Im laufenden Bundesgerichtsverfahren gegen Sean „Diddy“ Combs sagte am 28. Mai Deonte Nash, langjähriger Freund und Stylist der Sängerin Cassie Ventura Fine, als Zeuge aus – und schilderte verstörende Details über körperliche Gewalt, psychische Kontrolle und Einschüchterung durch den einstigen Musikmogul.
Schwere Vorwürfe: Schläge, Drohungen, Überwachung
Nash berichtete unter Eid, wie er mehrfach mitansehen musste, wie Combs Cassie schlug, ihr das Gesicht verletzte und sogar ihre Stirn so stark gegen einen Bettrahmen schlug, dass sie eine klaffende Wunde erlitt, die genäht werden musste.
„Er war in Rage“, sagte Nash vor Gericht. „Als er das Blut sah, bekam er Panik – dann sagte er: ‘Seht, was ihr mich habt tun lassen.’“
In einem besonders drastischen Vorfall in einem Hotelzimmer 2013 oder 2014, so Nash, seien er und eine Kollegin („Mia“) dazwischen gegangen und hätten versucht, Combs zurückzuhalten. Beide seien von ihm weggestoßen worden. Nash wollte den Notruf wählen, wurde jedoch daran gehindert – Cassie wurde stattdessen zu einem Schönheitschirurgen gebracht.
Kontrolle über Musik, Aussehen – und soziale Kontakte
Der Stylist beschrieb Combs als extrem kontrollierend: Er bestimmte angeblich nicht nur über Cassies Musik und soziale Kontakte, sondern sogar über ihre Frisur bei Events. Bei einer Oscar-Afterparty 2014 habe Combs Nash körperlich angegangen, weil Cassie ihre Haare nicht wie gefordert hochgesteckt hatte – nur um später ihre offene Frisur zu loben.
Nash sagte außerdem, Combs habe damit gedroht, intime Aufnahmen von Cassie an ihre Familie und Arbeitgeber zu schicken – eine Methode der Einschüchterung, die sie in Angst und Isolation versetzte.
„Sie hat tagelang das Haus nicht verlassen. Sie ist in sich zusammengefallen“, so Nash.
Kid Cudi, Explosion und mutmaßlicher Hausbruch
Neben den Aussagen zu Cassie untersuchten Staatsanwälte auch Vorfälle rund um den Musiker Kid Cudi (bürgerlich Scott Mescudi). Polizisten sagten aus, Combs habe 2011 in Cudis Haus eingebrochen – und wenig später explodierte Cudis Porsche durch einen Molotowcocktail in dessen Einfahrt. Ein Zeuge will ein Fluchtfahrzeug gesehen haben, das auf Combs‘ Firma registriert war.
Ein Brandermittler bestätigte, dass es sich um eine gezielte Tat handelte: Der Brandsatz bestand aus einer mit Benzin gefüllten Flasche Old English Bier und einem Designer-Taschentuch als Lunte.
DNA-Spuren am Flaschenhals wiesen auf eine weibliche Person hin, bisher aber ohne eindeutigen Abgleich. Combs’ Anwälte warfen den Ermittlern vor, vorschnell Rückschlüsse zu ziehen und eine ehemalige Assistentin (Capricorn Clark) damit in Verbindung zu bringen.
Mistragsantrag gescheitert – Richter bleibt bei Linie
Combs’ Verteidigung beantragte unterdessen einen Mistrial (Abbruch des Verfahrens) wegen angeblich irreführender Fragen der Staatsanwaltschaft – ein Versuch, Combs’ Reichtum als Mittel zur Beweisvernichtung darzustellen. Der zuständige Richter Arun Subramanian lehnte dies ab:
„Es gab keinerlei belastende Aussage, die einen Abbruch rechtfertigen würde.“
Anklage wegen Sexhandel und krimineller Verschwörung
Combs wurde im September 2024 festgenommen und sieht sich in einem umfangreichen Verfahren wegen Menschenhandel, Zwangsprostitution und bandenmäßiger Kriminalität (nach dem US-Gesetz RICO) konfrontiert. Laut Staatsanwaltschaft soll er unter Drogen- und Gewalteinsatz sogenannte „Freak-Offs“ – Tage dauernde Zwangs-Sexpartys – organisiert und dokumentiert haben. Combs plädiert auf nicht schuldig.
Weitere Zeugen: Cassies Mutter, Dawn Richard, Capricorn Clark
Bereits in den Tagen zuvor hatten mehrere Zeugen ausgesagt, darunter Cassies Mutter, die Sängerin Dawn Richard (ehemals Danity Kane) und Kid Cudi selbst. Besonders eindrücklich war die Aussage von Capricorn Clark, einer früheren Assistentin, die unter Tränen von Entführung, Todesdrohungen und psychischem Terror berichtete.