Im Jahr 2024 hat das Auswärtige Amt weniger Visa für den Ehegattennachzug nach Deutschland erteilt als im Jahr zuvor. Das geht aus einer offiziellen Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Partei Die Linke hervor.
Deutlich weniger Visa als 2023
Im Jahr 2024 erhielten etwa 72.500 Menschen ein Visum, um als Ehegatte oder Ehegattin zu ihrem Partner nach Deutschland nachzuziehen. Im Jahr davor – also 2023 – waren es noch rund 77.200 Visa. Das bedeutet einen Rückgang von etwa 4.700 Fällen.
Sprachtest oft entscheidend – und schwierig
Ein wichtiger Grund, warum viele Menschen beim Antrag auf ein Ehegattenvisum scheitern, ist die Sprachprüfung auf dem Niveau A1. Dieses Grundniveau der deutschen Sprache müssen die meisten Antragstellerinnen und Antragsteller nachweisen, bevor sie einreisen dürfen.
Doch die Prüfung ist für viele schwer. Laut Bundesregierung sind im Jahr 2024 38 Prozent der Teilnehmenden durch die Prüfung gefallen. Im Jahr 2023 lag die Durchfallquote noch bei 35 Prozent – die Zahl ist also gestiegen.
Kritik an der Sprachhürde
Menschenrechtsorganisationen, Betroffene und auch Politikerinnen und Politiker kritisieren diese Regelung seit Jahren. Besonders aus Ländern mit schlechtem Zugang zu Sprachkursen – etwa in Teilen Afrikas oder Asiens – ist es für Antragsteller sehr schwer, sich auf die Prüfung vorzubereiten. Die Folge: Familien werden über lange Zeit getrennt.
Warum gibt es die Sprachregel?
Die Bundesregierung begründet die Regel mit dem Ziel, dass Zugewanderte sich schneller integrieren können. Wer schon vor der Einreise einfache Deutschkenntnisse hat, tut sich später oft leichter im Alltag – zum Beispiel bei Behördengängen oder im Kontakt mit Nachbarn.
Doch Kritiker sagen: Familienzusammenführung ist ein Menschenrecht, und der Sprachnachweis dürfe keine unüberwindbare Hürde sein.
Fazit
2024 wurden in Deutschland weniger Ehegattenvisa erteilt als im Vorjahr. Ein Grund dafür ist die hohe Durchfallquote beim Sprachtest A1 – fast vier von zehn Bewerbern scheiterten daran. Der Druck auf die Politik wächst, diese Hürde zu überdenken – besonders im Sinne der Familien, die über Kontinente hinweg getrennt sind.