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Interview mit Rechtsanwalt Jens Reime: Vorsicht vor falschen DHL-Nachrichten

useche360 (CC0), Pixabay

 

Frage: Herr Reime, viele Menschen in Deutschland bekommen im Moment SMS von „DHL“, in denen steht, dass ein Paket nicht zugestellt werden konnte. Was steckt dahinter?

Rechtsanwalt Jens Reime: Diese Nachrichten sind gefährlich. Sie kommen nicht wirklich von DHL. Betrüger schicken sie, um Menschen hereinzulegen. Wenn man auf den Link klickt, kommt man auf eine gefälschte Webseite. Dort soll man persönliche Daten eingeben – zum Beispiel seine Adresse oder sogar die Kreditkartennummer.

Frage: Und was passiert, wenn jemand seine Kreditkartendaten dort eingibt?

Reime: Dann haben die Betrüger alles, was sie brauchen, um Geld zu stehlen. Sie können damit online einkaufen oder die Karte auf dem Handy speichern, um damit zu bezahlen. Manche Opfer verlieren so viel Geld – oft ohne es sofort zu merken.

Frage: Wer steckt hinter diesen Angriffen?

Reime: Laut den Recherchen handelt es sich um eine große Betrüger-Gruppe aus Asien. Sie benutzen eine Software mit dem Namen „Magic Cat“. Damit können sie Webseiten von echten Firmen, wie DHL, täuschend echt nachbauen. Der Anführer nennt sich „Darcula“ – wie der Vampir. Er vermietet die Software an andere Täter.

Frage: Ist das in Deutschland strafbar?

Reime: Natürlich. Wer so etwas macht, begeht Betrug und Datenklau. Auch wer die Software nur anbietet, kann dafür bestraft werden – zumindest, wenn man ihn erwischen kann.

Frage: Was kann man tun, wenn man so eine Nachricht bekommt?

Reime: Am besten ist: nicht draufklicken! Löschen Sie die Nachricht sofort. Wenn Sie doch draufgeklickt und Daten eingegeben haben, rufen Sie Ihre Bank an und lassen Sie Ihre Karte sperren. Und: erstatten Sie Anzeige bei der Polizei.

Frage: Gibt es schon Ermittlungen in Deutschland gegen die Täter?

Reime: Das Bundeskriminalamt kennt die Gruppe, aber es gibt bisher keine konkreten Ermittlungen. Das liegt auch daran, dass die Täter im Ausland sitzen – und viele Länder nicht gut zusammenarbeiten bei solchen Fällen. Trotzdem: Wer betroffen ist, sollte zur Polizei gehen. Nur so können die Behörden den Druck erhöhen.

Frage: Haben Sie einen Tipp, wie man sich besser schützen kann?

Reime: Ja, ganz einfach: Misstrauisch sein. Wenn eine Nachricht seltsam klingt, lieber zweimal nachdenken. Und nie private Daten oder Bankdaten auf unbekannten Webseiten eingeben. Wer sich nicht sicher ist, kann direkt bei der echten DHL-Webseite nachschauen oder dort anrufen.

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