Der Chef der US-Notenbank sieht steigende Preise und schwaches Wachstum als reale Gefahr.
In einer Rede am 16. April beim Economic Club of Chicago schlug Jerome Powell, Vorsitzender der US-Notenbank (Federal Reserve), ernste Töne an. Die aktuellen wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Regierung – insbesondere die unberechenbaren Zollentscheidungen von Präsident Donald Trump – könnten die USA in ein besonders problematisches wirtschaftliches Szenario führen: Stagflation.
Powell erwähnte den Begriff selbst nicht ausdrücklich, aber seine Beschreibung entsprach genau diesem Zustand: gleichzeitige Inflation und wirtschaftliche Stagnation. Das letzte Mal trat ein solches Szenario in den USA in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren auf – unter Präsident Jimmy Carter.
Was ist Stagflation überhaupt?
Stagflation ist eine Kombination aus drei ungünstigen wirtschaftlichen Faktoren:
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Hohe Inflation (steigende Preise),
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Schwaches oder stagnierendes Wirtschaftswachstum,
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Steigende Arbeitslosigkeit.
Normalerweise treten Inflation und Konjunkturschwäche nicht gleichzeitig auf. In einer gesunden Wirtschaft steigen Preise, wenn Nachfrage wächst. In einer schwachen Wirtschaft hingegen sinkt die Inflation meist. Stagflation vereint jedoch das Schlechteste aus beiden Welten: Verbraucher verlieren Kaufkraft, während Unternehmen stagnieren oder Personal abbauen.
Ein klassischer Auslöser von Stagflation sind plötzliche Kostensteigerungen, etwa bei Rohstoffen – wie damals durch die Ölkrisen. Aktuell könnten Trumps Zölle eine ähnliche Wirkung entfalten, indem sie Importwaren verteuern und dadurch Verbraucherpreise steigen lassen.
Droht den USA nun Stagflation?
Powell zeigte sich besorgt: Zölle auf Importe könnten laut ihm „sehr wahrscheinlich“ Inflation anheizen und das Wirtschaftswachstum bremsen. Wenn Unternehmen wegen gestiegener Kosten weniger investieren und Jobs abbauen, könne die Arbeitslosigkeit steigen – während Verbraucher für dieselben Waren mehr bezahlen müssen.
Einige Anzeichen deuten bereits auf diese Entwicklung hin:
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Im März 2025 wurden zwar 228.000 neue Jobs geschaffen, aber vorherige Zahlen wurden nach unten korrigiert.
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Die Arbeitslosenquote stieg leicht von 4,1 % auf 4,2 %.
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Die Inflation zeigt sich hartnäckig und bleibt über dem angestrebten Zielwert der Fed.
Zudem bringt die Unsicherheit über künftige Handelsbedingungen zusätzliche Risiken: Unternehmen planen vorsichtiger, Investitionen werden aufgeschoben.
Das Dilemma der US-Notenbank
Die Fed steht nun vor einem klassischen Zielkonflikt:
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Senkt sie die Zinsen, kurbelt sie zwar die Wirtschaft an, riskiert aber eine stärkere Inflation.
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Erhöht sie die Zinsen, bekämpft sie die Inflation, könnte aber die Konjunktur weiter abwürgen.
Powell betonte, man werde zunächst beobachten, ob eher Inflation oder schwaches Wachstum das größere Risiko sei – bevor man weitere geldpolitische Schritte unternehme.
Fazit: Wachsamkeit ist geboten
Die Sorge um eine Stagflation ist mehr als akademisch. Sie erinnert an eine schwierige Phase der US-Wirtschaftsgeschichte, in der klassische Mittel nicht mehr wirkten. Sollte sich das Szenario bewahrheiten, steht die US-Notenbank vor einer besonders schwierigen Gratwanderung – mit weltweiten Auswirkungen.