Für viele Frauen in den USA gestaltet sich die finanzielle Absicherung im Alter schwierig. Ursachen sind die geschlechtsspezifische Lohnlücke, unterbrochene Erwerbsbiografien durch Care-Arbeit und fehlende finanzielle Rücklagen. Trotz Bemühungen um Gleichstellung bleiben viele Frauen im Alter finanziell benachteiligt.
Ein Leben voller Unsicherheiten: Katherine Gotthardt
Katherine Gotthardt, 55, arbeitet in Teilzeit für 18 Dollar pro Stunde bei einer Lokalzeitung in Virginia. Ihr Ehemann ist seit einem Jahr im Ruhestand und glaubt, seine Rente könnte die Familie – inklusive ihres erwachsenen Sohnes mit Autismus – unterstützen. Doch Gotthardt ist skeptisch: „Ich will ihn nicht finanziell belasten“, sagt sie.
Ein weiterer Grund für ihre Unsicherheit sind Studienkredite aus einem Doktorandenprogramm, das sie nie abgeschlossen hat. Durch die Insolvenz der Universität bleibt unklar, ob sie die Kredite noch zurückzahlen muss – inzwischen belaufen sich die Schulden auf 200.000 Dollar.
Warum Frauen oft weniger sparen
Eine Studie des National Institute on Retirement Security aus dem Jahr 2024 zeigt: Rund 80 % der Frauen glauben, dass die USA in eine Rentenkrise steuern. Viele Frauen im Alter von 55 bis 66 Jahren haben keine persönlichen Rücklagen für die Rente. Die Lohnlücke von durchschnittlich 83 Cent pro Dollar im Vergleich zu Männern verschärft die Lage zusätzlich.
Frauen unterbrechen ihre Berufstätigkeit häufiger für Betreuungsaufgaben und arbeiten öfter in Teilzeit, was zu geringeren Rentenansprüchen führt. Besonders betroffen sind Frauen mit niedrigem Einkommen und Frauen of Color.
Erfolgreich durch die Krise: Beth Klute
Ein Beispiel für eine Frau, die die Altersvorsorge gemeistert hat, ist Beth Klute. Nach 33 Jahren im öffentlichen Dienst konnte sie sich trotz Rückschlägen – darunter die Krebserkrankung ihres Sohnes – finanziell absichern. Dank eines Programms, bei dem Kolleg:innen ihre Urlaubsstunden spendeten, konnte sie ein Jahr bezahlten Urlaub nehmen, um ihren Sohn zu pflegen.
Heute genießt sie ihren Ruhestand in Las Vegas und sagt: „Ich habe mir geschworen, mein Leben zu genießen, wenn mein Sohn überlebt.“ Ihr Sohn ist seit 11 Jahren krebsfrei und studiert im Master.
Zurück in den Job: Pat Archer
Nicht alle haben so viel Glück: Pat Archer, 72, kehrte nach ihrer Pensionierung ins Arbeitsleben zurück. Trotz 150.000 Dollar Rücklagen reichte ihr Geld nicht aus – hohe medizinische Kosten und Lebenshaltungskosten in New Hampshire zwangen sie, wieder zu arbeiten. Heute verdient sie 16 Dollar pro Stunde als Teilzeit-Rezeptionistin in einem Pflegeheim.
Archer sagt, dass die finanzielle Unsicherheit allgegenwärtig ist: „Ich kaufe immer öfter im Dollar Store ein, um Geld zu sparen.“
Strategien zur finanziellen Absicherung
Experten raten, frühzeitig mit der Altersvorsorge zu beginnen – auch kleine Beträge können langfristig wachsen. Megan Yost von der Beratungsfirma Segal empfiehlt, sich einen Überblick über die eigene finanzielle Lage zu verschaffen und monatlich einen kleinen Betrag in ein hochrentierliches Sparkonto einzuzahlen.
Selbst bei geringem Einkommen sei es wichtig, regelmäßig kleine Summen zu investieren. Arbeitgeber bieten oft kostenlose Finanzberatung an – ein Angebot, das viele Frauen nicht nutzen, weil sie Angst haben, inkompetent zu wirken.
Beth Klutes Tipp: Keine Scheu haben, Fragen zu stellen und sich Unterstützung zu holen. Sie selbst engagierte eine Beraterin, die ihr half, Karrierechancen wahrzunehmen und Gehaltsverhandlungen zu führen.
Fazit: Kleine Schritte, große Wirkung
Frauen müssen sich in der Altersvorsorge häufig zusätzlichen Herausforderungen stellen. Frühzeitige Planung, kleine, regelmäßige Beiträge und gezielte Beratung können jedoch helfen, die finanzielle Sicherheit im Alter zu verbessern. Wer Angst vor dem Thema hat, sollte sich Mut fassen und professionelle Hilfe in Anspruch nehmen – es lohnt sich.