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Milchmädchenkleider im Club? Gen Z setzt auf Romantik statt Glitzer

geralt (CC0), Pixabay

Ein neuer Modetrend sorgt derzeit für Furore auf TikTok – und in den Clubs: Junge Frauen der Gen Z tragen sogenannte Milkmaid Dresses (Milchmädchenkleider) beim Ausgehen. Diese langen, meist flatternden, romantisch-verspielten Kleider erinnern an ländliche Idylle, Jane Austen oder das 19. Jahrhundert – und stehen damit im starken Kontrast zu dem sonst üblichen, figurbetonten Party-Look.

Auch Model Kendall Jenner wurde beim Coachella-Festival in einem solchen Kleid gesichtet und zog damit alle Blicke auf sich. „Alle sehen aus, als wären sie bei Woodstock – und sie wirkt, als käme sie von einer Gartenparty“, beschreibt Modeexpertin Lorynn Divita, Professorin für Modedesign und Autorin von Fashion Forecasting.

Was steckt hinter dem Trend?

Laut Divita ist Mode nie nur oberflächlich. Sie reflektiert tiefere gesellschaftliche und politische Entwicklungen – so auch in diesem Fall. Sie sieht die Rückkehr der „hyper-femininen“ Ästhetik als Reaktion auf eine gesellschaftliche Rückwärtsbewegung in Bezug auf die Rolle der Frau. In Zeiten des Fortschritts seien klare Linien und maskulinere Schnitte gefragt – in Zeiten des Rückschritts komme das Verspielte, Häusliche und „sanft Weibliche“ zurück.

Die romantische Silhouette des Milchmädchenkleids – gepuffte Ärmel, enge Taille, fließender Rock – vermittle Geborgenheit und Nostalgie. Gerade in unsicheren Zeiten sehne sich die Gesellschaft nach Stabilität und Einfachheit. „Es ist ein beruhigendes, sanftes Bild, das viele als Gegenpol zur aktuellen Weltlage empfinden“, so Divita.

Hinzu kommt: Die Kleider sind erschwinglich, schmeicheln vielen Figurtypen und lassen ihre Trägerinnen aus der Masse herausstechen. Ein TikTok-Kommentar mit über 20 Millionen Views bringt es auf den Punkt: „Noch nie hatten wir so viel Aufmerksamkeit wie in diesen mormonisch anmutenden Kleidern im Club.“

Einfluss durch Social Media und Tradwife-Ästhetik

Auch sogenannte „Tradwives“ – Influencerinnen, die sich bewusst einem traditionellen Frauenbild verschreiben und ästhetisch stark von den 1950ern inspiriert sind – haben Einfluss auf diesen Trend. Obwohl sie kontrovers diskutiert werden, ist ihr Einfluss auf das Mode- und Frauenbild in sozialen Medien spürbar.

Trend oder Zeitgeist-Phänomen?

Ob das Milchmädchenkleid als Clubmode Bestand hat, ist unklar. Divita glaubt jedoch, dass es eine Reaktion auf die Reizüberflutung durch extrem körperbetonte Clubmode ist: „Wir sind müde von hautengen Outfits. Wir haben das gesehen, erlebt, getragen – jetzt braucht es einen Gegentrend.“

Wie lange der Hype um die „kleine Prärie im Club“ anhält, bleibt abzuwarten. Eines aber sei sicher, sagt Divita: „In der Mode ist nichts für immer. Sobald ein Look zu sehr dominiert, kommt das Gegenteil.“

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