Der Wohnungsmarkt in Niedersachsen befindet sich in einer krisenhaften Lage: Der Wohnraum in vielen Regionen des Bundeslandes ist knapp, besonders in den Ballungsgebieten und beliebten Wohngegenden. Die Mieten steigen massiv, während die Zahl der Baugenehmigungen für neue Wohnungen erneut gesenkt wurde. Diese Entwicklung macht deutlich, dass eine schnelle Wende auf dem Wohnungsmarkt in Niedersachsen nicht in Sicht ist.
Rückgang der Baugenehmigungen
Laut den neuesten Zahlen des Landesamts für Statistik, die dem NDR Niedersachsen vorliegen, haben die Bauämter von Januar bis März 2025 lediglich rund 3.800 Wohnungen genehmigt. Dies stellt einen Rückgang von etwa 300 Wohnungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum dar. Der Trend ist eindeutig: Der Wohnungsbau kommt nicht voran. Auch die Bausummen sind rückläufig. Im ersten Quartal 2025 haben Bauherren und Investoren Wohnungsbauprojekte im Gesamtvolumen von rund 757 Millionen Euro gestartet, was einen Rückgang von 68 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Krise im Wohnungsbau weiter anhält, ohne dass eine baldige Erholung in Sicht ist.
Potenziale durch Leerstand und Umbau
Obwohl die Lage angespannt bleibt, sehen Experten Potenzial in der Umnutzung älterer Gebäude. Laut Expertenmeinungen könnten durch entsprechende Umbaumaßnahmen in bestehenden Immobilien zusätzlicher Wohnraum für rund 200.000 Menschen in Niedersachsen geschaffen werden. Dies könnte ein wichtiger Schritt sein, um den wachsenden Wohnraummangel zu lindern, insbesondere in Regionen mit bereits bestehenden, aber nicht optimal genutzten Bestandsimmobilien.
Politische Verantwortung und Kritik
Die politische Diskussion über die Ursachen und Lösungen für die Wohnungsbaukrise in Niedersachsen wird zunehmend intensiver. Sebastian Lechner, Fraktionschef der CDU im niedersächsischen Landtag, macht die Landesregierung und insbesondere Olaf Lies, den Wohnungsbauminister, für die Misere verantwortlich. „Olaf Lies ist der bislang erfolgloseste Wohnungsbauminister Niedersachsens“, sagte Lechner gegenüber dem NDR Niedersachsen. „Stillstand statt Wohnraum ist seine Bilanz“, kritisierte der CDU-Politiker und forderte von der Landesregierung endlich einen Kurswechsel.
Im Gegensatz dazu sieht das Wirtschaftsministerium die Ursachen der Flaute im Wohnungsbau vor allem in den hohen Baukosten und den gestiegenen Zinsen. Ein Sprecher des Ministeriums erklärte, dass die Landesregierung eine lange Reihe von Maßnahmen auf den Weg gebracht habe, um den Wohnungsbau zu fördern. Dazu gehört die neue Landeswohnungsgesellschaft, die als erstes Projekt 85 Wohnungen in Hannover-Badenstedt erworben hat. Diese sollen jedoch erst ab 2027 bezugsfertig sein. Auch eine Überarbeitung der Landesbauordnung ist für dieses Jahr geplant, um die Genehmigungsprozesse zu beschleunigen und zu vereinfachen.
Die CDU sieht in dieser Wohnungsbaugesellschaft jedoch keine Lösung für die Krise. Lechner bezeichnete sie als „Flop“ und kritisierte, dass Niedersachsen weiterhin im „Verwaltungsmodus“ verharrt, während der Wohnraummangel immer weiter wächst.
Fachliche Einschätzungen zur Lage
Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts in Hannover, bezeichnete die Rückgänge bei den Baugenehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Mehrfamilienhäuser als „katastrophal“. Besonders im Vergleich zu den Jahren vor der Corona-Pandemie seien die Rückgänge drastisch. „Damit wird sich der Wohnungsmangel in den betroffenen Regionen weiter verschärfen“, warnte Günther. Zudem sieht er die Gefahr, dass in der Bauwirtschaft weitere Stellen und Kapazitäten abgebaut werden könnten, was den Bau neuer Wohnungen noch weiter verlangsamen würde.
Günther fordert die Bundesregierung auf, die Infrastruktur-Milliarden gezielt für den Wohnungsbau zu nutzen. Für ihn ist der Bau neuer Wohnungen nicht nur eine soziale Notwendigkeit, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Überwindung der Wirtschaftskrise. Mehr Investitionen in den Wohnungsbau könnten Arbeitsplätze schaffen und die Wirtschaft in Niedersachsen stabilisieren.
Fazit
Die Wohnungsbaukrise in Niedersachsen bleibt ein zentrales politisches Thema. Während die Landesregierung verschiedene Maßnahmen zur Förderung des Bauens anstrebt, zeigt die Praxis bisher nur geringe Fortschritte. Der Wohnraummangel nimmt weiter zu, und die politischen Vorschläge und Initiativen stoßen immer wieder auf Kritik und Skepsis. Es bleibt abzuwarten, ob die geplanten Reformen und die neue Landeswohnungsgesellschaft die notwendigen Lösungen bieten können, um die Krise zu bewältigen und den dringend benötigten Wohnraum zu schaffen.