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Karen Read vor Gericht: Spielt Schäferhündin Chloe eine zentrale Rolle im Mordprozess?

geralt (CC0), Pixabay

Im spektakulären Mordprozess gegen Karen Read, der Ex-Professorin, die beschuldigt wird, ihren Freund – den Bostoner Polizisten John O’Keefe – im Januar 2022 mit einem SUV überfahren und im Schnee liegengelassen zu haben, steht nun ein neuer „Zeuge“ im Zentrum der Aufmerksamkeit: eine Deutsche Schäferhündin namens Chloe.

Read behauptet, dass nicht sie, sondern möglicherweise Chloe O’Keefes tödliche Verletzungen verursacht haben könnte – zumindest einige davon. Dabei handelt es sich vor allem um Bissspuren am Arm des Opfers, die laut Read nicht zu einem Verkehrsunfall, sondern zu einem Tierangriff passen.

Die Theorie der Verteidigung: Der Hund war’s

David Yanetti, Reads Anwalt, stellte 2024 die Theorie auf, dass O’Keefe nicht durch das Auto, sondern durch eine gewalttätige Auseinandersetzung im Haus – unter anderem mit Beteiligung des Hundes – ums Leben gekommen sein könnte. Chloe sei als Familienhund der Hausbewohner Nicole und Brian Albert (ebenfalls ein Ex-Polizist) bekannt gewesen – das Grundstück, auf dem O’Keefe tot gefunden wurde, gehört genau diesen beiden.

Obwohl Chloe natürlich nicht als Zeugin aussagen kann, ist sie symbolisch und forensisch ein wichtiger Teil der Verteidigungsstrategie: Sie könnte das zentrale Element sein, das Zweifel an der Version der Anklage sät – und genau das genügt möglicherweise, um eine Verurteilung zu verhindern.

Experten sollen Klären: Biss oder Stoß?

Im aktuellen Verfahren sind zwei Hundesachverständige vorgesehen:

  • Für die Anklage: Dr. James W. Crosby, ein Experte für Hundeverhalten, sollte ursprünglich aussagen, dass die Bissspuren nicht zu Chloe passen. Der Richter beschränkte seine Aussage jedoch auf allgemeine anatomische Informationen, was als kleiner Sieg für die Verteidigung gilt.

  • Für die Verteidigung: Lt. Garrett Wing, ein erfahrener K-9-Polizist, wird aussagen, dass es sich bei den Verletzungen sehr wohl um Hundebisse handeln könnte.

Auch Dr. Marie Russell, eine Notfallmedizinerin, darf laut Gericht über die Art der Verletzungen sprechen.

Chloe auf dem Bauernhof – aber ein dunkler Schatten bleibt

Chloe lebt seit dem Vorfall auf einem Bauernhof in Vermont, wie Nicole Albert, Schwester der Kronzeugin Jennifer McCabe, vor Gericht aussagte. Doch obwohl sie nicht vor Ort ist, bleibt ihre Präsenz im Gerichtssaal spürbar.

Die Verteidigung beschreibt sie als 70-Pfund-Hund, „nicht gut mit Fremden“ – und möglicherweise fähig, schwere Verletzungen zuzufügen. Jennifer McCabe bestätigte vor Gericht: „Mit anderen Hunden kam sie nicht klar – meinen eigenen konnte ich nicht mitbringen.“

Urteil vertagt – aber Zweifel gesät

Nach dem gescheiterten ersten Prozess 2024, der in einem Hung Jury (also ohne Einigung der Geschworenen) endete, hoffen Reads Anwälte nun erneut, dass ein einzelner skeptischer Juror genügt, um auch diesen Durchgang ohne Schuldspruch enden zu lassen.

„Die Aufgabe der Verteidigung ist nicht, zu beweisen, was passiert ist“, erklärt Ex-Bundesanwalt Renato Mariotti. „Sie muss nur genug Zweifel säen – und das gelingt ihr mit Chloe ganz offensichtlich.“

Der Prozess wird live von CourtTV übertragen. Die nächste Verhandlung findet am Freitag statt, wenn Jennifer McCabe weiter befragt wird. Bis dahin bleibt die Frage offen: War es vielleicht doch der Hund?

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