Städten, wo das Vertrauen in etablierte Parteien schwindet.
Für Premierminister Andrej Plenković und seine HDZ bedeutet der Wahlausgang Rückenwind, vor allem mit Blick auf die nächste nationale Wahlrunde. Für die Opposition hingegen zeigt sich ein Bild des Umbruchs – und vielleicht der Neuorientierung, bei der parteifreie Bewegungen künftig eine größere Rolle spielen könnten. Die Wählerinnen und Wähler in Kroatien haben deutlich gemacht: Kommunalpolitik bleibt lebendig – und unberechenbar.