Redaktion: Herr Reime, Sie gelten als ausgewiesener Experte für Solarinvestments und wurden in den letzten Monaten häufig von Presse und Fernsehen befragt. Was macht Investments in Photovoltaik aktuell so attraktiv?
Jens Reime: In Zeiten von Inflation, schwankenden Zinsen und einer unsicheren Wirtschaftslage suchen viele Anleger nach alternativen Investments. Solarinvestments kombinieren ökologische Verantwortung mit der Aussicht auf attraktive Renditen. Besonders beliebt sind Beteiligungen an Photovoltaikanlagen oder Investitionen in baureife PV-Projektrechte. Dazu kommt: Der Bedarf an erneuerbarer Energie wird langfristig steigen, was grundsätzlich für diese Assetklasse spricht.
Redaktion: Immer mehr Plattformen und Anbieter werben mit hohen Renditen bei Solarprojekten. Wo liegen aus Ihrer Sicht die Risiken?
Jens Reime: Anleger dürfen nicht übersehen: Solarinvestments sind unternehmerische Beteiligungen und tragen ein erhebliches Risiko. Probleme bei der Umsetzung von Projekten, schwankende Einspeisevergütungen, technische Ausfälle oder Insolvenzen der Projektgesellschaften können die erwarteten Erträge schmälern oder ganz zunichtemachen. Besonders kritisch: Oft erfolgen diese Investments über Nachrangdarlehen oder stille Beteiligungen – das heißt, im Insolvenzfall stehen Anleger am Ende der Gläubigerkette. Ein Totalverlust ist real möglich.
Redaktion: Welche Rolle spielen alternative Investitionsmöglichkeiten wie Dachverpachtungen?
Jens Reime: Dachverpachtungen sind eine sehr interessante Möglichkeit, insbesondere für Immobilieneigentümer. Hier verpachten sie ungenutzte Dachflächen an Unternehmen, die darauf Photovoltaikanlagen errichten. Der Eigentümer erhält dafür entweder eine Einmalzahlung oder jährliche Pachteinnahmen – ohne eigenes Investitionsrisiko. Aus Anlegersicht bietet das eine relativ risikoärmere Möglichkeit, von der Energiewende zu profitieren, vorausgesetzt der Vertragspartner ist solide.
Redaktion: Viele Anbieter betonen die Stabilität und Planbarkeit der Erträge aus Photovoltaikanlagen. Wie realistisch ist das?
Jens Reime: Grundsätzlich liefern Photovoltaikanlagen bei guter Standortwahl und professioneller Wartung stabile Erträge über viele Jahre. Allerdings gibt es auch hier keine Garantie. Wetterbedingungen, technische Defekte oder politische Eingriffe – etwa Änderungen bei Förderprogrammen – können die Wirtschaftlichkeit beeinflussen. Anleger sollten sich immer bewusst machen: Auch bei „grünen“ Anlagen handelt es sich um Investitionen mit Marktrisiken.
Redaktion: Manche Plattformen bieten auch Investitionen in baureife PV-Projektrechte an. Was sollten Anleger hier beachten?
Jens Reime: Baureife Projektrechte sind eine spannende Option, aber auch hier gilt: Die eigentliche Umsetzung des Projekts muss noch erfolgen. Risiken bestehen etwa in Genehmigungsfragen, Baukostensteigerungen oder bei der Anbindung an das Stromnetz. Nur wer sich der Unsicherheiten bewusst ist und die Erfahrung des Projektentwicklers kritisch prüft, sollte solche Investments tätigen.
Redaktion: Herr Reime, was raten Sie Anlegern, die ihr Geld in Photovoltaik oder Solarinvestments stecken möchten?
Jens Reime: Anleger sollten unbedingt eine genaue Risikoanalyse durchführen, das Projekt, den Betreiber und die rechtliche Konstruktion kritisch hinterfragen und ihr Kapital breit streuen. Es ist essenziell, nur Beträge zu investieren, deren Totalverlust man verkraften könnte. Eine unabhängige rechtliche oder wirtschaftliche Beratung vor der Investition ist dringend zu empfehlen.
✅ Fazit:
Solarinvestments bieten attraktive Renditechancen, gehören aber klar zu den unternehmerischen Beteiligungen mit erheblichem Risiko – bis hin zum Totalverlust. Dachverpachtungen sind eine risikoärmere Alternative für Immobilieneigentümer.