Man muss nicht jede Mannschaft lieben. Man muss sie nicht einmal sympathisch finden. Aber eines muss man Paraguay lassen: Diese Mannschaft versteht es, Favoriten den Spaß am Fußball gründlich zu verderben.
Nach Deutschland bekam nun auch Frankreich die volle Härte der „Albirroja“ zu spüren. Was die Südamerikaner im Achtelfinale ablieferten, hatte über weite Strecken allerdings weniger mit leidenschaftlicher Defensivarbeit als mit einer Mischung aus Zerstören, Provozieren und rustikaler Grenzüberschreitung zu tun. Der überforderte Schiedsrichter ließ erstaunlich viel laufen – viel zu viel. Mehrere Fouls bewegten sich gefährlich nah an Tätlichkeiten, ohne dass überhaupt gepfiffen wurde. Da fragt man sich schon, ob die Pfeife zwischendurch versehentlich im Spind geblieben war.
Sportlich muss man Paraguay dennoch Respekt zollen. Die Franzosen fanden gegen das engmaschige Abwehrbollwerk kaum einmal eine Lücke. Chancen? Mangelware. Kylian Mbappé, Ousmane Dembélé und Co. bissen sich über weite Strecken die Zähne aus. Frankreich dominierte zwar den Ball, doch Paraguay verteidigte leidenschaftlich und mit einer Disziplin, die man nicht kleinreden darf.
Dass die Entscheidung schließlich ausgerechnet durch einen Elfmeter fiel, passte irgendwie ins Bild dieses zähen Abends. Erst der VAR griff ein und korrigierte das, was dem Schiedsrichter zuvor entgangen war: ein klares Foul an Désiré Doué im Strafraum. Kylian Mbappé trat an, blieb eiskalt und verwandelte sicher zum 1:0.
Danach zeigte sich der Unterschied zwischen Frankreich und Deutschland. Die Équipe Tricolore geriet nach der Führung nicht mehr ins Wanken. Keine Hektik, keine unnötigen Risiken – stattdessen kontrollierte Didier Deschamps‘ Mannschaft das Geschehen routiniert und brachte den knappen Vorsprung souverän über die Zeit. Nicht spektakulär, aber enorm abgeklärt. Genau so gewinnt man K.-o.-Spiele.
Paraguay verabschiedet sich zwar aus dem Turnier, kann aber mit erhobenem Haupt nach Hause reisen. Zwei Schwergewichte des Weltfußballs wurden an den Rand einer Niederlage gebracht, eines davon sogar aus dem Wettbewerb geworfen. Dass die Mannschaft dabei mit ihrer kompromisslosen Spielweise nicht unbedingt neue Freunde gewonnen hat, dürfte sie vermutlich herzlich wenig interessieren.
Für Frankreich wartet nun allerdings eine ganz andere Aufgabe. Im Viertelfinale geht es gegen Marokko – und dort dürfte mit derselben Effizienz, Disziplin und Konterstärke zu rechnen sein, die Kanada bereits schmerzhaft zu spüren bekam. Es ist das Duell zweier Mannschaften, die bislang kaum Fehler machen. Und genau deshalb könnte dieses Viertelfinale zu einem der Höhepunkte dieser Weltmeisterschaft werden.