Die neueste Reformidee aus dem Hause Gesundheitswesen verspricht – wie so oft – große Ordnung im Namen des Chaos. Die Koalition möchte tatsächlich ein sogenanntes Primärarztsystem einführen, und das klingt natürlich nach Effizienz, Struktur und einem wohlig durchgetakteten Praxisalltag für alle. Einziger Haken: Diejenigen, die tatsächlich noch mit Patienten zu tun haben, sind – Überraschung! – eher wenig begeistert.
Allen voran meldet sich Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, zu Wort – und man hört förmlich das Augenrollen zwischen den Zeilen. Er warnt davor, das System auf alle gesetzlich Versicherten auszuweiten. Sein Argument? Das Primärarztsystem sei bestenfalls für ältere Patienten sinnvoll, also für jene, die „relativ viele schon mit irgendwelchen Zipperlein“ in Behandlung sind. Man möchte fast applaudieren für so viel sprachliche Eleganz im Umgang mit dem demografischen Wandel.
Offenbar geht man bei der KBV davon aus, dass jüngere Menschen entweder unsterblich sind oder sowieso nur Google konsultieren, bevor sie sich dem echten medizinischen Apparat anvertrauen. Und wozu auch direkt zum Facharzt, wenn man erst ein bisschen durchs hausärztliche Labyrinth geschleust werden kann? Schließlich macht ein Umweg den Weg erst richtig spannend.
Die Regierung wiederum stellt sich das alles sehr schön vor: Haus- und Kinderärzte sollen künftig als medizinische Türsteher agieren und entscheiden, wer den exklusiven Club der Fachärzte betreten darf – mit oder ohne Termin, das ist dann wahrscheinlich Glückssache. Und das Ganze natürlich, um die Terminvergabe zu beschleunigen – ein Ziel, das bislang vor allem auf Wunschzetteln und PowerPoint-Präsentationen existiert.
Was bleibt, ist ein Gefühl von wohliger Planwirtschaft: Patienten als verwaltbares Gut, Ärzte als Gatekeeper, Reformen als Placebo. Und am Ende hoffen alle, dass wenigstens das Wartezimmer WLAN hat.