Es beginnt harmlos. Ein kostenloses Webinar, ein unverbindliches Erstgespräch oder ein vermeintlicher Persönlichkeitstest soll zeigen, welches Potenzial noch im Interessenten steckt.
Dann folgt das eigentliche Verkaufsgespräch.
Nach Beobachtung der Verbraucherzentrale Niedersachsen läuft die Masche bei unseriösen Anbietern häufig ähnlich: Erst wird mit einem kostenlosen Angebot gelockt, anschließend sollen Interessierte möglichst schnell ein kostenpflichtiges Coaching buchen.
Und dabei geht es nicht um ein paar hundert Euro. Mittlere vierstellige Beträge sind nach Angaben der Verbraucherschützer keine Seltenheit.
Mehrere Tausend Euro – und am Ende laufen Videos
Besonders ärgerlich wird es, wenn die versprochene individuelle Betreuung ausbleibt.
Betroffene berichten der Verbraucherzentrale demnach immer wieder, dass sie nach Vertragsabschluss vor allem Zugriff auf aufgezeichnete Videos erhalten hätten – statt der erwarteten persönlichen Beratung.
Genau deshalb lohnt sich vor der Buchung ein Blick ins Kleingedruckte. Was bekommt der Kunde tatsächlich für sein Geld? Wie viele persönliche Gespräche sind garantiert? Handelt es sich um Einzeltermine oder Gruppensitzungen? Besteht das Programm überwiegend aus Videos und herunterladbaren Unterlagen?
Vage Versprechen wie „mehr Erfolg“, „finanzielle Freiheit“ oder „Entfalte dein volles Potenzial“ sagen wenig darüber aus, welche konkrete Leistung vertraglich geschuldet wird.
„Nur heute“ sollte misstrauisch machen
Ein weiteres Warnzeichen ist Zeitdruck.
Wer mehrere Tausend Euro ausgeben soll, muss sich nicht innerhalb eines Telefonats entscheiden. Besonders skeptisch sollten Interessenten werden, wenn ihnen vermittelt wird, der Preis gelte nur jetzt oder der letzte Platz müsse sofort vergeben werden.
Auch Coaches, die sich gleichzeitig als Experten für Karriere, Beziehungen, Persönlichkeitsentwicklung und zahlreiche weitere Lebensprobleme präsentieren, sollten Verbraucher nach Empfehlung der Verbraucherzentrale kritisch hinterfragen.
Ein seriöses Angebot sollte sich auch nach einer Nacht Bedenkzeit noch prüfen und abschließen lassen.
Ein Klick – und das Widerrufsrecht soll weg sein?
Besonders heikel ist eine weitere Praxis, vor der die Verbraucherzentrale warnt.
Manche Anbieter stellen unmittelbar nach Vertragsschluss digitale Inhalte zur Verfügung und argumentieren anschließend, dadurch sei das 14-tägige Widerrufsrecht bereits erloschen.
Teilweise sollen Kunden dazu lediglich eine Auswahlbox anklicken.
Doch nur weil ein Anbieter behauptet, ein Widerruf sei nicht mehr möglich, muss das rechtlich noch lange nicht stimmen. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass solche Konstruktionen rechtswidrig sein können. Eine rechtliche Prüfung kann sich deshalb gerade bei Verträgen über mehrere Tausend Euro lohnen.
Vertrag schon unterschrieben? Nicht vorschnell zahlen oder aufgeben
Wer erst nach Vertragsabschluss Zweifel bekommt, sollte zunächst alles sichern: Werbung, Screenshots, E-Mails und Chatnachrichten ebenso wie Vertragsunterlagen, Rechnungen und Beschreibungen der versprochenen Leistungen.
Anschließend lässt sich prüfen, ob der Vertrag widerrufen oder auf andere Weise beendet werden kann.
Vor allem sollten Betroffene sich nicht allein davon abschrecken lassen, dass der Anbieter erklärt, ein Widerruf oder Ausstieg sei grundsätzlich ausgeschlossen.
Der kostenlose Einstieg kann der teuerste Teil sein
Coaching an sich ist nicht unseriös. Problematisch wird es dort, wo große Versprechen, hoher Verkaufsdruck und unklare Leistungen zusammenkommen.
Die wichtigste Frage sollte deshalb vor dem Abschluss gestellt werden:
Was bekomme ich für meine mehreren Tausend Euro tatsächlich?
Kann der Anbieter darauf keine klare Antwort geben oder soll die Entscheidung möglichst noch während des Gesprächs fallen, ist Zurückhaltung angebracht.