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„KI ist wie ein Stück Holz – man kann einen Löffel schnitzen oder jemanden verletzen“

JOKUHN (CC0), Pixabay

Ob Gesichtserkennung, Sprachmodelle oder automatisierte Entscheidungen – Künstliche Intelligenz durchdringt immer mehr Lebensbereiche. Doch wie verhindern wir Missbrauch? Und wie lässt sich die Technologie ethisch gestalten? Die Redaktion sprach mit Tim Schlautmann, Digitalexperte aus Warendorf, über Verantwortung, Regulierung und die Zukunft digitaler Macht.


Redaktion: Herr Schlautmann, viele Menschen sind verunsichert: Müssen wir Angst vor Künstlicher Intelligenz haben?

Tim Schlautmann: Nein, Angst ist selten ein guter Ratgeber. KI ist ein Werkzeug – vergleichbar mit einem Stück Holz. Man kann daraus einen Löffel schnitzen oder jemanden damit erschlagen. Die Technologie selbst ist neutral. Entscheidend ist, wer sie einsetzt und mit welchem Ziel. Und genau darin liegt das Risiko – nicht in der KI an sich, sondern in der unkontrollierten Nutzung.

Redaktion: Was heißt das konkret? Wo sehen Sie die größte Gefahr?

Schlautmann: Die größte Gefahr ist Machtkonzentration. Derzeit liegt die Kontrolle über die großen KI-Systeme in den Händen einiger weniger Tech-Konzerne, insbesondere aus den USA. Diese Unternehmen bestimmen, wie die Technologie entwickelt und genutzt wird – oft ohne demokratische Kontrolle. Wenn wir nicht aufpassen, entscheiden in Zukunft private Firmen über öffentliche Belange.

Redaktion: Wie kann Europa darauf reagieren?

Schlautmann: Europa hat die Möglichkeit – und auch die Verantwortung – eigene Regeln zu setzen. Die EU-KI-Verordnung ist ein Anfang. Aber sie muss konsequent umgesetzt und weiterentwickelt werden. Europa sollte KI fördern, aber auch klare rote Linien ziehen. Technologie darf nie die Menschenwürde gefährden. Nur wer ethische Standards definiert, kann langfristig Vertrauen schaffen.

Redaktion: Gibt es Anwendungen, die Sie grundsätzlich ablehnen?

Schlautmann: Ja, ein Beispiel ist die biometrische Gesichtserkennung im öffentlichen Raum. Das ist eine massive Gefahr für die Privatsphäre. Wenn wir überall identifiziert und verfolgt werden können, entsteht eine Atmosphäre der Kontrolle, die mit einer offenen Gesellschaft unvereinbar ist. Solche Systeme gehören verboten – nicht eingeschränkt, sondern klar untersagt.

Redaktion: Kritiker sagen, zu viel Regulierung schade der Innovationskraft. Was entgegnen Sie?

Schlautmann: Das Argument ist nicht neu – es wird in fast jeder Debatte bemüht, wenn Standards eingefordert werden. Aber ethische Leitplanken schwächen keine Gesellschaft. Im Gegenteil: Sie stärken sie. Wenn Europa sich für klare Regeln entscheidet, zeigt es Haltung. Wir setzen damit auf Werte – nicht auf kurzfristige Profite.

Redaktion: Welche realen Probleme sehen Sie heute im Umgang mit KI?

Schlautmann: Ein sehr konkretes Thema ist der Ressourcenverbrauch. Große KI-Modelle benötigen enorme Mengen an Strom, Wasser und seltenen Erden. Wir reden über Datenzentren, die so viel Energie verbrauchen wie ganze Städte. Wenn wir blind weiter skalieren, torpedieren wir unsere Klimaziele. Nachhaltigkeit muss Teil jeder digitalen Strategie sein.

Redaktion: Was wäre aus Ihrer Sicht nötig für eine gute Zukunft mit KI?

Schlautmann: Wir brauchen drei Dinge: erstens Bildung, damit Menschen verstehen, was KI ist – und was nicht. Zweitens Transparenz: Entscheidungen durch KI müssen nachvollziehbar sein. Und drittens gesellschaftliche Beteiligung: Die Gestaltung unserer digitalen Welt darf nicht nur zwischen Lobbyisten und Politik stattfinden. Es geht um nichts weniger als unsere Zukunft.


Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Schlautmann.

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