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ALFABE institut GmbH in Köln: Insolvenzantrag mangels Masse abgewiesen

Mohamed_hassan (CC0), Pixabay

Das Insolvenzverfahren über die ALFABE institut GmbH in Köln kommt nicht zur Eröffnung. Das Amtsgericht Köln hat den Insolvenzantrag einer Gläubigerin mit Beschluss vom 19. August 2026 mangels Masse abgewiesen. Gleichzeitig wurden die zuvor angeordneten Sicherungsmaßnahmen aufgehoben.

Das Verfahren wurde beim Amtsgericht Köln unter dem Aktenzeichen 70a IN 46/26 geführt. Firmensitz der ALFABE institut GmbH ist die Christophstraße 40, 50670 Köln. Die Gesellschaft ist beim Amtsgericht Köln unter HRB 115174 eingetragen.

Als Geschäftsführer sind Gürcan Hatir und Mehmet Topsakal eingetragen. Beide gehören der Geschäftsführung seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 2023 an. Das Stammkapital beträgt 25.000 Euro.

Gläubigerin hatte Insolvenzantrag gestellt

Anders als bei einem Eigenantrag der Geschäftsführung ging das Insolvenzverfahren gegen die ALFABE institut GmbH auf die Initiative einer Gläubigerin zurück.

Der Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens war am 11. Februar 2026 beim Amtsgericht Köln eingegangen und datierte vom 9. Februar 2026. Im weiteren Verlauf hatte das Gericht am 8. Mai 2026 Sicherungsmaßnahmen angeordnet.

Zu einer Eröffnung des eigentlichen Insolvenzverfahrens kommt es nun jedoch nicht. Das Amtsgericht Köln wies den Antrag am 19. August 2026 mangels Masse ab.

Eine Abweisung mangels Masse bedeutet, dass nach Einschätzung des Insolvenzgerichts das vorhandene Vermögen voraussichtlich nicht einmal ausreicht, um die Kosten eines regulären Insolvenzverfahrens zu decken und auch kein ausreichender Kostenvorschuss geleistet wurde. Das ist für eine GmbH eine besonders einschneidende Entwicklung.

Mit einem weiteren Beschluss vom selben Tag wurden folgerichtig auch die seit Mai bestehenden Sicherungsmaßnahmen aufgehoben.

Therapie und Förderung von Menschen mit Behinderungen

Bei der ALFABE institut GmbH handelt es sich um ein vergleichsweise junges Unternehmen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich.

Die Gesellschaft wurde am 21. Juni 2023 in das Handelsregister eingetragen. Als Unternehmensgegenstand wurde ein Therapie- und Beratungszentrum insbesondere für behinderte Menschen angegeben. Branchenzuordnungen führen das Unternehmen insbesondere in den Bereichen ambulante Betreuung von Menschen mit Behinderungen und soziale Betreuung.

Die tatsächliche Tätigkeit des Instituts war allerdings wesentlich konkreter als diese relativ allgemein gehaltene Registerbeschreibung erkennen lässt.

Das Alfabe Institut präsentierte sich als Förder- und Therapiezentrum insbesondere für Kinder und Familien. Angeboten wurden individuelle Bildungs-, Therapie- und Förderprogramme für Kinder mit Entwicklungsbesonderheiten.

Zu den ausdrücklich beworbenen Angeboten gehörten Sonderpädagogik, Sprach- und Sprechtherapie, Unterstützung bei Lernstörungen sowie psychologische Beratung. Nach eigener Darstellung sollten die einzelnen Fördermaßnahmen individuell auf die Bedürfnisse der Kinder abgestimmt werden.

Förderung bei Dyslexie und Dyskalkulie

Ein besonderer Schwerpunkt lag offenbar auf Kindern mit Lern- und Entwicklungsproblemen.

Das Institut informierte ausführlich über Dyslexie, also Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben, und bot entsprechende Fördermöglichkeiten an. Dabei wurde auf eine frühzeitige Förderung und individuell angepasste Bildungsstrategien gesetzt.

Auch Dyskalkulie gehörte zu den behandelten Themen. Dabei handelt es sich um eine spezifische Lernstörung im mathematischen Bereich. Das Institut bot hierfür ebenfalls Fördermaßnahmen an und beschäftigte sich mit Schwierigkeiten beim Zahlenverständnis, Rechnen und der Verarbeitung mathematischer Zusammenhänge.

Die Angebote richteten sich damit nicht ausschließlich an Menschen mit körperlichen Behinderungen. Der Begriff des Therapie- und Beratungszentrums umfasste vielmehr auch sonderpädagogische Förderung, Entwicklungsbesonderheiten, Lernstörungen sowie die Beratung und Begleitung betroffener Familien.

Institut wurde erst Ende 2024 öffentlich eröffnet

Interessant ist die zeitliche Entwicklung des Unternehmens. Obwohl die GmbH bereits im Juni 2023 gegründet worden war, wurde über die eigentliche Eröffnung des Alfabe Instituts in Köln im Dezember 2024 berichtet.

Das Institut sollte insbesondere Bildungsdiagnostik und sonderpädagogische Leistungen für Kinder mit besonderen Bedürfnissen anbieten. Bei der Eröffnungsveranstaltung waren unter anderem Vertreter des türkischen Generalkonsulats und des türkischen Bildungswesens in Köln sowie weitere Gäste anwesend.

Damit bestand zwischen der Handelsregistereintragung im Juni 2023 und dem öffentlich bekanntgemachten Start des Instituts offenbar eine längere Aufbauphase.

Umso auffälliger ist der zeitliche Abstand zur späteren wirtschaftlichen Krise. Bereits im Februar 2026 stellte eine Gläubigerin den Insolvenzantrag. Damit lagen zwischen der öffentlich bekanntgemachten Eröffnung des Instituts und dem Insolvenzantrag nur rund 14 Monate.

Internetauftritt war weiterhin aktiv

Der Internetauftritt des Alfabe Instituts war zuletzt weiterhin erreichbar. Dort bezeichnete sich die Einrichtung als Bildungszentrum für Kinder und Familien und warb mit wissenschaftlich fundierten sowie individuellen Förderangeboten.

Als Standort wurde ebenfalls die Christophstraße 40 in Köln angegeben. Auch die Handelsregisternummer HRB 115174 der ALFABE institut GmbH wurde auf der Internetseite genannt.

Allerdings fallen auf der Website inzwischen auch sachfremde Blogbeiträge zu Online-Glücksspiel und Casinos auf, die in keinem erkennbaren Zusammenhang mit dem eigentlichen Unternehmenszweck stehen.

Ob diese Inhalte vom Unternehmen selbst eingestellt wurden oder beispielsweise auf eine spätere Veränderung oder Kompromittierung des Internetauftritts zurückzuführen sind, lässt sich anhand der öffentlich verfügbaren Informationen nicht zuverlässig feststellen. Sie sollten deshalb nicht als Beleg für eine Geschäftstätigkeit der ALFABE institut GmbH gewertet werden.

Jahresabschlüsse für 2023 und 2024 veröffentlicht

Für das Unternehmen wurden Jahresabschlüsse für die ersten beiden Geschäftsjahre veröffentlicht. Der Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2023 wurde am 15. Oktober 2024 veröffentlicht. Der Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2024 folgte am 10. Juli 2025.

Aktuelle öffentlich zugängliche Angaben zur Zahl der Beschäftigten oder zum Umsatz des Unternehmens sind dagegen nicht ersichtlich. Auch aus dem Insolvenzbeschluss lässt sich nicht entnehmen, wie viele Mitarbeiter zuletzt für das Therapie- und Beratungszentrum tätig waren.

Abweisung mangels Masse ist einschneidender als bloße Einstellung der Sicherungsmaßnahmen

Die beiden Entscheidungen des Amtsgerichts Köln vom 19. August 2026 müssen im Zusammenhang betrachtet werden.

Zum einen wurden die am 8. Mai 2026 angeordneten Sicherungsmaßnahmen aufgehoben. Für sich genommen könnte eine solche Aufhebung unterschiedliche Ursachen haben und wäre noch kein eindeutiger Hinweis darauf, wie das Insolvenzantragsverfahren ausgegangen ist.

Hier liegt jedoch gleichzeitig die entscheidende zweite gerichtliche Entscheidung vor: Der Antrag der Gläubigerin auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens wurde mangels Masse abgewiesen.

Damit scheiterte die Eröffnung nicht etwa daran, dass der Insolvenzantrag zurückgenommen wurde oder sich die wirtschaftliche Situation des Unternehmens zwischenzeitlich erledigt hätte. Vielmehr reichte nach der gerichtlichen Entscheidung die vorhandene Masse nicht aus, um die Verfahrenskosten zu decken.

Für die ALFABE institut GmbH ist dies von erheblicher Bedeutung. Bei einer GmbH führt eine rechtskräftige Abweisung des Insolvenzantrags mangels Masse grundsätzlich zur Auflösung der Gesellschaft. Anschließend folgen regelmäßig die registerrechtliche Abwicklung und gegebenenfalls die Löschung, sofern kein Gesellschaftsvermögen mehr vorhanden ist.

Damit dürfte die erst 2023 gegründete ALFABE institut GmbH nach nur wenigen Jahren ihres Bestehens vor dem gesellschaftsrechtlichen Ende stehen. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass das eigentliche Förder- und Therapiezentrum offenbar erst Ende 2024 öffentlich seinen Betrieb aufgenommen hatte und bereits Anfang 2026 mit einem Insolvenzantrag einer Gläubigerin konfrontiert war.

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