Die Cascadia-Subduktionszone vor der nordwestlichen Pazifikküste der USA gilt unter Geologen seit Jahren als ein Pulverfass – bereit, jederzeit zu explodieren. Was droht, ist ein sogenanntes „Mega-Erdbeben“ mit anschließender Tsunami-Katastrophe. Neue Studien zeigen nun, wie dramatisch die Folgen eines solchen Szenarios durch den Klimawandel verschärft werden könnten – bis hin zu dauerhaft überfluteten Küstenregionen.
Ein Erdbeben von historischem Ausmaß
„Geologisch gesehen befinden wir uns mitten im Gefahrenfenster“, warnt Prof. Tina Dura von der Virginia Tech University. Die Wissenschaft geht davon aus, dass es mit Sicherheit zu einem verheerenden Erdbeben kommen wird – unklar ist lediglich, wann. Die Wahrscheinlichkeit eines Bebens der Stärke 8 innerhalb der nächsten 50 Jahre liegt laut aktuellen Berechnungen bei etwa 15 %. Bis zum Jahr 2100 steigt diese auf etwa 30 %.
Das letzte große Beben in der Region ereignete sich im Jahr 1700. Historische und geologische Aufzeichnungen zeigen, dass solche Ereignisse in Abständen von 200 bis 800 Jahren wiederkehren.
Was geschieht, wenn es soweit ist?
Das Szenario ist in der Fachwelt gut erforscht:
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Starke Erschütterungen, die länger als eine Minute anhalten und es nahezu unmöglich machen, aufrecht zu stehen.
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Ein plötzliches Absinken der Küstenregionen um bis zu zwei Meter.
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Eine trügerische Ruhephase von etwa 30 bis 40 Minuten.
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Und schließlich: eine massive Tsunami-Welle, die Höhen von bis zu 30 Metern erreichen kann.
„Diese Welle wird nicht nur einmal über die Küste hereinbrechen. Der Tsunami zieht sich über Stunden oder sogar Tage“, erklärt Prof. Diego Melgar von der University of Oregon.
Klimawandel als Brandbeschleuniger
Die neue Bedrohung kommt aus einer anderen Richtung: dem Klimawandel. Die steigenden Meeresspiegel erhöhen die Verwundbarkeit der Küsten zusätzlich. Wenn der Boden infolge des Bebens absinkt und gleichzeitig der Meeresspiegel höher liegt, könnten ganze Landstriche nicht mehr trockenfallen.
„Man stelle sich vor, nach dem Hurricane Katrina wäre ein großer Teil von New Orleans einfach dauerhaft unter Wasser geblieben – so etwas könnte hier Realität werden“, sagt Melgar.
Die Kombination aus abgesunkenem Land und Meeresspiegelanstieg bedeutet, dass bestimmte Küstenzonen dauerhaft verloren gehen könnten – für Menschen, Infrastruktur und Natur.
Doppelte Katastrophe: Überschwemmung und Infrastruktur-Kollaps
Schon jetzt warnen Forscher: Ein derartiges Erdbeben würde nicht nur Wohngebiete und Landschaften zerstören, sondern auch Brücken, Straßen, Strom- und Wasserversorgung lahmlegen. Die Auswirkungen wären ähnlich wie beim verheerenden Tsunami 2004 im Indischen Ozean – nur mit zusätzlichen Langzeitschäden durch Klimafolgen.
Warum kleinere Beben keine Entwarnung sind
Kleinere Erdbeben an der US-Westküste sind häufig, aber sie helfen laut Experten nicht, den Druck in der Subduktionszone zu verringern. „Die Energie, die sich hier über Jahrhunderte aufgebaut hat, ist so groß, dass ein einzelnes Beben der Stärke 8 nicht ausreicht, um sie zu entladen“, so Melgar.
Zur Einordnung: Die Richterskala ist logarithmisch. Das bedeutet, ein Beben der Stärke 9 ist etwa 30-mal energiereicher als ein Beben der Stärke 8.
Was kann man tun?
Zwar kann man ein solches Ereignis nicht verhindern – aber sich vorbereiten. Frühwarnsysteme, Notfallpläne und Bauvorschriften können Menschenleben retten. Besonders Küstenstädte wie Seattle, Portland oder kleinere Gemeinden entlang der Küste sollten Evakuierungskonzepte überdenken und ihre Infrastruktur anpassen.
Fazit
Die Westküste Nordamerikas steht vor einer potenziellen Naturkatastrophe historischen Ausmaßes. Die Frage ist nicht mehr, ob, sondern wann sie eintritt. Die zunehmenden Risiken durch den Klimawandel machen das Szenario noch bedrohlicher – nicht nur kurzfristig, sondern mit dauerhaft spürbaren Folgen. Wer hier lebt, arbeitet oder investiert, sollte die Warnungen ernst nehmen. Die Zeit zum Handeln ist jetzt.