Redaktion: Herr Reime, die fairfood Freiburg GmbH bietet aktuell über die Plattform Onecrowd Nachrangdarlehen mit 9 Prozent Zins plus Bonuszins an. Wie bewerten Sie dieses Angebot aus rechtlicher und anlegerrechtlicher Sicht?
Jens Reime: Auf den ersten Blick ist der Zinssatz von 9 Prozent pro Jahr natürlich sehr attraktiv, insbesondere in Zeiten niedriger Zinsen bei klassischen Anlageformen. Aber Anleger müssen wissen: Bei einem Crowdinvesting dieser Art investieren sie in ein unternehmerisches Projekt mit allen dazugehörigen Risiken – und zwar über ein Nachrangdarlehen. Im Ernstfall, etwa bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten oder einer Insolvenz der Emittentin, kann der Anleger sein gesamtes eingesetztes Kapital verlieren.
Redaktion: Können Sie noch einmal genau erklären, was ein Nachrangdarlehen bedeutet?
Jens Reime: Ein Nachrangdarlehen bedeutet, dass Anleger im Insolvenzfall erst nach allen anderen Gläubigern bedient werden – wenn überhaupt noch Vermögenswerte vorhanden sind. In der Praxis heißt das oft: Im Falle einer Zahlungsunfähigkeit oder Insolvenz gehen die Crowdinvestoren leer aus. Das ist das Kernrisiko bei solchen Angeboten, und das sollten Investoren unbedingt berücksichtigen.
Redaktion: Das Unternehmen fairfood Freiburg setzt auf Bio- und Fairtrade-Produkte und ist bereits bei Edeka und Rewe gelistet. Spricht das nicht für eine gewisse Sicherheit?
Jens Reime: Natürlich ist eine Listung bei großen Handelsketten ein positives Signal und spricht für eine gewisse Marktdurchdringung. Aber ein Vertriebserfolg alleine garantiert noch keine wirtschaftliche Stabilität. Gerade im Bereich von Bio- und Nischenprodukten können Marktveränderungen, Preisverfall – wie bei den Cashewkernen aktuell – oder Lieferschwierigkeiten erhebliche Risiken für die Geschäftsgrundlage darstellen. Anleger sollten sich davon nicht zu einer falschen Sicherheit verleiten lassen.
Redaktion: Das Unternehmen bietet neben dem festen Zins auch einen umsatzabhängigen Bonuszins. Wie sehen Sie das?
Jens Reime: Ein umsatzabhängiger Bonuszins klingt verlockend, ist aber spekulativ. Der Bonus ist abhängig davon, wie sich der Umsatz des Unternehmens entwickelt. Fällt der Umsatz geringer aus als prognostiziert, kann der Bonuszins komplett entfallen oder deutlich niedriger ausfallen. Auch hier trägt der Anleger unternehmerisches Risiko.
Redaktion: Wohin soll das eingeworbene Kapital laut Angaben von fairfood Freiburg fließen?
Jens Reime: Das Kapital soll in die Erweiterung der Produktion und den Ausbau der Logistik investiert werden, also in Maßnahmen zur Unternehmensentwicklung. Das ist grundsätzlich sinnvoll, bedeutet aber auch: Es handelt sich nicht um ein Investment in bereits abgeschlossene, sichere Projekte, sondern um eine Finanzierung zukünftigen Wachstums – inklusive aller damit verbundenen Unsicherheiten.
Redaktion: Ihr abschließender Rat an interessierte Anleger?
Jens Reime: Wer in dieses Crowdinvesting-Angebot investiert, sollte sich der hohen Risiken bewusst sein, sein Investment breit streuen und nur Kapital einsetzen, dessen Verlust er im Zweifel verschmerzen kann. Eine unabhängige rechtliche oder wirtschaftliche Beratung vor der Zeichnung ist dringend anzuraten. Und ganz wichtig: Angebote mit hohen Zinsen sind niemals risikolos.
✅ Fazit:
Das Crowdinvesting bei fairfood Freiburg bietet hohe Zinsen und eine nachhaltige Idee – Anleger tragen aber ein erhebliches Risiko, inklusive Totalverlustgefahr durch die Nachrangstruktur der Darlehen.