Seit der Legalisierung von Sportwetten in den USA im Jahr 2018 hat sich die Praxis rasant verbreitet, besonders unter jungen Männern. Inzwischen wetten laut einer NCAA-Studie von 2023 rund 67% aller College-Studenten auf Spiele – Tendenz steigend. Die einfache Verfügbarkeit von Wett-Apps und die Normalisierung des Wettens in der Popkultur tragen dazu bei.
Ein riskantes Spiel: Das Beispiel von Saul Malek
Saul Malek, heute 27, begann seine Wettkarriere bereits mit 20 Jahren. Als Fan der Houston Rockets setzte er 1.500 Dollar auf die Golden State Warriors im entscheidenden Spiel der Western Conference Finals 2018 – und verlor. Dieser Verlust war der Beginn einer Abwärtsspirale: Innerhalb von zwei Jahren häufte er Schulden in Höhe von 25.000 Dollar an.
Malek erzählt, wie die Sucht ihn immer weiter in die Isolation trieb. Anstatt sich dem Problem zu stellen, wechselte er die Buchmacher und suchte immer wieder nach neuen Gewinnmöglichkeiten. Sein Tiefpunkt kam, als er mitten in der Nacht 400 Dollar in einem Casino verlor und sich auf der Heimfahrt einzureden versuchte, dass er kein Problem habe.
Warum junge Männer besonders gefährdet sind
Dr. Timothy Fong vom UCLA Gambling Studies Program erklärt, dass das Gehirn junger Männer bis zum Alter von 25 Jahren noch nicht vollständig entwickelt ist, insbesondere in Bezug auf Impulskontrolle und Entscheidungsfindung. Dadurch sind sie besonders anfällig für die Höhen und Tiefen des Wettens.
Zudem wird Erfolg beim Wetten oft mit Geschicklichkeit verwechselt. Rob Minnick, ein ehemaliger Wettender und heute YouTuber mit 21.500 Abonnenten, sagt, dass die vermeintlich einfache Möglichkeit, durch Wetten Geld zu verdienen, viele junge Männer in die Abhängigkeit treibt.
Emotionale Flucht und soziale Normalisierung
Für viele junge Männer sind Wetten nicht nur Nervenkitzel, sondern auch eine Flucht vor emotionalen Problemen. Jose Mendoza begann nach dem Tod seines Vaters mit dem Wetten und versteckte seine Sucht vor der Familie. Inmitten von Trauer und Einsamkeit schien das Wetten eine Möglichkeit, Kontrolle zurückzugewinnen.
Auch die Allgegenwart von Sportwetten in den sozialen Medien und bei Großveranstaltungen normalisiert das Verhalten. „Jeder hat ständig eine Wett-App auf dem Handy“, sagt Jordan, ein ehemaliger Spielsüchtiger. In College-Kreisen gehören Wetten inzwischen genauso dazu wie Partytrinken.
Die Illusion des Gewinnens
Viele Betroffene geben an, dass die Hoffnung auf den großen Gewinn sie weiter antreibt. Sam DeMello, ein ehemaliger Spielsüchtiger, erklärt, dass die Fantasie, alle Verluste auf einmal zurückzugewinnen, die größte Hürde beim Ausstieg ist.
Wege aus der Abhängigkeit
Die Behandlung von Spielsucht erfordert mehr als bloßen Willen. Saul Malek berichtet, dass die Einsicht, nicht alles alleine lösen zu können, ein entscheidender Wendepunkt war. Selbsthilfegruppen wie „Gamblers Anonymous“ oder digitale Angebote wie die App „Evive“ helfen dabei, aus der Sucht auszubrechen.
Prävention und Hilfsangebote
Experten wie Heather Eshleman vom Maryland Center of Excellence on Problem Gambling fordern mehr Aufklärung an Schulen und Universitäten. Seit der Legalisierung haben sich die Anfragen von Lehrkräften zur Prävention vervielfacht.
Auch die Nutzung von Selbstsperr-Tools wie Gamban und BetBlocker kann helfen, den Zugang zu Wettseiten zu blockieren. Wichtig ist, das Bewusstsein zu schärfen und die Stigmatisierung zu verringern: Spielsucht ist eine anerkannte Krankheit, keine Charakterschwäche.
Fazit
Sportwetten haben sich in den letzten Jahren tief in die Alltagskultur junger Männer eingeschlichen. Die sozialen und psychologischen Risiken sind jedoch immens. Der Weg aus der Abhängigkeit erfordert Selbstreflexion, Unterstützung und das Bewusstsein, dass Gewinnen beim Wetten oft nur eine Illusion ist.