Der Jahresabschluss der ENOVA Windpark Ostbevern GmbH & Co. KG zum 31. Dezember 2024 fällt vor allem durch seine ungewöhnliche Bilanzstruktur auf.
Die gesamte Bilanzsumme beträgt nur 153.251,21 Euro. Davon entfallen lediglich 12.757 Euro auf Sachanlagen. Weitaus größer ist der Bestand an liquiden Mitteln: Auf Bankkonten und in der Kasse liegen zum Bilanzstichtag 76.382,42 Euro.
Auf der Passivseite dominieren dagegen die Rückstellungen. Sie belaufen sich auf 125.734,23 Euro und machen damit mehr als vier Fünftel der gesamten Bilanzsumme aus.
Die eigentlichen Verbindlichkeiten sind dagegen ausgesprochen niedrig: Sie betragen lediglich 10.238,59 Euro und sind vollständig innerhalb eines Jahres fällig.
Damit zeigt der Abschluss ein ungewöhnliches Bild: wenig verbliebenes Anlagevermögen, vergleichsweise hohe Rückstellungen, aber kaum klassische Schulden.
Bilanzsumme von nur 153.251 Euro
Die ENOVA Windpark Ostbevern GmbH & Co. KG weist zum 31. Dezember 2024 eine Bilanzsumme von exakt 153.251,21 Euro aus.
Auf der Aktivseite verteilen sich die Vermögenswerte im Wesentlichen auf vier Positionen:
Das Sachanlagevermögen beträgt 12.757 Euro.
Die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände liegen bei 51.037,92 Euro.
Die liquiden Mittel belaufen sich auf 76.382,42 Euro.
Hinzu kommt ein aktiver Rechnungsabgrenzungsposten von 13.073,87 Euro.
Das Umlaufvermögen insgesamt erreicht damit 127.420,34 Euro und entspricht rund 83,1 Prozent der Bilanzsumme.
Die Gesellschaft ist bilanziell also kaum noch durch Sachanlagen geprägt, sondern überwiegend durch kurzfristigere Vermögenspositionen.
Sachanlagen nur noch mit 12.757 Euro in der Bilanz
Besonders auffällig ist der sehr niedrige Buchwert des Anlagevermögens.
Die Sachanlagen stehen zum Jahresende 2024 nur noch mit 12.757 Euro in den Büchern.
Das entspricht lediglich rund 8,3 Prozent der gesamten Bilanzsumme.
Der Anhang erklärt, dass das Anlagevermögen nach den handelsrechtlichen Vorschriften bewertet wird und Abschreibungen entsprechend der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer sowohl linear als auch degressiv vorgenommen werden.
Was sich hinter den verbliebenen Sachanlagen konkret verbirgt, wird in der veröffentlichten Fassung nicht detailliert aufgeschlüsselt. Der Anhang verweist dafür auf einen separat dargestellten Anlagenspiegel.
Deshalb wäre es nicht belastbar, allein aus dem niedrigen Buchwert zu schließen, welchen technischen Zustand oder welchen tatsächlichen Marktwert der Windpark besitzt.
Ein niedriger Bilanzwert ist nicht automatisch mit einem niedrigen wirtschaftlichen Wert gleichzusetzen.
Bankguthaben sechsmal höher als Sachanlagen
Bemerkenswert ist der Vergleich zwischen Sachanlagen und Liquidität.
Während die Sachanlagen nur 12.757 Euro betragen, verfügt die Gesellschaft über 76.382,42 Euro an liquiden Mitteln.
Damit ist das Bank- und Kassenguthaben fast sechsmal so hoch wie der Buchwert des gesamten Sachanlagevermögens.
Zusätzlich bestehen Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände von 51.037,92 Euro.
Forderungen mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr gibt es nach Angaben des Anhangs nicht.
Die Forderungen sind damit vollständig kurzfristiger Natur.
Mehr als 83 Prozent der Bilanz bestehen aus Umlaufvermögen
Aus Bankguthaben und Forderungen ergibt sich ein Umlaufvermögen von 127.420,34 Euro.
Gemessen an der Bilanzsumme von 153.251,21 Euro entspricht das rund 83,1 Prozent.
Das ist für eine Windparkgesellschaft eine auffällige Struktur.
Bei klassischen Projektgesellschaften machen technische Anlagen häufig den größten Teil der Aktivseite aus.
Bei ENOVA Windpark Ostbevern ist es genau umgekehrt: Das Anlagevermögen spielt bilanziell nur noch eine Nebenrolle.
Warum diese Struktur entstanden ist und ob der Windpark beispielsweise weitgehend abgeschrieben, technisch verändert oder in einer späteren Projektphase ist, lässt sich aus dem veröffentlichten Abschluss allein nicht feststellen.
Eigenkapital beträgt nur 17.278 Euro
Auf der Passivseite weist die Gesellschaft ein Eigenkapital von 17.278,39 Euro aus.
Dieser Betrag besteht vollständig aus Kommanditkapital.
Ein Bilanzgewinn oder Bilanzverlust wird mit 0 Euro ausgewiesen.
Die Eigenkapitalquote beträgt damit rund 11,3 Prozent.
Das ist keine besonders hohe Quote.
Allerdings ist die Aussagekraft dieser Kennzahl hier begrenzt, weil die Gesellschaft gleichzeitig nur sehr geringe Verbindlichkeiten aufweist.
Die Bilanz ist vielmehr vor allem durch die hohen Rückstellungen geprägt.
Haftsumme von 560.000 Euro – aber nur 17.278 Euro bilanzielles Kommanditkapital
Im Anhang findet sich eine auffällige gesellschaftsrechtliche Angabe.
Die Haftsumme laut Handelsregister beträgt 560.000 Euro.
Die Hafteinlage gemäß Gesellschaftsvertrag wird dagegen mit 10.000 Euro angegeben.
In der Bilanz selbst stehen unter dem Posten Kommanditkapital 17.278,39 Euro.
Diese drei Beträge dürfen nicht miteinander gleichgesetzt werden.
Die Haftsumme im Handelsregister, die gesellschaftsvertragliche Hafteinlage und der bilanzielle Kapitalanteil können unterschiedliche rechtliche beziehungsweise bilanzielle Funktionen besitzen.
Es wäre deshalb falsch, beispielsweise zu behaupten, die Gesellschaft verfüge über 560.000 Euro Eigenkapital.
Das tatsächlich in der Bilanz ausgewiesene Eigenkapital beträgt lediglich 17.278,39 Euro.
Rückstellungen von 125.734 Euro dominieren die Passivseite
Der mit Abstand größte Posten auf der Passivseite sind die Rückstellungen.
Sie belaufen sich auf 125.734,23 Euro.
Das entspricht rund 82,0 Prozent der gesamten Bilanzsumme.
Damit übersteigen die Rückstellungen das Eigenkapital um mehr als das Siebenfache.
Der Anhang erläutert allerdings nicht näher, wofür diese Rückstellungen konkret gebildet wurden.
Es heißt lediglich allgemein, dass alle erkennbaren Risiken und ungewissen Verbindlichkeiten berücksichtigt und mit dem nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung notwendigen Erfüllungsbetrag angesetzt worden seien.
Welche Verpflichtungen hinter den 125.734 Euro stehen, lässt sich aus der veröffentlichten Fassung deshalb nicht bestimmen.
Gerade angesichts ihrer hohen Bedeutung für die Bilanz wäre eine detailliertere Aufschlüsselung für die wirtschaftliche Einordnung hilfreich.
Nur 10.239 Euro Verbindlichkeiten
Ganz anders sieht es bei den klassischen Verbindlichkeiten aus.
Sie betragen lediglich 10.238,59 Euro.
Das sind nur rund 6,7 Prozent der Bilanzsumme.
Damit ist die Gesellschaft bilanziell nur sehr gering mit ausgewiesenen Verbindlichkeiten belastet.
Der Anhang stellt außerdem klar, dass die gesamten 10.238,59 Euro eine Restlaufzeit von bis zu einem Jahr besitzen.
Längerfristige Verbindlichkeiten werden nicht ausgewiesen.
Das bedeutet: Es gibt zum Bilanzstichtag nach dieser Darstellung keine langfristigen bilanziellen Schulden.
Bankguthaben deckt kurzfristige Schulden mehr als siebenfach
Die kurzfristige Liquiditätsrelation fällt entsprechend stark aus.
Den Verbindlichkeiten von 10.238,59 Euro stehen liquide Mittel von 76.382,42 Euro gegenüber.
Das Bank- und Kassenguthaben deckt die gesamten Verbindlichkeiten damit rechnerisch rund 7,5-fach.
Bezieht man zusätzlich die Forderungen ein, steigt die Deckung noch deutlich weiter.
Das gesamte Umlaufvermögen von 127.420,34 Euro entspricht mehr als dem Zwölffachen der gesamten Verbindlichkeiten.
Aus diesen Bilanzrelationen ergibt sich kein Hinweis auf eine akute kurzfristige Liquiditätsknappheit.
Allerdings sollte berücksichtigt werden, dass die hohen Rückstellungen wirtschaftlich ebenfalls zukünftige Belastungen darstellen können.
Sie sind lediglich keine bereits feststehenden Verbindlichkeiten im engeren bilanziellen Sinn.
Rückstellungen sind der entscheidende Unsicherheitsfaktor
Genau deshalb sollte man sich bei diesem Abschluss nicht von den sehr niedrigen Verbindlichkeiten täuschen lassen.
Die Gesellschaft hat zwar nur gut 10.000 Euro klassische Schulden, gleichzeitig aber Rückstellungen von fast 126.000 Euro.
Rückstellungen werden für Verpflichtungen gebildet, deren Höhe oder Zeitpunkt noch nicht endgültig feststeht.
Damit können sie zukünftigen Zahlungsmittelabfluss bedeuten.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht allein, wie hoch die bestehenden Schulden sind.
Entscheidend ist vielmehr, welche konkreten Risiken und Verpflichtungen sich hinter den Rückstellungen verbergen.
Diese Information liefert die veröffentlichte Fassung nicht.
Keine Gesellschafterforderungen und keine Gesellschafterschulden
Eine weitere klare Aussage enthält der Anhang zu den Beziehungen mit den Gesellschaftern.
Zum Bilanzstichtag bestanden weder Forderungen noch Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern.
Damit gibt es zumindest in dieser Bilanz keine ausgewiesenen Gesellschafterdarlehen oder offenen Forderungen an die Eigentümer.
Das unterscheidet die Gesellschaft von zahlreichen anderen Projektgesellschaften, bei denen Gesellschafterfinanzierungen oder konzerninterne Forderungen einen erheblichen Teil der Bilanz ausmachen.
Keine Mitarbeiter
Die ENOVA Windpark Ostbevern GmbH & Co. KG beschäftigte im Geschäftsjahr 2024 im Durchschnitt keine Arbeitnehmer.
Auch das ist für eine reine Windpark-Projektgesellschaft nicht ungewöhnlich.
Technische Betriebsführung, Wartung, Verwaltung und kaufmännische Tätigkeiten können durch externe Dienstleister oder verbundene Gesellschaften erbracht werden.
Der Abschluss selbst macht hierzu allerdings keine detaillierten Angaben.
Geschäftsführung durch ENOVA Value Verwaltungs GmbH
Die Geschäftsführung erfolgt durch die ENOVA Value Verwaltungs GmbH.
Vertreten wird sie laut Anhang durch Hauke Sebastian Brümmer und Björn Burau.
Der Sitz der Gesellschaft befindet sich in Bunde-Bunderhee. Eingetragen ist die Kommanditgesellschaft beim Amtsgericht Aurich unter HRA 204059.
Warum kein Gewinn ausgewiesen wird
Der Bilanzgewinn beziehungsweise Bilanzverlust beträgt zum Jahresende 0 Euro.
Daraus darf allerdings nicht geschlossen werden, dass die Gesellschaft im Geschäftsjahr exakt weder Gewinn noch Verlust erwirtschaftet hat.
Der veröffentlichte Abschluss enthält keine vollständige Gewinn- und Verlustrechnung mit einem konkreten Jahresüberschuss oder Jahresfehlbetrag.
Die Gesellschaft erklärt zwar, dass eine Gewinn- und Verlustrechnung nach dem Gesamtkostenverfahren erstellt wurde, veröffentlicht wird hier aber nur die verkürzte Bilanz samt Anhang.
Ein Bilanzgewinn von null kann auch daraus resultieren, dass ein Jahresergebnis bereits auf Kapitalkonten verrechnet oder anderweitig verwendet wurde.
Deshalb lässt sich aus der vorliegenden Veröffentlichung kein belastbarer Jahresgewinn 2024 ableiten.
Vorjahresvergleich fehlt
Ein weiterer Unterschied zu vielen anderen veröffentlichten Jahresabschlüssen ist das Fehlen von Vorjahreszahlen in der Bilanz.
Für den 31. Dezember 2024 werden zwar die aktuellen Bilanzwerte angegeben, Vergleichszahlen für Ende 2023 fehlen jedoch.
Damit lässt sich aus der veröffentlichten Fassung nicht beurteilen, wie stark sich Bankguthaben, Eigenkapital, Rückstellungen oder Verbindlichkeiten im Jahresvergleich verändert haben.
Eine Aussage wie „Schulden stark gesunken“ oder „Liquidität deutlich gestiegen“ wäre deshalb nicht belegbar.
Der Abschluss erlaubt lediglich eine Analyse der Bilanzstruktur zum Stichtag 31. Dezember 2024.
Eine Gesellschaft mit ungewöhnlich wenig Anlagevermögen
Insgesamt wirkt der Jahresabschluss der ENOVA Windpark Ostbevern GmbH & Co. KG ungewöhnlich.
Bei einer Bilanzsumme von rund 153.000 Euro stehen nur noch 12.757 Euro Sachanlagen in den Büchern.
Demgegenüber verfügt die Gesellschaft über rund 76.000 Euro liquide Mittel und weitere 51.000 Euro Forderungen.
Die klassischen Verbindlichkeiten sind mit gut 10.000 Euro ausgesprochen niedrig.
Die eigentliche Belastung steckt jedoch in den 125.734 Euro Rückstellungen, die mehr als 82 Prozent der Bilanzsumme ausmachen.
Das Eigenkapital beträgt lediglich 17.278 Euro.
Damit ergibt sich kein Bild hoher klassischer Verschuldung, wohl aber eines äußerst kleinen bilanziellen Eigenkapitalpolsters.
Der entscheidende Punkt steckt nicht bei den Schulden
Der Abschluss zeigt deshalb ein anderes Risikoprofil als viele hoch fremdfinanzierte Windparkgesellschaften.
Nicht Millionenverbindlichkeiten sind hier das zentrale Thema.
Im Gegenteil: Die ausgewiesenen Schulden sind gering und durch die vorhandenen liquiden Mittel mehrfach gedeckt.
Auffällig sind vielmehr die extrem niedrigen Sachanlagen, das geringe Eigenkapital und insbesondere die sehr hohen Rückstellungen.
Die zentrale Botschaft lautet damit:
ENOVA Windpark Ostbevern hat Ende 2024 kaum noch klassische Schulden und verfügt über deutlich mehr Liquidität als kurzfristige Verbindlichkeiten. Gleichzeitig stehen nur noch 12.757 Euro Sachanlagen in der Bilanz und Rückstellungen von fast 126.000 Euro dominieren die Passivseite.
Für eine abschließende wirtschaftliche Bewertung fehlt allerdings eine entscheidende Information: Der veröffentlichte Anhang erklärt nicht, wofür diese hohen Rückstellungen konkret gebildet wurden.
Gerade diese Position dürfte deshalb der wichtigste Schlüssel sein, um die tatsächliche wirtschaftliche Lage der Gesellschaft besser zu verstehen.