Der jetzt veröffentlichte Jahresabschluss 2025 der Windpark Neufeld Kattrepel GmbH & Co. KG liefert Anlegern ein gemischtes Bild: Der Bürgerwindpark schreibt weiterhin schwarze Zahlen und bezeichnet seine wirtschaftliche Lage selbst als stabil. Gleichzeitig ist der Jahresüberschuss innerhalb eines Jahres um 58 Prozent eingebrochen. Und für 2026 zeichnet sich bereits das nächste Problem ab: In den ersten sechs Monaten blieb das Windangebot deutlich hinter den Erwartungen zurück.
Die Gesellschaft wurde 2021 gegründet und betreibt vier Windenergieanlagen vom Typ Enercon E-115 EP3 E3 mit insgesamt 14,38 Megawatt Leistung. An der Gesellschaft sind inzwischen 176 Kommanditisten beteiligt. Die Kommanditeinlagen belaufen sich auf zwei Millionen Euro.
646.489 Euro Gewinn – aber 58 Prozent weniger
Die vielleicht wichtigste Zahl für Anleger findet sich in der Gewinn- und Verlustrechnung.
2025 erzielte der Windpark einen Jahresüberschuss von 646.489 Euro. Im Jahr zuvor waren es noch 1,539 Millionen Euro. Das Ergebnis hat sich damit mehr als halbiert.
Der Rückgang kommt allerdings nicht völlig überraschend. Die Geschäftsführung hatte für 2025 lediglich einen Gewinn zwischen 600.000 und 750.000 Euro erwartet. Mit 646.489 Euro liegt das tatsächliche Ergebnis innerhalb dieser Prognose.
Das relativiert den Gewinneinbruch: Gegenüber dem außergewöhnlich starken Vorjahr ist das Ergebnis deutlich schwächer – gegenüber der eigenen Planung liegt der Windpark dagegen im Soll.
Das eigentliche Problem war der Wind
Die vier Anlagen sollten ursprünglich jährlich 36,22 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren.
2025 waren es tatsächlich rund 35,15 Millionen Kilowattstunden. Damit blieb die Stromproduktion etwa drei Prozent unter der ursprünglichen Prognose. Als Ursache nennt die Gesellschaft insbesondere das außergewöhnlich windschwache Frühjahr. Die technische Verfügbarkeit der Anlagen lag dagegen bei hohen 97,87 Prozent.
Das ist ein wichtiger Unterschied: Den Angaben zufolge waren nicht in erster Linie technische Ausfälle das Problem, sondern schlicht zu wenig Wind.
Die schlechte Nachricht: 2026 startet noch schwächer
Für Anleger besonders interessant ist der Blick über den Bilanzstichtag hinaus.
Im ersten Halbjahr 2026 lag das Windangebot am Standort laut Lagebericht erneut deutlich unter dem Durchschnitt der Vorjahre. Die anteilige Sollproduktion wurde sogar um etwa elf Prozent unterschritten.
Damit könnte sich das zentrale Problem aus 2025 im laufenden Geschäftsjahr fortsetzen.
Trotzdem erwartet die Geschäftsführung für 2026 weiterhin einen Jahresüberschuss zwischen 600.000 und 750.000 Euro. Dabei geht sie bereits davon aus, dass die ursprünglich kalkulierte Jahresproduktion von 36,22 Millionen Kilowattstunden wegen des windschwachen Jahresauftakts nicht erreicht wird.
15,8 Millionen Euro Schulden – Bankdarlehen werden planmäßig getilgt
Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Finanzierung.
Zum Jahresende standen 15,835 Millionen Euro Verbindlichkeiten in der Bilanz. Ein Jahr zuvor waren es noch 17,895 Millionen Euro. Die Schulden wurden damit innerhalb eines Jahres um rund 2,06 Millionen Euro beziehungsweise 11,5 Prozent reduziert.
Allein die Bankverbindlichkeiten gingen von 16,31 Millionen auf 14,98 Millionen Euro zurück. Gleichzeitig reduzierten sich die Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern von rund 1,16 Millionen auf 796.380 Euro.
Die Gesellschaft selbst bezeichnet ihre Finanzlage als „solide und stabil“. Die Zahlungsbereitschaft sei sichergestellt und das Darlehen zur Finanzierung der Windenergieanlagen werde planmäßig zurückgeführt.
Interessant: Finanzierung zu nur 1,47 Prozent
Bemerkenswert sind die Konditionen der Fremdfinanzierung.
Die Darlehen wurden 2022 zu einem Zinssatz von lediglich 1,47 Prozent pro Jahr aufgenommen. Sie laufen über 16 Jahre und besitzen eine zehnjährige Festzinsbindung. Das Zinsänderungsrisiko nach Ablauf dieser Bindung wurde zusätzlich über einen Zinsswap abgesichert. Die vollständige Rückzahlung ist planmäßig für 2038 vorgesehen.
Der Abschluss nennt für den Zinsswap einen Nominalbetrag von rund 8 Millionen Euro und einen positiven Marktwert von 28.522 Euro zum Jahresende 2025.
EEG-Vergütung bildet Sicherheitsnetz
Ein wichtiger Stabilitätsfaktor ist die Stromvergütung.
Der Windpark verfügte 2025 über einen EEG-Vergütungssatz von 6,58 Cent je Kilowattstunde und vermarktet seinen Strom direkt. Liegt der erzielte Preis darunter, erhält die Gesellschaft nach ihrer Darstellung die entsprechende Differenz vom Netzbetreiber. Liegt der Marktwert darüber, können zusätzliche Erlöse entstehen.
2025 lagen die Monatsmarktwerte in acht Monaten über den 6,58 Cent. Auch im ersten Halbjahr 2026 lagen sie – mit Ausnahme des Aprils – über dem festgesetzten EEG-Vergütungssatz.
Das federt zumindest einen Teil des Produktionsrisikos ab: Weniger Wind bedeutet zwar weniger verkaufte Kilowattstunden, die Preisbasis für den tatsächlich produzierten Strom besitzt jedoch eine gewisse Absicherung.
Eigenkapitalquote verbessert sich
Trotz des niedrigeren Gewinns hat sich eine wichtige Bilanzkennzahl verbessert.
Die Eigenkapitalquote stieg nach Angaben der Geschäftsführung von 9,82 auf 10,92 Prozent. Die Bilanzsumme sank gleichzeitig von 20,37 Millionen auf 18,31 Millionen Euro.
Das Eigenkapital selbst beträgt zwei Millionen Euro.
Auch die Liquidität bleibt beachtlich: Zum Jahresende verfügte die Gesellschaft über 1,316 Millionen Euro Bankguthaben. Hinzu kamen rund 675.600 Euro Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände.
Prüfer erteilt uneingeschränkten Bestätigungsvermerk
Für Anleger ebenfalls relevant: Der Jahresabschluss und der Lagebericht wurden geprüft. Der unabhängige Abschlussprüfer erteilte einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk.
Die Geschäftsführung erklärt außerdem ausdrücklich, dass ihr derzeit keine Risiken bekannt sind, die den Fortbestand des Unternehmens gefährden.
Was Anleger jetzt im Blick behalten sollten
Der Abschluss zeigt damit keinen Windpark in einer akuten finanziellen Krise. Im Gegenteil: Die Gesellschaft erwirtschaftet weiterhin einen sechsstelligen Gewinn, reduziert ihre Bankverbindlichkeiten planmäßig und verfügt über mehr als eine Million Euro Bankguthaben.
Der 58-prozentige Gewinnrückgang ist dennoch erheblich.
Noch interessanter dürfte für die 176 Kommanditisten aber das Jahr 2026 werden. Denn die Produktion lag bereits im ersten Halbjahr rund elf Prozent unter dem anteiligen Soll. Sollte sich das Winddefizit fortsetzen, könnte die von der Geschäftsführung erwartete Gewinnspanne von 600.000 bis 750.000 Euro zunehmend anspruchsvoll werden.
Hinzu kommen langfristige Risiken: Die Gesellschaft nennt mögliche Änderungen der EEG-Förderung, Netzengpässe und Abregelungen sowie potenzielle zusätzliche Kosten für Anlagenbetreiber ausdrücklich als Faktoren, die die Wirtschaftlichkeit beeinträchtigen könnten.