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Kroatiens Küste unter Druck: Tourismusboom bringt Wohlstand – und ökologische Probleme

vpzotova (CC0), Pixabay

Kroatien ist seit Jahren eines der beliebtesten Reiseziele Europas. Mit seiner zerklüfteten Adriaküste, über 1.000 Inseln, glasklarem Wasser und charmanten Altstädten zieht das Land jährlich Millionen von Touristen an. Allein im letzten Jahr kamen mehr als 20 Millionen Besucher – das ist mehr als das Fünffache der Einwohnerzahl Kroatiens.

Doch der Erfolg hat eine Kehrseite: Die Natur leidet spürbar unter dem Ansturm, insbesondere entlang der empfindlichen Küstenlandschaft. Fachleute und Umweltschützer warnen, dass der zunehmende Druck auf Meer, Strand und Ökosystem langfristig nicht nur die Umwelt, sondern auch die Zukunft des Tourismus selbst gefährdet.

Sakarun: Vom Naturparadies zum Sorgenkind

Ein Beispiel ist der berühmte Strand von Sakarun auf der Insel Dugi Otok. Die malerische Bucht mit ihrem weißen Sand und türkisfarbenem Wasser wird oft als „Kroatiens Karibik“ bezeichnet. Doch durch den zunehmenden Andrang und den Wunsch nach „perfektem“ Badestrand wurde Neptungras – eigentlich ein natürlicher Bestandteil des Ökosystems – entfernt, weil es einige Touristen als „unschön“ empfanden.

Durch diese Eingriffe mit schwerem Gerät wurden nicht nur Pflanzen zerstört, sondern auch der schützende Sand abgetragen. Der Strand schrumpft – und mit ihm der Lebensraum vieler Meeresorganismen. Kristina Pikelj, Geologin an der Universität Zagreb, warnt: „Wir haben nur sehr wenige natürliche Sandstrände in Kroatien. Was wir haben, muss erhalten bleiben.“

Posidonia – die „Lunge des Meeres“

Das entfernte Seegras ist kein lästiger Abfall, sondern ein wertvoller Teil des Meeresbodens. Das sogenannte Neptungras (Posidonia oceanica) produziert Sauerstoff, speichert Kohlenstoff und schützt die Küsten vor Erosion. Es ist einer der wichtigsten Verbündeten im Kampf gegen den Klimawandel. Seit einigen Jahren versuchen Forscher und Studierende wie Marija Meklav, die Bevölkerung durch Bildungsarbeit für diese Zusammenhänge zu sensibilisieren. „Unsere Generation kann hier wirklich etwas verändern“, sagt sie.

Künstliche Strände und verlorene Küsten

In vielen Küstenorten, etwa in Primosten, werden Strände künstlich erweitert, um die hohe Zahl an Touristen unterzubringen. Dabei werden Felsen entfernt, Sedimente aufgeschüttet und sogar Beton verwendet, um neue Badestellen zu schaffen. Der beliebte Strand Mala Raduca hat sich durch diese Maßnahmen bereits um 20 Meter in Richtung Meer verschoben – mit schwerwiegenden Folgen für das natürliche Gleichgewicht.

Dalibor Carevic, Bauingenieur und Küstenexperte, sieht diese Entwicklung kritisch. Die Eingriffe in natürliche Küstenabschnitte führen zu einem Verlust der biologischen Vielfalt und können langfristig teure Folgeschäden verursachen. Bürgermeister Stipe Petrina hingegen betont den wirtschaftlichen Druck: „Ohne solche Maßnahmen könnten wir die Nachfrage nicht bedienen. Der Tourismus ist unsere Lebensgrundlage.“

Mehr Touristen, weniger Natur

Auch abseits der Strände verändert der Tourismus das Küstenbild. Immer mehr Hotels, Jachthäfen, Parkplätze und Straßen entstehen – teils sogar in geschützten Meeresgebieten. Die Flotten von Charterbooten belasten zusätzlich die Meeresfauna, und viele Buchten sind im Sommer komplett überfüllt.

Anders als in vielen anderen europäischen Ländern fließen in Kroatien nur wenige Flüsse in die Adria. Das macht das ökologische Gleichgewicht besonders empfindlich – denn natürliche Sedimente, die in anderen Regionen Strände aufbauen, fehlen hier weitgehend.

Die Lösung: Nachhaltigkeit statt Übernutzung

Expertinnen und Experten fordern eine Neuausrichtung des Tourismus in Kroatien: weg vom Massentourismus, hin zu nachhaltigen Konzepten, die sowohl den Menschen als auch der Natur zugutekommen. Dazu gehören:

  • strengere Regeln für Küstenumbauten

  • Schutz und Wiederherstellung von Seegraswiesen

  • Begrenzung der Besucherzahlen an sensiblen Orten

  • bessere Aufklärung für Touristen und Einheimische

  • Förderung von Natur- und Bildungstourismus

Fazit

Kroatien steht an einem Scheideweg: Der Tourismus bringt Wohlstand – aber auch immer mehr ökologische Belastungen, die nicht ignoriert werden dürfen. Nur wenn Natur und Wirtschaft in Einklang gebracht werden, kann das Land auch in Zukunft ein attraktives und lebenswertes Reiseziel bleiben.

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