Es ist eine Geschichte, die zu Herzen geht – und wie gemacht ist für die Osterzeit: Im Tierheim Dreherhof in Aalen hat ein schwer krankes Kaninchen eine zweite Chance auf ein würdiges Leben bekommen. Der ungewöhnliche Held der Geschichte heißt „Hot Wheels“ – ein Riesenkaninchen, das teilweise gelähmt ist und nun mit einem selbstgebauten Rollstuhl durchs Leben hoppelt.
Vom Acker ins Tierheim – und zurück ins Leben
Gefunden wurde „Hot Wheels“ völlig hilflos auf einem Feld. Der Rammler konnte sich kaum noch bewegen, war unterkühlt und in schlechtem Zustand. Im Tierheim stellte sich schnell heraus: Das Kaninchen leidet an der EC-Krankheit, einer durch Einzeller verursachten Infektion, die das zentrale Nervensystem angreift. Eine typische Folge: Lähmungen der Hinterläufe, oft ein Todesurteil für kleine Tiere.
Doch die Tierpflegerinnen und Tierpfleger im Dreherhof entschieden sich gegen das Aufgeben – und für die Kreativität. Mit viel Geschick und Herzblut bauten sie aus einem alten Vogelhäuschen kurzerhand einen Rollator für Kaninchen. Seitdem kann „Hot Wheels“ sich wieder selbstständig bewegen – und zwar erstaunlich flink.
Tierpflegerin: „Er gibt sich richtig Mühe“
„Er hat eine unglaubliche Lebensfreude“, sagt Tierpflegerin Constanze Wagner. Sie hat das Tier von Anfang an betreut und mit dem Team gemeinsam das Hilfsmittel entwickelt. „Man merkt richtig, dass er sich bemüht und Spaß an der Bewegung hat. Es ist, als hätte er verstanden, dass er eine neue Chance bekommen hat.“
Das Kaninchen hat sich inzwischen gut eingelebt, frisst mit Appetit, genießt Streicheleinheiten – und lässt sich seinen „Rollstuhl“ erstaunlich geduldig anlegen.
EC beim Kaninchen – eine unterschätzte Krankheit
Die sogenannte Enzephalitozoonose (EC) ist eine häufige, aber oft unerkannte Erkrankung bei Kaninchen. Der einzellige Parasit Encephalitozoon cuniculi befällt vor allem das Gehirn und das Rückenmark. Die Symptome reichen von Kopfschiefhaltung bis hin zu Lähmungen. Wird sie früh erkannt, kann eine medikamentöse Behandlung helfen – eine vollständige Heilung ist allerdings selten.
Ein Hoppeln mit Symbolkraft
„Hot Wheels“ ist für das Team des Dreherhofs längst mehr als nur ein Patient. Er ist ein Symbol für Tierliebe, Hoffnung – und dafür, dass auch scheinbar aussichtslose Fälle eine zweite Chance verdienen. Pünktlich zu Ostern hat das Tierheim mit seinem kleinen Rollstuhl-Helden nicht nur dem Kaninchen, sondern auch vielen Tierfreunden ein Lächeln geschenkt.