In einer kleinen Bibliothek in Highlands Ranch hält Christina Marriott ein schief geschnittenes Stoffstück in der Hand und überlegt, wie sie es in eine größere Quiltfläche einarbeiten kann. „Eine perfekte Union entsteht durch unperfekte Menschen, oder?“, fragt die 46-jährige Lehrerin laut und lässt ihren Blick über die anderen Frauen schweifen, die mit Stoffmarkern politische Botschaften auf weiße Stoffquadrate schreiben.
Eine Patchwork-Botschaft an den Kongress
Quer durch die USA arbeiten hunderte Frauen und einige Männer an handgefertigten Quilts, die mit politischen Botschaften versehen sind. Diese „Peace by Piece“-Initiative wird von „Mormon Women for Ethical Government“ und der „Jewish Partnership for Democracy“ organisiert. Die Quilts, die am 9. Mai dem Kongress übergeben werden sollen, tragen parteiübergreifende Appelle an die Volksvertreter, ihre Verantwortung als gleichberechtigter Teil der Regierung ernster zu nehmen.
Am 6. Mai findet ein „Quilt-In“ in der Nähe des Kapitols in Washington, D.C. statt. Während die Botschaften nicht direkt auf Präsident Donald Trump abzielen, spiegeln sie die Besorgnis über seine Regierungsführung wider. Eine der aufgenähten Aussagen lautet: „Die Gewaltenteilung schützt Freiheit und Demokratie.“
Textile Traditionen als politischer Ausdruck
Die Tradition, durch Quilts politische Botschaften zu verbreiten, ist in den USA tief verwurzelt. Schon Abolitionistinnen, Suffragetten und später die Initiatoren des AIDS-Memorial-Quilts nutzten die Textilkunst, um gesellschaftliche Anliegen sichtbar zu machen. Die „National Quilt Collection“ des Smithsonian-Museums umfasst rund 500 bedeutende Quilts, die als textile Erzählungen die Geschichte Amerikas dokumentieren.
„Zusammen sind wir stärker“
Für Jillaire McMillan, eine der Organisatorinnen, geht es darum, viele kleine Stimmen zu einem großen Ganzen zu vereinen. „Allein hat man oft das Gefühl, keinen Einfluss zu haben“, sagt sie. „Aber wenn wir diese Stimmen miteinander verweben, entsteht etwas Kraftvolles und Historisches.“
Auch die Schwestern Kate Waters und Carol Summers sind an diesem Tag dabei. „Ich habe das Gefühl, dass die Stimmen von Frauen im Alter immer weniger Gewicht haben“, sagt die 56-jährige Kate. Ihre Schwester Carol, eine Lehrerin, ergänzt: „Ich fühle mich oft hilflos. Das hier ist eine positive Art, unsere Meinung zu äußern.“
Quilten als politisches Statement
Die Teilnehmerinnen sehen ihre Arbeit nicht nur als Handwerkskunst, sondern als politisches Statement. Mit jedem Stich entsteht ein Ausdruck von Zusammenhalt und Engagement. „Wir wollen zeigen, dass wir uns trotz aller Unterschiede für die Demokratie einsetzen“, sagt Marriott und glättet die Stofffläche mit einem heißen Bügeleisen.
Die fertigen Quilts sind mehr als nur Stoffstücke: Sie sind Symbole des gemeinsamen Engagements für Demokratie und Mitbestimmung – ein friedlicher Protest gegen die empfundene politische Ohnmacht.