Viele Milchprodukte, die gezielt für Kinder vermarktet werden, enthalten deutlich zu viel Zucker. Darauf macht das österreichische Institut SIPCAN (Special Institute for Preventive Cardiology And Nutrition) mit Sitz in Elsbethen (Flachgau) aufmerksam. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass pro Portion durchschnittlich rund 14,9 Gramm Zucker enthalten sind – das entspricht etwa vier Stück Würfelzucker.
Jedes fünfte Produkt fällt negativ auf
Untersucht wurden insgesamt 110 Kinderprodukte – darunter Joghurts mit bunten Comicfiguren, Schokolinsen oder Trinkjoghurts. Laut Ernährungswissenschaftler Manuel Schätzer von SIPCAN überschritt rund jedes fünfte Produkt die empfohlenen Grenzwerte für Zucker deutlich. Neben dem Zuckergehalt fiel auch der Fettanteil bei mehreren Produkten negativ auf.
Der hohe Zuckeranteil ist besonders problematisch, weil schon eine Portion dieser Produkte die Hälfte der von Ernährungsexperten empfohlenen Tageshöchstmenge an Zucker für ein achtjähriges Kind abdeckt. Das bedeutet: Bereits mit einem vermeintlich kindgerechten Snack ist der Spielraum für weitere zuckerhaltige Lebensmittel am Tag fast vollständig aufgebraucht.
Kritik an Portionsgrößen und Aufmachung
SIPCAN weist zudem auf ein weiteres Problem hin: Portionsgrößen, die oft deutlich zu groß für Kinder sind. „Einige Produkte enthalten mehr als eine Kinderportion, werden aber trotzdem als Einzeleinheit verkauft – das verzerrt das Gefühl für gesunde Mengen“, so Schätzer.
Zudem kritisieren die Forscher die Marketingstrategien der Hersteller. Produkte mit kindlicher Aufmachung und beliebten Figuren würden bei Kindern gezielt den Eindruck eines gesunden Genusses erwecken – tatsächlich handele es sich jedoch häufig um hochverarbeitete Lebensmittel mit überdurchschnittlich hohem Zucker- und Kaloriengehalt.
SIPCAN gibt klare Empfehlung
Eltern sollten laut SIPCAN beim Einkauf bewusst auf die Nährwertkennzeichnung achten – insbesondere auf den Zuckerwert. Dieser sollte bei Kinderprodukten nicht mehr als elf Gramm pro 100 Gramm bzw. 100 Milliliter betragen. Auch die Portionsgröße sollte hinterfragt werden: Was auf der Packung als „kindgerecht“ verkauft wird, ist es in vielen Fällen nicht.
Schätzer empfiehlt zudem, regelmäßig auf natürlichere Alternativen zurückzugreifen – etwa ungesüßten Naturjoghurt, der mit frischem Obst kombiniert wird. So könnten Eltern den Zuckerkonsum ihrer Kinder deutlich reduzieren, ohne auf Geschmack verzichten zu müssen.
Fazit:
Trotz ihrer freundlichen Verpackung und kinderfreundlichen Darstellung enthalten viele Milchprodukte für Kinder bedenkliche Mengen an Zucker. SIPCAN ruft zu mehr Transparenz und Bewusstsein beim Einkauf auf – und fordert von Herstellern eine verantwortungsvollere Produktgestaltung. Wer auf die Gesundheit seiner Kinder achten will, sollte sich nicht allein auf bunte Werbebotschaften verlassen, sondern einen genauen Blick auf die Nährwerttabelle werfen.