Papst Leo hat am 28. Mai bei seiner Generalaudienz auf dem Petersplatz einen dringenden Appell für einen Waffenstillstand im Gazastreifen ausgesprochen. In seiner Ansprache forderte er zudem die Freilassung aller Geiseln und einen uneingeschränkten Schutz des humanitären Völkerrechts.
„Im Gazastreifen erreichen die intensiven Schreie von Müttern und Vätern, die ihre toten Kinder in den Armen halten, mehr und mehr den Himmel“, sagte Leo sichtbar bewegt.
Seine Worte setzen die Linie seines verstorbenen Vorgängers Papst Franziskus fort, der sich bis zu seinem Tod am 21. April wiederholt für Frieden in Gaza eingesetzt hatte – zuletzt in seiner Osterbotschaft, nur einen Tag vor seinem Tod.
Papst Leo – ein neuer Pontifex mit bekannter Haltung
Papst Leo, der am 18. Mai in sein Amt eingeführt wurde, ist der erste in den USA geborene Papst (gebürtig aus Chicago) und lebte viele Jahre in Peru. Seine Wahl sorgte weltweit für Aufsehen – und die Frage, ob er den sozialpolitischen Kurs von Franziskus fortführen werde.
Bereits in seiner ersten Sonntagsansprache hatte Leo zu einem Ende aller Kriege aufgerufen – mit Blick auf den Gazakonflikt ebenso wie auf den Krieg in der Ukraine.
Am 21. Mai sprach er sich erneut für ein Ende der Kampfhandlungen in Gaza aus und forderte Israel auf, humanitäre Hilfe zuzulassen. Inzwischen hat Israel die Blockade teilweise gelockert.
Politische Spannungen und symbolträchtige Treffen
Leo hat sich in der Vergangenheit kritisch zu US-Immigrationspolitik und katholischen Politikern wie Vizepräsident JD Vance geäußert. Kurz nach seiner Amtseinführung traf Leo sich jedoch privat mit Vance und US-Außenminister Marco Rubio, wie der Vatikan bestätigte.
Diese Treffen zeigen den diplomatischen Balanceakt, den Leo als Pontifex zwischen moralischem Engagement und geopolitischen Realitäten gehen muss.
Der Gazakonflikt im Überblick
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Die Gewalt eskalierte nach dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem 1.200 Menschen getötet und rund 250 als Geiseln genommen wurden.
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Seit Beginn der israelischen Offensive sind laut den von der Hamas verwalteten Gesundheitsbehörden über 54.000 Palästinenser:innen ums Leben gekommen.
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Am 26. Mai wurden bei einem Luftangriff auf eine Schule mindestens 54 Menschen getötet, die dort Schutz gesucht hatten.
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Eine im Januar 2024 vermittelte Waffenruhe scheiterte nach nur zwei Monaten.
Franziskus‘ Vermächtnis
Papst Franziskus hatte den Gazakonflikt mehrfach als „ernst und beschämend“ bezeichnet. In einer eindringlichen Erklärung sagte er im Januar:
„Wir dürfen die Bombardierung von Zivilisten in keiner Weise hinnehmen.“
Er hielt regelmäßigen Kontakt zur kleinen katholischen Gemeinde in Gaza und telefonierte mehrfach mit den örtlichen Kirchen in den Wochen vor seinem Tod.