Die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada beschert dem Weltverband Fifa offenbar Einnahmen in bislang unerreichter Höhe. Nach einem Bericht des britischen „Guardian“ rechnet der Verband für den laufenden Vierjahreszyklus mit Erlösen von rund 15 Milliarden US-Dollar. Damit würde die Fifa nicht nur ihre ursprünglichen Erwartungen deutlich übertreffen, sondern den bisherigen Einnahmerekord regelrecht pulverisieren.
Fifa-Präsident Gianni Infantino soll die mehr als 200 Mitgliedsverbände am Samstag über die stark gestiegenen Einnahmen informiert haben. Ursprünglich hatte der Weltverband für den Zeitraum von 2023 bis 2026 mit rund elf Milliarden Dollar kalkuliert. Später wurde die Prognose bereits auf 13 Milliarden Dollar angehoben. Nun könnte selbst diese Marke noch einmal um etwa zwei Milliarden Dollar übertroffen werden.
Größte Weltmeisterschaft der Geschichte
Die WM 2026 war die erste Endrunde mit 48 statt zuvor 32 Nationalmannschaften. Insgesamt wurden 104 Spiele ausgetragen – 40 mehr als noch bei der Weltmeisterschaft 2022 in Katar.
Durch die Aufstockung konnte die Fifa zusätzliche Übertragungsrechte, Sponsorenpakete, Eintrittskarten und Hospitality-Angebote verkaufen. Zugleich dauerte das Turnier länger und fand in deutlich mehr Stadien und Städten statt als frühere Weltmeisterschaften.
Das neue Format war sportlich nicht unumstritten. Wirtschaftlich erwies sich die Erweiterung jedoch offenbar als großer Erfolg. Mehr Mannschaften bedeuteten mehr Spiele, größere Reichweite und zusätzliche Einnahmemöglichkeiten in Ländern, die zuvor nur selten oder gar nicht an einer Weltmeisterschaft teilgenommen hatten.
Ticketgeschäft übertrifft Erwartungen
Ein wesentlicher Grund für die Rekordeinnahmen soll das äußerst lukrative Ticket- und Hospitality-Geschäft sein. Besonders hochpreisige Karten, VIP-Pakete und der offizielle Weiterverkauf von Eintrittskarten hätten der Fifa erheblich mehr Geld eingebracht als ursprünglich erwartet.
Nach Angaben des „Guardian“ verlangte der Verband auf seiner offiziellen Wiederverkaufsplattform sowohl von Verkäufern als auch von Käufern eine Provision von jeweils 15 Prozent. Damit verdiente die Fifa teilweise mehrfach an derselben Eintrittskarte. Für das Finale waren kurz vor dem Spiel noch VIP-Plätze zu Preisen von bis zu 34.500 Dollar erhältlich.
Die hohen Preise hatten während des Turniers wiederholt Kritik ausgelöst. Viele Anhänger warfen dem Weltverband vor, die Weltmeisterschaft zunehmend zu einem Luxusereignis zu machen, das sich normale Fans kaum noch leisten könnten.
Milliarden aus Medienrechten und Sponsoring
Neben dem Ticketverkauf bilden Fernseh- und Medienrechte traditionell die wichtigste Einnahmequelle der Fifa. Das Turnier wurde weltweit übertragen und erreichte ein Milliardenpublikum.
Hinzu kamen umfangreiche Sponsoren- und Lizenzverträge. Die Fifa konnte das größere Turnierformat nutzen, um mehr Werbepartner einzubinden und bestehende Pakete teurer zu verkaufen. Auch digitale Angebote, Merchandising und kommerzielle Partnerschaften rund um die Austragungsorte trugen zu den gestiegenen Einnahmen bei.
Zum Vergleich: Im Zyklus von 2019 bis 2022, der die Weltmeisterschaft in Katar umfasste, hatte der Weltverband Einnahmen von rund 7,6 Milliarden Dollar erzielt. Die nun erwarteten 15 Milliarden Dollar würden nahezu einer Verdopplung entsprechen.
Infantino stärkt seine Position
Der finanzielle Erfolg dürfte auch die Stellung von Fifa-Präsident Infantino festigen. Der Schweizer ist innerhalb und außerhalb des Fußballs immer wieder umstritten. Solange der Weltverband jedoch immer höhere Einnahmen erzielt und große Summen an die nationalen Verbände ausschütten kann, verfügt Infantino über eine breite Unterstützungsbasis.
Gerade kleinere Fußballverbände sind stark von den Förderprogrammen und Zahlungen der Fifa abhängig. Steigende Einnahmen ermöglichen höhere Zuschüsse für Verbände, Nachwuchsprojekte, Infrastruktur und Wettbewerbe.
Der Weltverband betont regelmäßig, dass ein großer Teil seiner Einnahmen wieder in den internationalen Fußball investiert werde. Kritiker fordern allerdings mehr Transparenz darüber, wie die Milliarden verteilt werden und welche Kosten bei der Organisation der immer größeren Turniere entstehen.
Gastgeber tragen erhebliche Kosten
Während die Fifa finanziell von der Weltmeisterschaft profitiert, fällt die Bilanz für die Gastgeberstädte teilweise weniger eindeutig aus. Die Austragungsorte mussten erhebliche Summen für Sicherheit, Verkehr, Infrastruktur und Fanveranstaltungen aufbringen.
Vor allem in den USA wurde diskutiert, ob die wirtschaftlichen Vorteile die öffentlichen Ausgaben tatsächlich ausgleichen. Die Fifa selbst übernimmt nur einen Teil der lokalen Organisationskosten, während zahlreiche Einnahmen direkt an den Weltverband fließen.
Gleichzeitig sorgten Millionen Besucher für Umsätze in Hotels, Restaurants, im Einzelhandel und im Transportwesen. Wie groß der langfristige wirtschaftliche Nutzen für die einzelnen Regionen ausfällt, dürfte sich jedoch erst nach einer umfassenden Auswertung zeigen.
England gewinnt spektakuläres Spiel um Platz drei
Sportlich sorgte am Samstag das Spiel um Platz drei für einen außergewöhnlichen Abschluss. England bezwang Frankreich in einem torreichen Duell mit 6:4.
Bukayo Saka erzielte dabei drei Treffer. Frankreichs Stürmer Kylian Mbappé traf doppelt und erhöhte seine persönliche Bilanz auf insgesamt 22 Tore bei Weltmeisterschaften. Damit überholte er Lionel Messi in der ewigen WM-Torschützenliste.
Mit insgesamt zehn Toren war die Partie das torreichste Spiel um Platz drei in der Geschichte der Männer-Weltmeisterschaft. Für England bedeutete der Erfolg zugleich das beste WM-Ergebnis seit dem Titelgewinn von 1966.
Argentinien und Spanien kämpfen um den Titel
Im Finale treffen am Sonntagabend Titelverteidiger Argentinien und Europameister Spanien aufeinander. Die Partie findet im New York New Jersey Stadium statt.
Argentinien strebt nach dem Triumph von 2022 den zweiten WM-Titel in Folge an. Spanien könnte sich nach dem Erfolg von 2010 zum zweiten Mal zum Weltmeister krönen.
Besondere Aufmerksamkeit gilt erneut Lionel Messi. Der argentinische Kapitän steht möglicherweise vor seinem letzten Spiel bei einer Weltmeisterschaft. Zudem hat er noch eine theoretische Chance, Mbappé im Rennen um den Goldenen Schuh einzuholen. Vor dem Endspiel liegt der Franzose mit zehn Turniertoren vor Messi, der acht Treffer erzielt hat.
Erstmals große Show in der Halbzeitpause
Neben dem sportlichen Duell setzt die Fifa auch beim Unterhaltungsprogramm neue Maßstäbe. Erstmals wird während eines WM-Finales eine aufwendige Halbzeitshow nach dem Vorbild des Super Bowl veranstaltet.
Für das Programm wurden zahlreiche internationale Musikstars angekündigt. Zu den genannten Künstlern gehören unter anderem Shakira, Madonna, BTS, Justin Bieber und Burna Boy. Die Show wurde unter Mitwirkung von Coldplay-Sänger Chris Martin zusammengestellt.
Mit dem neuen Format verfolgt die Fifa offenbar das Ziel, das Finale über das eigentliche Fußballspiel hinaus als weltweites Unterhaltungsereignis zu vermarkten. Die Verpflichtung einiger der bekanntesten Künstler der Welt verdeutlicht, wie stark sich der Verband inzwischen an amerikanischen Sport- und Unterhaltungskonzepten orientiert.
Kommerzialisierung erreicht neue Dimension
Die Rekordeinnahmen zeigen, dass die Fifa mit ihrer Expansionsstrategie wirtschaftlich erfolgreich ist. Mehr Mannschaften, mehr Spiele, höhere Ticketpreise und zusätzliche Shows schaffen neue Einnahmequellen.
Gleichzeitig wächst die Kritik an der zunehmenden Kommerzialisierung. Traditionelle Anhänger befürchten, dass sportliche Interessen immer stärker hinter wirtschaftlichen Überlegungen zurücktreten. Lange Reisewege, hohe Eintrittspreise und ein immer umfangreicheres Rahmenprogramm könnten dazu führen, dass sich der Charakter der Weltmeisterschaft grundlegend verändert.
Die Fifa dürfte sich durch den finanziellen Erfolg allerdings bestätigt fühlen. Weitere Vergrößerungen des Turniers oder zusätzliche Wettbewerbe erscheinen damit keineswegs ausgeschlossen.
Fazit
Die erste Weltmeisterschaft mit 48 Mannschaften wird für die Fifa offenbar zu einem finanziellen Triumph. Mit Einnahmen von voraussichtlich rund 15 Milliarden Dollar übertrifft der Weltverband seine ursprünglichen Planungen deutlich und erreicht eine neue wirtschaftliche Größenordnung.
Das Turnier zeigt zugleich, wohin sich der internationale Spitzenfußball entwickelt: mehr Mannschaften, mehr Spiele, teurere Eintrittskarten und eine stärkere Verbindung von Sport, Werbung und Unterhaltung. Während die Fifa und ihre Mitgliedsverbände von dem Geldregen profitieren, bleibt die Frage, ob auch die Fans und Gastgeber langfristig zu den Gewinnern dieser XXL-Weltmeisterschaft gehören.