Was wäre, wenn der „Giving Tree“ einfach „Nein“ gesagt hätte? Diese Frage stellt der Dramatiker und Drehbuchautor Topher Payne in seiner Neuinterpretation des Kinderbuchklassikers von Shel Silverstein. In seiner Serie „Topher Fixed It“ verleiht Payne Geschichten wie „The Giving Tree“, „The Pout-Pout Fish“, „Love You Forever“ und „The Rainbow Fish“ ein neues Ende, das besser zu modernen Erziehungskonzepten wie dem „Gentle Parenting“ passt.
Die Neuinterpretation: „The Tree Who Set Healthy Boundaries“
Im Original von „The Giving Tree“ opfert sich der Baum buchstäblich auf: Er gibt dem Jungen Äpfel, Äste und schließlich den Stamm, bis nur noch ein Baumstumpf übrig bleibt. Diese Geschichte wurde in den letzten Jahren zunehmend kritisch betrachtet, da sie eine ungesunde, einseitige Beziehung symbolisiert.
In Paynes Version, „The Tree Who Set Healthy Boundaries“, hört der Baum nach den Äpfeln auf zu geben. Stattdessen erklärt der Baum dem Jungen, wie er sich dabei fühlt, ständig nur zu geben, und warum es wichtig ist, auch an sich selbst zu denken. Der Junge zeigt Empathie, und die beiden finden eine neue Balance. Der Baum bleibt stark und gesund – Generationen später steht er immer noch aufrecht.
Die Neuinterpretation endet mit der Botschaft:
„Gesunde Grenzen zu setzen ist ein wichtiger Teil des Gebens. Es stellt sicher, dass man immer noch etwas zu geben hat.“
„Und so war der Baum glücklich. Alle waren es.“
Die Debatte: Tradition gegen neue Perspektiven
Die Neuinterpretation hat online eine lebhafte Debatte ausgelöst. Während viele Nutzer auf Instagram die neue Version begrüßen – einer schrieb: „Das Lesen deines Endes hat ein kleines Stück von mir geheilt“ –, gibt es auch Kritik. Einige Leser, die das Original lieben, argumentieren, dass beide Enden ihren Platz haben sollten. Ein Kommentar lautete: „Ich denke, es ist wichtig, beide Versionen den Kindern vorzulesen, damit sie sehen, wie unterschiedliche Entscheidungen das Ergebnis verändern.“
Payne betont, dass seine alternativen Enden nicht als Kritik gedacht sind, sondern als Denkanstoß. „Die Originale sind Klassiker aus gutem Grund. Meine Versionen sollen danebenstehen und Gespräche anregen, nicht sie ersetzen“, erklärt er.
Warum Geschichten neu denken?
Topher Payne begann die Serie während des Lockdowns 2020, inspiriert von Gesprächen, die er als Kind mit seiner Tante über die Bedeutung von Geschichten führte. „Oft findet dieses Gespräch bei klassischen Kinderbüchern nicht statt, und die Botschaften können dadurch fehlinterpretiert werden“, sagt er.
Er fordert andere auf, ebenfalls alternative Enden zu schreiben, wenn sie das Bedürfnis verspüren. „Manchmal hilft es, eine Geschichte für sich selbst neu zu erzählen, um mit ungelösten Gefühlen abzuschließen“, meint Payne.
Die „Topher Fixed It“-Geschichten stehen kostenlos auf seiner Website zum Download bereit. Payne verdient damit kein Geld und plant keine Veröffentlichung, sondern möchte einfach zum kreativen Austausch anregen.