Anlässlich des 50. Gründungsjubiläums der Europäischen Weltraumorganisation ESA hat Bundesforschungsministerin Dorothee Bär die wachsende militärische und strategische Bedeutung der Raumfahrt eindringlich hervorgehoben. In einer Stellungnahme erklärte die CSU-Politikerin, dass Raumfahrt längst nicht mehr nur ein Innovationsmotor für Wirtschaft und Wissenschaft sei, sondern zunehmend als sicherheitspolitisches Schlüsselelement begriffen werden müsse.
„Raumfahrt ist heute ein zentraler Bestandteil unserer sicherheitspolitischen Infrastruktur“, so Bär. „Ohne weltraumgestützte Technologien wären viele der sicherheitsrelevanten Systeme in Europa – von der Satellitenkommunikation über Aufklärung und Lagebilder bis hin zur Navigation und Frühwarnung – kaum denkbar.“ Der Weltraum sei längst nicht mehr nur ein Ort wissenschaftlicher Forschung, sondern ein zunehmend umkämpfter strategischer Raum, der für militärische, politische und wirtschaftliche Machtprojektion genutzt werde.
Mit Nachdruck mahnte Bär an, dass Europa in dieser Entwicklung nicht zurückfallen dürfe. Angesichts des rasanten technologischen Fortschritts und der wachsenden Investitionen anderer Weltmächte – insbesondere der USA und Chinas – sei es unerlässlich, dass auch die europäische Raumfahrtpolitik ambitionierter und strategischer aufgestellt werde. „Es ist ein struktureller Nachteil, dass das europäische Raumfahrtbudget deutlich hinter den Mitteln zurückbleibt, die in den USA oder in China für ähnliche Programme zur Verfügung stehen“, sagte Bär.
Die Ministerin verwies in diesem Zusammenhang auf die Notwendigkeit einer stärkeren Resilienz Europas in Schlüsseltechnologien und warnte vor technologischen Abhängigkeiten. „Wer im Weltraum auf die Infrastruktur anderer angewiesen ist, begibt sich in sicherheitsrelevanten Fragen in eine gefährliche Abhängigkeit. Deshalb müssen wir als Europäer das Ziel verfolgen, in allen zentralen Bereichen der Raumfahrt eigene Kompetenzen, eigene Trägersysteme und eigene Datenhoheit aufzubauen und zu sichern.“
Darüber hinaus betonte Bär auch die Rolle der Raumfahrt als Querschnittstechnologie, die zahlreiche zivile, wirtschaftliche und ökologische Anwendungen ermöglicht – vom Katastrophenschutz über den Klimawandel bis hin zur digitalen Infrastruktur. Dennoch sei es falsch, den strategischen und militärischen Nutzen der Raumfahrt in der öffentlichen Debatte zu vernachlässigen.
Mit Blick auf das Jubiläum der ESA, die am 30. Mai 1975 gegründet wurde und seither eine tragende Säule der europäischen Raumfahrtkooperation bildet, würdigte Bär die bisherigen Errungenschaften. „Die ESA ist ein Leuchtturm europäischer Zusammenarbeit. Sie zeigt, dass Europa in der Lage ist, auch in komplexen und zukunftsweisenden Bereichen gemeinsam große Ziele zu erreichen“, sagte sie. „Nun müssen wir diesen institutionellen Rahmen nutzen, um auch sicherheitspolitisch handlungsfähig und souverän zu bleiben.“
Abschließend sprach sich die Ministerin für eine engere Verzahnung zwischen Forschung, Industrie, Verteidigung und europäischer Raumfahrtpolitik aus. Nur durch eine abgestimmte Strategie, langfristige Investitionen und eine klare sicherheitspolitische Zielsetzung könne Europa im 21. Jahrhundert ein gleichwertiger Raumfahrtakteur bleiben.