Nach Quartalsverlusten, anhaltenden Dieselskandal-Schlagzeilen und einem holprigen Start im E-Auto-Geschäft setzt Volkswagen auf ein ganz anderes Zugpferd – die gute alte Currywurst. Der traditionsreiche Kantinenklassiker aus der hauseigenen VW-Fleischerei soll ab sofort bundesweit als Fertiggericht für die Mikrowelle durchstarten.
Vom Werkstor in die Kühltheke
Was bisher nur Mitarbeiter:innen in der Kantine oder Kund:innen in norddeutschen Supermärkten genießen konnten, wird jetzt deutschlandweit ausgerollt – vorerst bei Edeka und Netto in Nord- und Ostdeutschland, später soll die Expansion folgen. Laut Dietmar Schulz, Leiter der Volkswagen-Fleischerei in Wolfsburg, sieht man enormes Potenzial: „Das wollen wir jetzt noch einmal steigern.“ Gemeint ist nicht der Fahrzeugabsatz, sondern der Verkauf der VW-Wurst.
Wurst statt Wagen
Dabei ist die Idee keineswegs neu. Meica etwa bietet bereits seit über 20 Jahren eine mikrowellenfertige Currywurst mit Ketchup und Currypulver an, weitere Anbieter folgten. Auch VW selbst vertreibt seine Currywurst seit 2007 in Norddeutschland – jedoch bisher nur tiefgekühlt und zum Selberbraten.
Die neue Variante soll nun fix und fertig aus der Mikrowelle auf den Teller kommen – ein Convenience-Produkt mit Werksstolz. Dass Volkswagen mehr Currywürste als Autos verkauft, war lange ein beliebter Fakt. Jetzt könnte daraus ein ernsthafter Geschäftszweig werden.
Ein cleverer Schachzug?
Aus unternehmerischer Sicht ist der Schritt nachvollziehbar: Während der Fahrzeugabsatz unter globalem Wettbewerbsdruck und technologischen Umbrüchen steht, bietet das Wurstgeschäft einen emotionalen, bewährten Anker im Alltag – mit einem klaren Wiedererkennungswert. In Zeiten schwankender Bilanzzahlen kann ein stückweit volksnahes Produkt auch zur Imagepflege beitragen.
Fazit aus Verbrauchersicht
Der Erfolg der VW-Wurst im Supermarkt hängt letztlich von Geschmack, Preis und Verpackung ab – und vom Image: Wer eine Autoindustrie im Umbau kritisch sieht, wird möglicherweise nicht zur VW-Wurst greifen. Für andere ist sie ein Stück Kantinenkult in der Mikrowelle – und womöglich ein Trost, wenn das nächste Auto wegen Lieferproblemen mal wieder auf sich warten lässt.