Die EnBW Windpark Buchholz III GmbH hat das Geschäftsjahr 2025 mit einer deutlichen Ergebnisverbesserung abgeschlossen. Nach einem Jahresfehlbetrag von 88.547 Euro im Jahr 2024 weist die Windparkgesellschaft für 2025 einen Jahresüberschuss von 171.605 Euro aus. Auch operativ gelang die Rückkehr in die schwarzen Zahlen: Das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit verbesserte sich von minus 103.458 Euro auf plus 265.625 Euro.
Auf den ersten Blick ist das eine erfreuliche Entwicklung. Bei genauerer Betrachtung zeigt der Jahresabschluss jedoch eine Besonderheit, die für die Bewertung entscheidend ist: Ein erheblicher Teil der Ergebnisverbesserung hängt mit einer geänderten Abschreibungsdauer der Windkraftanlagen zusammen. Gleichzeitig wurde die Kapitalrücklage um 1,8 Millionen Euro reduziert. Die Bilanzsumme schrumpfte um mehr als 1,5 Millionen Euro.
Die Gesellschaft gehört zum EnBW-Umfeld und wird vollständig in den Konzernabschluss der EnBW AG einbezogen. Im EnBW-Jahresabschluss 2025 wird für Buchholz III ein Eigenkapital von rund 14,245 Millionen Euro und ein Ergebnis von rund 172.000 Euro ausgewiesen. Der vorliegende Einzelabschluss bestätigt diese Werte detailliert.
Vom Verlust in den Gewinn
Die wichtigste Nachricht steht in der Gewinn- und Verlustrechnung. 2024 hatte Buchholz III noch einen Verlust von 88.547 Euro ausgewiesen. Ein Jahr später steht ein Überschuss von 171.604,96 Euro in den Büchern. Die Ergebnisverbesserung beträgt damit rund 260.152 Euro.
Auch das operative Bild hat sich erheblich aufgehellt. Das Rohergebnis ging zwar von 1,833 Millionen Euro auf 1,745 Millionen Euro zurück – ein Minus von rund 4,8 Prozent. Trotzdem sprang das betriebliche Ergebnis von minus 103.458 Euro auf plus 265.625 Euro.
Wie kann das gelingen, obwohl das Rohergebnis zurückgeht?
Die Antwort findet sich vor allem bei den Abschreibungen.
Entscheidender Effekt: Windräder werden jetzt über 20 statt 16 Jahre abgeschrieben
2025 ließ die Gesellschaft die Restlebensdauer des Onshore-Windparks gutachterlich untersuchen. Auf dieser Grundlage wurde die zugrunde gelegte Nutzungsdauer der Windkraftanlagen, Parkverkabelung und Umspannstation von bisher 16 auf 20 Jahre verlängert. Der Abschluss weist ausdrücklich darauf hin, dass 2025 deshalb nur eingeschränkt mit dem Vorjahr vergleichbar ist.
Die Konsequenz ist erheblich: Die planmäßigen Abschreibungen sanken von 1,465 Millionen Euro auf 1,073 Millionen Euro. Allein die Anpassung der Nutzungsdauer reduzierte die Abschreibungen laut Unternehmen um 391.867,63 Euro.
Das ist für die kritische Interpretation des Jahresüberschusses zentral.
Ohne diesen Effekt wäre das Ergebnis rechnerisch deutlich schwächer ausgefallen. Vereinfacht man die Betrachtung und schlägt die zusätzliche Abschreibungsentlastung von rund 391.868 Euro wieder auf den Aufwand, würde das ausgewiesene Ergebnis vor Steuern erheblich niedriger beziehungsweise negativ ausfallen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass der Jahresabschluss künstlich oder unzulässig verbessert wurde. Eine längere Nutzungsdauer kann bilanziell sachgerecht sein, wenn die technische Restlebensdauer dies tatsächlich rechtfertigt – und genau dafür verweist die Gesellschaft auf ein Gutachten.
Für die wirtschaftliche Analyse bedeutet es aber: Die Gewinnwende 2025 ist zu einem erheblichen Teil von einer geänderten bilanziellen Schätzung beeinflusst.
Operativ trotzdem nicht alles nur Bilanztechnik
Ganz auf die Abschreibungsänderung lässt sich die Verbesserung allerdings ebenfalls nicht reduzieren.
Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen gingen von 471.502 Euro auf 406.883 Euro zurück. Das entspricht einer Entlastung um knapp 64.619 Euro beziehungsweise rund 13,7 Prozent.
Demgegenüber verschlechterte sich das Finanzergebnis. Nach einem positiven Beitrag von 5.599 Euro im Vorjahr entstand 2025 ein Minus von 8.034 Euro. Die Zinserträge lagen bei 9.294 Euro, während Zins- und ähnliche Aufwendungen auf 17.328 Euro zunahmen.
Unter dem Strich verbleiben nach Steuern die genannten 171.605 Euro Gewinn.
Bilanz schrumpft um mehr als 1,5 Millionen Euro
Während die Ertragslage besser aussieht, wird die Bilanz deutlich kleiner.
Die Bilanzsumme sank von 16,332 Millionen Euro auf 14,808 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang um rund 1,524 Millionen Euro beziehungsweise 9,3 Prozent.
Das Anlagevermögen reduzierte sich von 14,277 Millionen auf 13,208 Millionen Euro. Der Rückgang um rund 1,069 Millionen Euro beziehungsweise 7,5 Prozent ist bei einem bestehenden Windpark zunächst nicht ungewöhnlich: Windkraftanlagen werden über ihre Nutzungsdauer planmäßig abgeschrieben.
Auch das Umlaufvermögen ging zurück – von rund 2,048 Millionen auf 1,588 Millionen Euro.
Auffällig ist dabei vor allem die Entwicklung der Forderungen. Sie halbierten sich beinahe von 849.789 Euro auf 442.553 Euro. Die Bankguthaben blieben dagegen vergleichsweise stabil: Sie sanken lediglich von 1,198 Millionen auf 1,146 Millionen Euro.
Von einem Liquiditätseinbruch kann deshalb keine Rede sein.
Nahezu schuldenfrei – eine außergewöhnlich starke Bilanzstruktur
Besonders bemerkenswert ist die Passivseite.
Zum Jahresende weist Buchholz III lediglich 7.049,92 Euro Verbindlichkeiten aus. Sämtliche Verbindlichkeiten haben eine Restlaufzeit von höchstens einem Jahr. Bankkredite oder langfristige Finanzverbindlichkeiten werden in diesem Verbindlichkeitenspiegel nicht ausgewiesen.
Dem stehen Bankguthaben von 1,146 Millionen Euro gegenüber.
Rein bilanziell verfügt die Gesellschaft damit über ein sehr komfortables Verhältnis von kurzfristig verfügbaren Finanzmitteln zu ausgewiesenen Verbindlichkeiten.
Hinzu kommen Rückstellungen von 555.919 Euro, nachdem es im Vorjahr 456.076 Euro gewesen waren.
Die Rückstellungen dürfen allerdings nicht ignoriert werden. Ein Teil steht im Zusammenhang mit dem späteren Rückbau der Anlagen. Die erwarteten Rückbaukosten werden über die Nutzungsdauer angesammelt; dabei kalkuliert die Gesellschaft mit zukünftigen Preissteigerungen von 2,0 bis 2,3 Prozent.
Eigenkapital sinkt trotz Gewinn um 1,63 Millionen Euro
Auf den ersten Blick überraschend ist die Entwicklung des Eigenkapitals.
Obwohl Buchholz III 2025 einen Gewinn erwirtschaftete, sank das Eigenkapital von 15,874 Millionen Euro auf 14,245 Millionen Euro – also um rund 1,628 Millionen Euro beziehungsweise 10,3 Prozent.
Der entscheidende Grund liegt nicht im operativen Geschäft.
Die Kapitalrücklage wurde von 15,932 Millionen auf 14,132 Millionen Euro reduziert. Das ist exakt ein Rückgang von 1,8 Millionen Euro.
Dieser Vorgang ist für die Analyse wesentlich. Er erklärt, warum das Eigenkapital trotz Jahresgewinn deutlich sinkt.
Dabei sollte man jedoch nicht automatisch von einem Verlust oder einer wirtschaftlichen Schwächung durch das operative Geschäft sprechen. Eine Reduzierung der Kapitalrücklage ist eine Eigenkapitaltransaktion und etwas anderes als ein laufender Betriebsverlust.
Aus dem vorliegenden Abschluss geht an dieser Stelle nicht hinreichend hervor, wofür beziehungsweise in welcher konkreten Form die 1,8 Millionen Euro verwendet wurden. Deshalb wäre es nicht seriös, daraus ohne weitere Unterlagen eine Ausschüttung an die Gesellschafter abzuleiten.
Eigenkapitalquote bleibt extrem hoch
Trotz dieses Rückgangs ist die Kapitalausstattung außergewöhnlich komfortabel.
Bei einem Eigenkapital von 14,245 Millionen Euro und einer Bilanzsumme von 14,808 Millionen Euro beträgt die rechnerische Eigenkapitalquote rund 96,2 Prozent.
Im Vorjahr lag sie sogar bei ungefähr 97,2 Prozent.
Das bedeutet: Praktisch die gesamte Bilanz ist weiterhin durch Eigenkapital finanziert.
Von einer angespannten klassischen Verschuldungssituation kann anhand dieses Abschlusses deshalb keine Rede sein. Im Gegenteil: Die Gesellschaft verfügt bilanziell über eine ausgesprochen hohe Eigenkapitalbasis und nur minimale ausgewiesene Verbindlichkeiten.
Aber 7,1 Millionen Euro Verpflichtungen stehen außerhalb der Bilanz
Eine Zahl verdient dennoch besondere Aufmerksamkeit.
Die Gesellschaft weist sonstige finanzielle Verpflichtungen von insgesamt 7,122 Millionen Euro aus. Davon entfallen rund 3,915 Millionen Euro auf verbundene Unternehmen.
Im Wesentlichen setzen sich diese Verpflichtungen aus zwei Bereichen zusammen: Rund 3,915 Millionen Euro betreffen einen Service- und Managementvertrag mit der EnBW Erneuerbare Operation & Service GmbH (EOS). Weitere rund 3,207 Millionen Euro stammen aus mehrjährigen Miet- und Pachtverträgen.
Diese 7,1 Millionen Euro sind keine bilanzierten Schulden zum Stichtag und dürfen deshalb nicht einfach zu den Verbindlichkeiten addiert werden.
Für die wirtschaftliche Betrachtung sind sie trotzdem relevant. Sie zeigen, dass die Gesellschaft langfristige vertragliche Zahlungsverpflichtungen besitzt, obwohl die eigentliche Bilanz nahezu schuldenfrei aussieht.
Allein für Instandhaltung und Betriebsführung sowie weitere Leistungen aus dem Service- und Managementvertrag mit EOS wurden 2025 394.012,81 Euro aufgewendet.
Vom Gewinn bleibt nach Verlustvortrag deutlich weniger übrig
Auch bei der Ergebnisverwendung lohnt der zweite Blick.
Von den 171.604,96 Euro Jahresüberschuss musste zunächst der Verlustvortrag des Vorjahres von 88.547,27 Euro berücksichtigt werden.
Damit verblieb ein Bilanzgewinn von 83.057,69 Euro.
Die Gesellschafterversammlung beschloss, diesen Betrag vollständig auszuschütten. Die Ausschüttung erfolgte laut Abschluss am 30. Juni 2026.
Damit wird der 2025 erwirtschaftete Gewinn wirtschaftlich in zwei Teile zerlegt: Rund 88.500 Euro kompensieren zunächst den Verlust aus 2024, die verbleibenden rund 83.100 Euro werden ausgeschüttet.
Kritisches Fazit: Solide Bilanz, aber Gewinnsprung braucht Erklärung
Der Jahresabschluss 2025 der EnBW Windpark Buchholz III GmbH vermittelt insgesamt kein Bild finanzieller Bedrängnis. Im Gegenteil: Eine Eigenkapitalquote von rund 96 Prozent, mehr als 1,1 Millionen Euro Bankguthaben und nur rund 7.000 Euro ausgewiesene Verbindlichkeiten sprechen für eine ausgesprochen robuste Bilanzstruktur.
Auch die Rückkehr in die Gewinnzone ist zunächst positiv.
Trotzdem sollte der Überschuss von 171.605 Euro nicht isoliert betrachtet werden. Das Rohergebnis ging um knapp fünf Prozent zurück. Gleichzeitig sank der Abschreibungsaufwand um fast 392.000 Euro, weil die angenommene Nutzungsdauer der wesentlichen Windparkkomponenten von 16 auf 20 Jahre verlängert wurde. Diese Änderung hat das Jahresergebnis erheblich begünstigt. Die Gesellschaft weist selbst ausdrücklich darauf hin, dass das Berichtsjahr deshalb mit 2024 nur eingeschränkt vergleichbar ist.
Gleichzeitig wurde die Kapitalrücklage um 1,8 Millionen Euro reduziert und das Eigenkapital sank dadurch trotz Gewinn um mehr als zehn Prozent. Das ist erklärungsbedürftig, aber aufgrund der weiterhin sehr hohen Eigenkapitalquote zunächst kein Hinweis auf eine finanzielle Schieflage.
Die interessantere Frage für die kommenden Jahre lautet daher nicht, ob Buchholz III aktuell ausreichend finanziert ist. Das erscheint anhand der Bilanz kaum zweifelhaft. Entscheidend wird sein, welche operative Ertragskraft der Windpark ohne den einmaligen Ergebniseffekt aus der verlängerten Abschreibungsdauer erreicht.
Genau daran wird sich zeigen, wie nachhaltig die Gewinnwende von 2025 tatsächlich ist.