Nach dem verheerenden Einsturz eines Hochhauses in Bangkok mit Dutzenden Toten und Vermissten hat die thailändische Justiz erste Festnahmen vorgenommen. Wie Justizminister Tawee Sodsong am Dienstag mitteilte, wurden ein chinesischer Geschäftsmann sowie drei thailändische Staatsbürger in Zusammenhang mit dem Unglück in Gewahrsam genommen.
Mindestens 47 Tote, 47 Vermisste
Das Unglück ereignete sich vor rund drei Wochen während eines schweren Erdbebens, bei dem das sich noch im Bau befindliche 30-stöckige Hochhaus des thailändischen Rechnungshofs einstürzte. Die Bilanz ist erschütternd: Mindestens 47 Menschen kamen ums Leben, ebenso viele gelten weiterhin als vermisst. Das Gebäude war Teil eines Großprojekts im Regierungsviertel der Hauptstadt.
Illegale Geschäftsstrukturen aufgedeckt
Im Fokus der Ermittlungen steht unter anderem die Beteiligung ausländischer Investoren an der Bauträgerfirma. Laut Minister Tawee sollen die drei festgenommenen thailändischen Staatsbürger als Strohmänner fungiert haben, um einem chinesischen Partner – konkret der Firma China Railway No. 10 – mehr als die gesetzlich erlaubten 49 Prozent Unternehmensanteile zu verschaffen. In Thailand dürfen ausländische Investoren höchstens 49 Prozent an einem Unternehmen halten.
Durch diese Konstruktion soll der chinesische Baukonzern faktisch die Kontrolle über das Projekt gehabt haben, obwohl dies rechtlich nicht zulässig ist. Der festgenommene chinesische Manager war leitend an dem Projekt beteiligt.
Ermittlungen wegen Betrugs und Urkundenfälschung
Neben dem Verdacht der illegalen Unternehmensbeteiligung wird auch wegen Betrugs bei der Auftragsvergabe sowie Fälschung von Unterschriften von Bauaufsichtsingenieuren ermittelt. Es besteht der Verdacht, dass Sicherheitsvorgaben manipuliert oder ignoriert wurden – möglicherweise ein entscheidender Faktor für den folgenschweren Einsturz.
Das Gebäude wurde von einem Joint Venture aus China Railway No. 10 und einem thailändisch-italienischen Unternehmen errichtet. Die weiteren Beteiligten werden nun ebenfalls überprüft. Auch Korruption im Genehmigungsprozess kann nach ersten Erkenntnissen nicht ausgeschlossen werden.
Politischer und gesellschaftlicher Druck steigt
Die Katastrophe hat in Thailand eine breite Diskussion über Baustandards, Korruption und ausländischen Einfluss auf Großprojekte entfacht. Die Regierung sieht sich zunehmend unter Druck, Konsequenzen zu ziehen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Justizminister Tawee kündigte an, die Ermittlungen „mit aller Konsequenz“ fortzuführen.
Fazit
Der Hochhaus-Einsturz von Bangkok entwickelt sich immer mehr zu einem politischen und juristischen Skandal mit internationaler Dimension. Während die Suche nach Vermissten noch andauert, richten sich die Ermittlungen nun auf strukturelle Mängel, rechtliche Umgehungskonstruktionen und mutmaßlichen Betrug. Die ersten Festnahmen markieren einen Wendepunkt – doch die Aufarbeitung dieser Katastrophe steht erst am Anfang.