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Balkonkraftwerk verändert den Alltag: Drei von vier Besitzern richten Stromverbrauch nach der Sonne

Franz26 (CC0), Pixabay

Ein Balkonkraftwerk soll vor allem die Stromrechnung drücken. Doch offenbar verändert die kleine Solaranlage auch das Verhalten ihrer Besitzer. Eine Untersuchung der Universität Leiden zeigt: 75 Prozent der Befragten passen ihren Stromverbrauch häufiger an die eigene Solarstromproduktion an.

Statt Waschmaschine, Geschirrspüler oder Ladegeräte irgendwann einzuschalten, werden sie häufiger dann genutzt, wenn die Sonne scheint und die Solarmodule besonders viel Energie liefern. Dadurch steigt der Anteil des selbst erzeugten Stroms, der direkt im Haushalt verbraucht wird.

Mehr als die Hälfte will insgesamt weniger Strom verbrauchen

Noch bemerkenswerter ist ein zweites Ergebnis: 55 Prozent der knapp 300 befragten Betreiber von Steckersolaranlagen gaben an, ihren gesamten Stromverbrauch reduziert zu haben.

Allerdings handelt es sich dabei um Selbstauskünfte. Die Untersuchung hat nicht anhand tatsächlicher Verbrauchsdaten überprüft, ob der Stromverbrauch tatsächlich entsprechend gesunken ist.

Dennoch deutet die Studie darauf hin, dass eine eigene Solaranlage den Blick auf Energie verändert. Rund die Hälfte der Befragten kontrolliert mindestens einmal täglich, wie viel Strom die Anlage produziert. 43 Prozent berichten von einem gestiegenen Energiebewusstsein.

Plötzlich sieht man, wann der eigene Strom entsteht

Ein Grund könnte die unmittelbare Rückmeldung sein. Normalerweise bleibt Strom für Verbraucher weitgehend unsichtbar – erst mit der Jahresabrechnung wird deutlich, wie viel verbraucht wurde.

Bei einem Balkonkraftwerk lässt sich dagegen über Wechselrichter und App verfolgen, wie stark die Module gerade produzieren. Damit wird schnell sichtbar, dass beispielsweise das Laden eines E-Bikes oder der Betrieb der Waschmaschine mittags günstiger sein kann als am Abend.

Dabei wird durch das Verschieben des Verbrauchs allein allerdings keine Energie eingespart. Die Waschmaschine benötigt dieselbe Strommenge. Es stammt lediglich ein größerer Anteil davon direkt vom eigenen Dach oder Balkon, anstatt aus dem öffentlichen Netz.

Aus Stromkunden werden kleine Stromproduzenten

Die Untersuchung betrachtete außerdem die sogenannte Selbstwirksamkeit – also das Gefühl, mit dem eigenen Verhalten tatsächlich etwas bewirken zu können. Hier erreichten die Teilnehmer durchschnittlich 4,38 von fünf möglichen Punkten. Viele erklärten zudem, stolz auf ihren selbst erzeugten Solarstrom zu sein.

Das könnte ein bislang weniger beachteter Effekt des Balkonkraftwerk-Booms sein: Die Anlagen erzeugen nicht nur Strom, sondern machen Energieverbrauch für Haushalte erstmals unmittelbar sichtbar.

Studie hat allerdings einen Haken

Die Ergebnisse sollten nicht überbewertet werden. Die knapp 300 Teilnehmer wurden überwiegend über Solarforen und Facebook-Gruppen gewonnen. Sie dürften sich daher schon vor der Befragung stärker für Energie und Photovoltaik interessiert haben als der Durchschnitt.

Außerdem gab es keine Vergleichsgruppe aus Haushalten ohne Balkonkraftwerk. Die Studie kann deshalb nicht eindeutig beweisen, dass allein die Installation der Solaranlage für die Verhaltensänderungen verantwortlich ist.

Trotzdem ist das Ergebnis bemerkenswert: Für viele Besitzer scheint ein Balkonkraftwerk nicht einfach nur ein kleines Kraftwerk zu sein – sondern auch eine Art Echtzeit-Anzeige dafür, wie und wann sie Energie verbrauchen.

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